Er hat nicht übertrieben: Jetzt weiß Stevens, wie schwer sein Job auf Schalke wirklich ist

Schalke 04

Der geplatzte Pokal-Traum ist der erste Rückschlag für „Feuerwehrmann“ Huub Stevens. Nun zählt für die Königsblauen und ihren Interimstrainer nur noch der Klassenerhalt – egal, wie.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

, 04.04.2019, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Er hat nicht übertrieben: Jetzt weiß Stevens, wie schwer sein Job auf Schalke wirklich ist

Nur gucken, nicht anfassen: Für Huub Stevens, der hier vor dem Spiel gegen Bremen den DFB-Pokal ins Visier nimmt, geht es mit Schalke jetzt nur noch um den Klassenerhalt. © dpa

Man sah ihm, diese Bemerkung sei mit Verlaub gestattet, seine 65 Jahre in diesem einen Moment an. Die 0:2-Niederlage gegen Bremen und der damit geplatzte Traum vom Pokal und der letzten Europapokal-Chance hatte Huub Stevens sichtlich mitgenommen. Und das ließ Schalkes „Feuerwehrmann“ ARD-Reporter Jürgen Bergener im Interview nach dem Spiel spüren.

Worte der Enttäuschung

Stevens „knurrte“ wie in seinen „besten“ Zeiten nur ein paar wütende Worte ins Mikrofon, machte aus seiner Enttäuschung überhaupt keinen Hehl. Warum auch? Ein Schauspieler war Stevens noch nie, und es wäre große Schauspiel-Kunst erforderlich gewesen, um das Pokal-Aus schönzureden.

Nach dem 0:1 gegen Leipzig, das für das neue Trainer-Duo Stevens und Mike Büskens mehr unter dem Motto „Kennenlernen der Mannschaft“ stand und dem quasi alternativlosen 1:0-Sieg in Hannover war die Niederlage gegen Bremen der erste Rückschlag in der „Mission“ von Huub Stevens.

Erstmals in seiner nun dreiwöchigen dritten Amtszeit auf Schalke erlebte er hautnah, dass er bei der Pressekonferenz kurz nach seiner Amtsübernahme Mitte März nicht übertrieben hatte, als der im Abstiegskampf ja sehr erfahrene Stevens orakelte: „Das hier ist mein schwerster Job.“

Kampf alleine reicht nicht

Und der schwierigste Teil beginnt erst jetzt: Denn gegen nicht einmal besonders starke Bremer wurde offensichtlich, dass Schalkes schwaches Leistungsniveau in dieser Saison eben nicht nur eine Charaktersache ist.

Schalke kämpfte, zeigte Einsatz, stand defensiv lange sicher – aber es reichte wieder nicht, weil es vorne an Durchschlagskraft fehlt (auch unter Stevens erst ein Tor in drei Spielen) und weil im hinteren Bereich dann doch irgendwann mal ein Fehler passiert, den ein fähiger Gegner auszunutzen versteht.

„Zu viele Fehler gemacht“

Dem 0:1 durch Milot Rashica ging ein Missverständnis zwischen Bastian Oczipka und Yevhen Konoplyanka voraus – Oczipka spielte „Kono“ kurz an, der war allerdings schon lange steil gestartet. Bremen fing den Ball ab, dann ging alles ganz schnell. Zu schnell.

Stevens ist im Umgang mit der Mannschaft auf der Suche nach seiner eigenen Balance. Direkt nach der Niederlage gegen Bremen hatte er noch gegrollt: „Bremen war besser. Wir haben zu viele Fehler gemacht. Das darf uns nicht passieren. Ich weiß, woran es liegt. Ich kann aber nicht mehr sagen, ich bin doch nicht verrückt. Das Wichtigste ist, dass wir wieder Vertrauen finden.“ Später klang er versöhnlicher: „Meine Mannschaft ist richtig geknickt. Sie hat alles versucht, sich aber nicht belohnt.“

Frankfurt kommt mit Offensiv-Wucht

Alle Konzentration gilt nun der Rettung in der Bundesliga – das „Wie“ spielt schon längst keine Rolle mehr. Zwar hat Schalke sechs Punkte Vorsprung auf den Relegations-Platz – das klingt trügerisch komfortabel. Am Samstag kommt Frankfurt in die Arena – eine Mannschaft, die Schalke schon im Hinspiel (3:0) mit ihrer offensiven Wucht erdrückte. Auf Schalke herrscht seit Mittwoch dagegen wieder die große Verunsicherung. Bastian Oczipka: „Wir haben nicht gerade Riesen-Selbstvertrauen.“

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