Bentaleb und Harit sind im Derby die größten Enttäuschungen

Schalke 04

Schalke bleibt weiter im Krisenmodus. Nach dem 0:3 in Dortmund haben die Königsblauen erst einen Punkt auf dem Konto. Die Gründe für den Absturz.

Gelsenkirchen

, 25.10.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schwach gespielt: Armine Harit.

Schwach gespielt: Armine Harit. © dpa

Das Wetter hatte sich am Sonntagvormittag der tristen Lage des FC Schalke 04 angepasst. Dunkle Wolken und immer wieder längere Regenperioden sorgten für eine trübe Kulisse beim Training der Reservisten. Öffentlich zugänglich war diese Einheit nicht, aber nach der 0:3 (0:0)-Klatsche in Dortmund hätten sich wohl kaum große Menschenansammlungen auf das Vereinsgelände begeben.

Nach 21 Bundesligaspielen in Folge ohne Sieg hat sich bei vielen Anhängern längst Resignation breitgemacht. Selbst größte Optimisten waren zwar nicht von einer Derby-Überraschung ausgegangen, aber viele statistische Zahlen des Schreckens taugen aus Schalker Sicht auch nicht als Mutmacher für eine bessere sportliche Zukunft.

Keine Torchance in 90 Minuten

Schalke hat einen Punkt aus fünf Spielen geholt und ein Torverhältnis von 2:19. In bisher drei absolvierten Auswärtsspielen blieben die Königsblauen torlos. In Dortmund schafften es die blau-weißen Kicker in 90 Minuten, ganze vier Mal in den Strafraum des Gegners zu kommen.

Bei solchen Werten klang es wie das Pfeifen im dunklen Wald, wenn Trainer Manuel Baum das gute Arbeiten seiner Mannschaft gegen den Ball anführte. Denn hatten Mascarell und Co. das Spielgerät erobert, war es auch gleich schon wieder weg.

Große Offensivprobleme

Dies war Baum nicht entgangen. „Ich bin genervt und sauer“, schimpfte der Schalker Trainer, „wenn wir den Ball erobert hatten, dann konnten wir gar nicht so schnell schauen, wie der wieder weg war.“ Das größte Problem seien die Offensivprobleme und die Mutlosigkeit.

Für Baum war der Auftritt beim Erzrivalen vor allem ein Kopfproblem seiner Spieler, denen das Selbstvertrauen fehle. Aber spielt nicht auch die Qualität jedes einzelnen Akteurs eine Rolle?

Beispiel Nabil Bentaleb: In jedem der bisher fünf Bundesligaspiele stand der Mittelfeldspieler in der Schalker Startformation und enttäuschte restlos.

Beispiel Amine Harit: Was ist bloß aus dem torgefährlichen Edel-Techniker geworden, der in Dortmund einen Fehlpass auch dem anderen spielte?

Hat Burgstaller recht?

Sportvorstand Jochen Schneider hat in den vergangenen Wochen und Monaten gebetsmühlenartig betont, dass die Spieler es doch viel besser könnten und immer wieder auf die starke Hinrunde der vergangenen Saison verwiesen.

Nun offenbart sich jedoch mehr und mehr, dass der zum FC St. Pauli abgewanderte Guido Burgstaller recht haben könnte. Der Österreicher mutmaßte kürzlich, dass Schalke in dieser Phase der Saison vielleicht über seine Verhältnisse gespielt habe.

Das wollen die Entscheidungsträger aber offenbar nicht wahrhaben. „Wir müssen mit aller Macht die Qualität rauskitzeln“, forderte Lizenzspieler-Koordinator Sascha Riether im Sport1-Doppelpass. Dann sollten solchen Worten aber auch Taten folgten. Am Montag ist trainingsfrei, also der gewohnte Rhythmus nach einem Bundesligaspiel. Kann sich das eine Mannschaft erlauben, deren Leistungskurve seit Monaten dramatisch nach unten zeigt? Der Hinweis auf das angebliche Potenzial, dass diese Spieler haben sollen, wird seit Wochen beschworen, aber es ist nichts davon auf dem Platz zu sehen.

Mit dem Ball zu schlecht

Die Niederlagen gegen Bayern, Leipzig und jetzt Dortmund waren keine Überraschungen, aber auch die Ergebnisse gegen Bremen (1:3) und Union Berlin (1:1) blieben enttäuschend. Dabei fällt noch zusätzlich ins Gewicht, dass die Schalker Spieler in Dortmund zwar wollten, aber ihre Mittel reichten bei weitem nicht aus. Der BVB, Leipzig oder gar die Bayern - Schalke ist von diesen Mannschaften leistungsmäßig momentan Lichtjahre entfernt.

Das gab auch Bastian Oczipka indirekt zu. Sein Geständnis: „Wir waren mit dem Ball einfach viel zu schlecht. Auf Dauer ist das zu wenig“, lässt Schlimmes für die nächsten Aufgaben gegen Stuttgart und in Mainz befürchten.

Sportvorstand Jochen Schneider mochte sich gestern nicht äußern. Das ist sein gutes Recht, aber wenn die Schalker Krise so anhält, wird Schweigen auch nicht weiter helfen.

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