Die Diskussion um die rassistischen Äußerungen des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden scheint kein Ende zu nehmen. Dabei ist doch eigentlich schon alles gesagt...

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 08.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Fall Tönnies: Was wäre eigentlich, wenn...

...wir uns alle mal bemühen würden, wenigstens ein bisschen Luft aus einer Diskussion zu lassen, in der sich jetzt innerhalb einer Woche so ziemlich jeder zu Wort gemeldet hat und die Wahrscheinlichkeit auf neue Argumente nun relativ gering ist?

... wir uns stattdessen noch einmal vor Augen führen, was da in Paderborn und am Dienstagabend auf Schalke tatsächlich passiert ist? Ein Mann hat einen unfassbaren Unsinn erzählt, hat eine rassistische Aussage getätigt, die nicht nur wegen seiner diversen Funktionen und Positionen aufs Schärfste zu verurteilen ist. Er hat sich dann – wenn auch in diskutabler Form – dafür entschuldigt und sich auf Schalke vor dem Gremium dafür verantwortet, das (von den Mitgliedern) genau für solche Anlässe gewählt worden ist.


Auch Ehrenrat muss in sich gehen

...genau dieser Ehrenrat nun einmal über seine Souveränität nachdenkt, wenn er in der Öffentlichkeit den Eindruck zulässt, Clemens Tönnies selbst habe seine „Strafe“ festgelegt und der Ehrenrat habe diesen Vorschlag einfach nur abgenickt?

...diejenigen, die Tönnies nun mit Schimpf und Schande in die königsblaue Wüste schicken wollen, vielleicht auch das Argument respektieren, dass sogar nach einem im Prinzip unentschuldbaren Vorfall wie diesem auch eine ohnehin polarisierende Figur wie Clemens Tönnies eine zweite Chance verdient hat?

Gabriels Worte ernst nehmen

...wir die mahnenden Worte des früheren SPD-Chefs Sigmar Gabriel ernst nehmen, der eine seriösere Definition der Vokabel „Rassist“ gefordert hat, weil es eine Verharmlosung von „echten Rassisten“ sei, wenn Clemens Tönnies in diese Schublade gesteckt würde. Denn das lehrt auch der eigene jahrelange berufliche Umgang mit ihm: Clemens Tönnies ist es völlig wurscht, wo einer herkommt oder welche Hautfarbe er hat. Für Tönnies zählen die Charakter-Eigenschaften, von denen beispielsweise „Fleiß“ ganz oben angesiedelt ist. Das macht den furchtbaren Unsinn, den er in Paderborn erzählt hat, nicht besser, aber vielleicht hilft es bei der generellen Einordnung.

... Tönnies selbst sich mal die Frage stellt, was seine Berater, die er in der ganzen Angelegenheit sicherlich konsultiert hat, eigentlich beruflich machen? Das Krisen-Management („Gesagt ist gesagt“) war ohnehin schon schwer bis unmöglich – aber es wurde bereits zum kompletten Desaster, als sich Tönnies zunächst bei „den Schalkern“ entschuldigte und nicht bei den Menschen, die er beleidigt hatte.

Rückkehr als „einfacher“ Aufsichtsrat?

... Tönnies nach seinen drei Monaten Ruhepause als einfaches Schalker Aufsichtsrats-Mitglied weitermacht und seinen Posten als Vorsitzender freiwillig niederlegt? Als Sprecher des wichtigsten von den Mitgliedern gewählten Schalker Vereinsgremiums wird er auch in drei Monaten für einen erheblichen Teil der Öffentlichkeit für untragbar gehalten werden. Und Tönnies könnte beweisen, dass ihm Schalke auch als einfacher Aufsichtsrat am Herzen liegt. Es wäre zumindest ein kleines Zeichen von Demut.

Aber wie heißt es: Wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wär...

Lesen Sie jetzt