Gehaltsoberbrenze, Corona-Klauseln in den Verträgen, maßvolles Wirtschaften - der Verein arbeitet sein Pflichtenheft ab. Also hat er Rechte wie andere Unternehmen auch - bei allem Unbehagen.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 11.07.2020, 12:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das öffentliche Unbehagen über die mögliche Inanspruchnahme einer Landesbürgschaft durch den FC Schalke 04 fasste das Manager Magazin in einer Online-Version so zusammen: „Für Fußball-Profis: Schalke pumpt den Steuerzahler an“. Eine zugegeben plakative, aber dann doch etwas vereinfachte Darstellung der Thematik.

Als die Deutsche Presse-Agentur am Freitagmittag erste Details des bis dahin offiziell noch nicht bestätigten Schalker Bürgschafts-Antrags in Höhe von 31,5 Millionen Euro zur Absicherung eines 35-Millionen-Euro-Darlehens veröffentlichte, saß in Düsseldorf der NRW-Haushalts- und Finanzausschuss zusammen, um genau über diese Thematik zu diskutieren. Erste Signale vor der endgültigen, noch ausstehenden Entscheidung des Landesbürgschaftsausschusses, waren vorsichtig positiv. Niemand sprach allerdings vom FC Schalke 04 als Verein. Schalke wird in dieser Angelegenheit ausschließlich als Unternehmen beurteilt. Und das ist auch richtig.

Nicht nur Millionäre

Denn es geht eben nicht um die in diesem Zusammenhang ja oft zitierten „Millionäre in kurzen Hosen“, die da da jetzt auch noch mit Steuergeldern finanziert werden sollen. Zunächst einmal ist so eine Bürgschaft - das wird oft und gern missverstanden - ja lediglich eine Absicherung und kein direkter Geldzufluss, das Land kann bei Nicht-Inanspruchnahme durch die dann fällige Gebührenzahlung des Antragstellers sogar noch eine hübsche Stange Geld verdienen. Zum anderen, viel wichtiger, arbeiten auf Schalke eben nicht nur Millionäre in kurzen Hosen.

Es geht um hunderte ganz „normaler“ Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die ein typischer Bestandteil des Arbeitsmarktes sind. Auch deren Jobs wackeln bedenklich, wenn die Königsblauen - und das sind sie offenbar - in Schieflage sind. Schalke ist in den vergangenen Jahren des Wachstums oft genug als eine Art Vorzeige-Unternehmen dargestellt worden, das gerade für die Stadt Gelsenkirchen ein wichtiges Element auch in Bezug auf den Strukturwandel darstellt. Schalke wird gelobt für sein großes soziales Engagement, stellvertretend sei an dieser Stelle die Stiftung „Schalke hilft“ genannt. Und Schalke wurde und wird geschätzt als einer der größten Arbeitgeber und - nicht zu verachten - Steuerzahler der Stadt.

Pflichten, aber auch Rechte

Wenn man Schalke nun also tatsächlich als Unternehmen betrachtet, das auch Pflichten hat, muss diesem Unternehmen auch zugestanden werden, Rechte zu beanspruchen wie andere Unternehmen auch. Persönliche Bauchschmerzen dürfen da keine Rolle spielen. Natürlich hat der Verein offensichtlich über seine Verhältnisse gelebt, natürlich stand jahrelang mit Clemens Tönnies eine durchaus umstrittene Person an der Spitze - aber solche subjektiven Empfindungen und Eindrücke haben bei einer ordnungsgemäßen Prüfung des Bürgschafts-Antrags eigentlich nichts zu suchen.

Wenn Schalke die Kritierien für eine Bürgschaft erfüllt, gibt es keinen Grund, dem Antrag nicht stattzugeben. Wenn nicht, muss der Antrag abgelehnt werden. Es darf auch bei dieser Form der Corona-Hilfen keine Extra-Wurst für Schalke geben - das gilt aber in beide Richtungen.

Die Politik muss verantwortungsvoll entscheiden, Schalke muss verantwortungsvoll handeln. Wenn es die Bürgschaft gibt, ist sie nicht um jeden Preis zu bekommen. Schalkes Chefetage hat ein Pflichtenheft abzuarbeiten, die Anfänge sind gemacht: Zur Ankündigung des maßvolleren Wirtschaftens und der damit verbundenen anscheinend geplanten Gehaltsobergrenze passen auch die Corona-Klauseln, die Sportvorstand Jochen Schneider nun in einem Interview mit dem Sportinformations-Dienst (sid) erwähnte. Es soll vertraglich fixiert werden, dass die Schalker Profis (und die Spieler der U23) solange auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, wie die Pandemie andauert.

Das Unbehagen wird bleiben

Bei allen guten Vorsätzen wird eines - sollte die Bürgschaft genehmigt werden - allerdings vorerst nicht aus der Welt zu schaffen sein: Das öffentliche Unbehagen darüber, dass Schalke überhaupt in diesen Schlamassel gekommen ist. Denn dafür kann nicht nur Corona alleine verantwortlich gewesen sein. Um bei vielen Fans und Mitgliedern verspielten Kredit wieder zurückzugewinnen, muss Schalke den guten Vorsätzen nun auch die entsprechenden Taten folgen lassen - am besten nachhaltig.

Schlagworte: