Donis Avdijaj hat sich ins Abseits gedribbelt

Abstieg einer Schalker Hoffnung

Trainieren, trainieren, trainieren. Es gibt wohl nichts Schlimmeres für einen Profifußballer, wenn er dann nicht wenigstens ab und zu unter Wettkampfbedingungen spielen kann. Woher die Motivation holen, wenn doch klar ist, dass man Woche für Woche nur eine Zuschauerrolle einnehmen darf? So ähnlich dürfte es wohl zurzeit Donis Avdijaj empfinden.

GELSENKIRCHEN

27.09.2017, 06:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Donis Avdijaj hat sich ins Abseits gedribbelt

Die Qualitäten des einst hoch gehandelten Donis Avdijaj sind beim FC Schalke 04 nicht mehr gefragt.

Der 21-Jährige galt noch vor wenigen Jahren als Riesentalent auf Schalke, wird aber jetzt nicht einmal mehr für gut genug befunden, um in der Oberligamannschaft zu spielen. Längst steht fest: Stürmer Avdijaj hat sich ins Abseits gedribbelt.

Die Hoffnung des 21-jährigen Kosovaren, bis zur Schließung des Transferfensters einen neuen Verein zu finden, hat sich zerschlagen. Es ist zu vermuten, dass interessierte Klubs dann doch von einer Verpflichtung Abstand nahmen, als sie sich intensiver mit Avdijajs Aktivitäten außerhalb des Rasen-Rechtecks auseinandersetzten.

"Dass ich geil bin"

Das Video-Interview, das der Stürmer anlässlich seines 19. Geburtstages in Österreich gab, war da noch das geringste Problem. Auf die Frage, was er an sich mag, antwortete der Offensivspieler damals trocken: „Dass ich geil bin.“ Auch die Antwort, was er mit einem 15-Millionen-Gewinn machen würde, sorgte eher für Erheiterung.

„Ich würde mir ein Schwimmbad bauen und darin dann so schwimmen“, sagte Avdijaj, und: „Und rundherum so Pferde kaufen, die mir dabei zugucken. Wenn ich rausgehe aus dem Geldschwimmbad, würde ich auf einem Pferd wegreiten.“

Rote Ampel ignoriert

Schwerwiegender für seinen Karriereverlauf waren eher eine Autofahrt durch seine Heimatstadt Osnabrück, die sogar die Staatsanwalt beschäftigte. Der Angreifer hatte am 3. Oktober zunächst eine rote Ampel ignoriert und dabei eine Radfahrerin gefährdet. Anschließend hatte er beim Einparken ein anderes Auto beschädigt, ohne den Vorfall zu melden. Solche Eskapaden blieb kein Einzelfall. Zuletzt wurde ein Vorfall in Gelsenkirchen publik, als Avdijaj mit dem Handy am Steuer seines Autos erwischt worden war und Polizisten als „Schlaumeier“ bezeichnete.

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Es wäre jedoch zu einfach, nur Avdijaj für seine missliche Lage verantwortlich zu machen. Auch Schalke muss sich hinterfragen, ob ein in seiner Persönlichkeitsstruktur noch nicht gefestigter Spieler nicht mehr Betreuung braucht. Dass sein im März 2014 abgeschlossener Profivertrag eine Ausstiegsklausel von 49 Millionen Euro enthielt, die dann öffentlich wurde, war auch nicht hilfreich. Für einen so jungen Spieler kann das eine Belastung bedeuten.

Zu frech

Da musste sich der Youngster fast zwangsläufig in dem Gefühl bestärkt sehen, bereits ein „Großer“ im Fußball zu sein. Und es verwunderte nicht, dass Avdijaj nach seiner Ausmusterung durch Trainer Domenico Tedesco „die Erwartungshaltung hatte, dass bei ihm das Telefon nicht mehr stillsteht“, wie es Manager Christian Heidel formulierte. Doch die Welt riss sich nicht um Avdijaj. Heidel versuchte nach Informationen dieser Zeitung zwar, Avdijaj wenigstens die Rückkehr zu den Profis zu ermöglichen, aber bei den meisten seiner Mannschaftskollegen genießt der Stürmer keinerlei Rückhalt mehr. Zu frech, zu arrogant, zu beratungsresistent sei er, so wird es aus der Kabine kolportiert.

Noch hat Donis Avdijaj die Möglichkeit, die Kurve zu kriegen. Bis das Transferfenster im Januar 2018 wieder öffnet, heißt es für ihn: Trainieren, trainieren, trainieren. Bei der Schalker Reserve in der fünften Liga.

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