Breitenreiter: "Uns fehlt ein Knipser"

Schalkes Sturmflaute

Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten: Zwei freie Tage spendierte S04-Trainer André Breitenreiter seinen Spielern nach dem grandiosen 1:1 (0:1) gegen den bärenstarken FC Ingolstadt, dessen Torschütze Levels sein Glück kaum fassen konnte – so einfach wird es dem Verteidiger in der Bundesliga wohl nicht mehr gemacht. Ironie aus - denn die Euphorie nach einem guten Saisonstart ist verfolgen.

GELSENKIRCHEN

von Von Frank Leszinksi und Norbert Neubaum

, 02.11.2015 / Lesedauer: 3 min
Breitenreiter: "Uns fehlt ein Knipser"

Bilder der Partie Schalke gegen Ingolstadt.

Doch alle Ironie mal beiseitegelassen, stehen die Königsblauen nach elf Spieltagen immerhin auf dem vierten Tabellenplatz, obwohl sie zuletzt nur eins von sechs Pflichtspielen gewonnen haben. Manager Horst Heldt sah deshalb wohl auch nur dezenten Anlass für Kritik. „Wir haben wegen der ersten Halbzeit nicht gewonnen. Was die Chancenauswertung betrifft, müssen wir effektiver werden. Aber jetzt kommen in der Bundesliga Spiele, wo wir nicht Favorit sind. Das ist vielleicht sogar einfacher,“ blickte der 45-Jährige zuversichtlich nach vorn.

Kein Stimmungsumschwung

Von einem Stimmungsumschwung, weil es erstmals wieder Pfiffe für die eigene Mannschaft gab, wollte Heldt nichts wissen. „In der Halbzeit gab es Pfiffe, das ist normal und legitim. Aber für mich ist entscheidend, dass unsere Fans während der gesamten 90 Minuten die Mannschaft hervorragend unterstützt haben.“ Wesentlich kritischer ging Benedikt Höwedes mit der Leistung der eigenen Mannschaft um: „In der ersten Halbzeit war es phasenweise ein Rückfall in alte Zeiten. Die Leidenschaft und der letzte Biss haben gefehlt. Erst in der zweiten Halbzeit hat man gesehen, was möglich ist, wenn wir vernünftig ins Spiel reingehen.“

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Auch Leroy Sané, der Schalke per Kopf nach 77 Minuten wenigstens einen Punkt rettete, vermisste den „letzten Biss“ in seiner Mannschaft, die in dieser Verfassung als klarer Außenseiter für die nächsten Bundesligaspiele in Dortmund, gegen die Bayern und in Leverkusen gilt.

"Bonusspiele" für Schalke

Trainer Breitenreiter spricht in Anbetracht der kommenden Aufgaben gar von „Bonusspielen“, die Schalke vor der Brust habe. „Auch der große FC Schalke 04 darf sich keinen Zacken aus der Krone brechen, das einzugestehen: Unser Kader ist nicht so breit aufgestellt wie bei Bayern, Dortmund, Wolfsburg, Mönchengladbach oder Leverkusen.“ Vor der Saison hörte sich das noch ganz anders an. Damals hatte der Schalker Trainer noch die Vorteile eines kleinen Kaders betont. Der Verein habe sich bewusst dafür entschieden, weil jeder Spieler im Kader beim Tanz auf drei Hochzeiten gebraucht werde, so hieß es noch im August 2015. So ändern sich die Zeiten.

Das Lamentieren ob der fehlenden personellen Alternativen kann auch als Kritik an der Personalpolitik von Manager Horst Heldt interpretiert werden, dessen „zeitnahes“ zweite Gespräch mit Schalke-Boss Clemens Tönnies immer noch aussteht. Breitenreiter hatte sich auch schon beim Wechsel von Julian Draxler zum VfL Wolfsburg eindeutig positioniert („Wir haben unseren besten Spieler verloren“) und Verstärkungen für die Offensive gefordert, die er jedoch nicht bekam. Erst in der Winterpause will Schalke personell nachlegen.

Huntelaar außer Form

Bis dahin darf man gespannt sein, wie sich das Betriebsklima entwickelt, denn Breitenreiter ließ auch noch wissen: „Uns fehlt ein Knipser wie ihn jeder andere Top-Verein hat.“ Bei dieser Aussage muss dem 42-Jährigen wohl entfallen sein, dass Schalke auch gegen Ingolstadt mit Klaas-Jan Huntelaar und Franco Di Santo stürmte. Huntelaar trifft seit Jahren regelmäßig zweistellig, Di Santo war der Wunschstürmer von Breitenreiter. 

Solch verbale Eigentore stützen nicht seine Glaubwürdigkeit. Hinzu kommen die angeblichen Dissonanzen zwischen Breitenreiter und Heldt, der nur noch als Manager auf Abruf gilt. Ein Zustand, der auch Schalkes Elf nervt. „Ich wünsche mir, dass die Sache geklärt wird“, sagte Kapitän Höwedes. Schalke im November 2015: Die Euphorie nach gutem Saisonstart ist längst verflogen.

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