Goretzka: "Gladbach darf keine Eintagsfliege sein"

Das Schalke-Interview

Trotz großer Konkurrenz ist Leon Goretzka auf dem besten Weg, sich einen Stammplatz im Schalker Mittelfeld zu erobern. Vor dem Bundesliga-Spiel in Augsburg spricht der 21-Jährige im Interview über die schwerste Entscheidung seines Lebens, den Schalker Fehlstart und das leidige Thema Verletzungen.

GELSENKIRCHEN

13.10.2016, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Goretzka: "Gladbach darf keine Eintagsfliege sein"

Leon Goretzka will mit Schalke nach dem Erfolg gegen Mönchengladbach nachlegen.

Markus Weinzierl hat Sie zuletzt über den grünen Klee gelobt. Das macht er bei einzelnen Spieler eher selten.

Ehrlich gesagt habe ich das nicht so detailliert mitbekommen. Aber ich freue mich natürlich, wenn der Trainer mich lobt. Ich habe jetzt ja auch schon so viele Saisontore erzielt wie in der gesamten letzten Saison.

Haben Sie Ihre Zerrung auskuriert?

Ja, es war nichts Schlimmes. Ich habe die Länderspielpause genutzt und war bei einem Spezialisten, um zu gucken, was man noch tun kann, um die Regenerationszeiten zu verkürzen.

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Leider wurden Sie in Ihrem bisherigen Karriereverlauf ja schon öfter von Verletzungen gestoppt.

Mir gefällt es nicht, wenn dieses Thema so groß aufgehängt wird. In der vergangenen Saison habe ich alle DFB-Pokal- und Europa-League-Spiele mitgemacht. Außerdem 25 Bundesligaspiele. Das ist eine Bilanz, die mich zufriedenstellt.  

Diese Einschätzung gilt sicher nicht für den Bundesligastart. Wie sind Sie mit der Niederlagenserie umgegangen?

Mit dem Rücken zur Wand zu stehen, diese Erfahrung habe ich auf Schalke mehrfach gemacht. Für mich war das Wichtigste in dieser schwierigen Phase, dass wir als Mannschaft nicht das Vertrauen in unseren Plan, wie wir Fußball spielen wollen, aufgegeben haben.

Mönchengladbach hat das zu spüren bekommen ...

Da hat nicht nur der Einsatz, sondern endlich auch das Ergebnis gestimmt. Jetzt müssen wir alles dafür tun, um in Augsburg nachzulegen.

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Denn noch hat Schalke erst einmal in der Bundesliga gewonnen...

Aber es war ein eindrucksvoller Sieg. Jetzt müssen wir beweisen, dass wir konstant erfolgreich spielen können, um so schnell wie möglich die untere Tabellenregion zu verlassen. Gladbach war der erste Schritt in die richtige Richtung.

Wie haben Sie das Umfeld des Vereins in den ersten Monaten der neuen Saison erlebt?

Trotz des schwachen Starts war es noch nie so ruhig auf Schalke im Vergleich zu früheren Jahren.

Hat Sie das überrascht?

Ja. Das bewerte ich als sehr positiv. Andererseits muss man auch sagen, dass es normal ist, dass Kritik kommt, wenn man fünf Bundesligaspiele in Folge verliert. Aber wir konnten weiter ruhig und akribisch arbeiten. So habe ich auch die Arbeit des Trainers empfunden. Es gab keinen Aktionismus. Nicht zu vergessen ist das Vorgehen von Manager Heidel, der nach innen und außen gut kommuniziert hat, wie wir aus der schwierigen Situation herauskommen können.

Hatten Sie vor dem Saisonstart Bedenken um ihren Stellenwert im Team, weil so viele neue Spieler verpflichtet wurden, gerade auch für das Mittelfeld?

Nein. Ich bin kein Spieler, der so denkt, sondern freue mich, dass wir Qualität im Kader dazugewonnen haben. Das ist auch nicht schlecht für die persönliche Entwicklung, weil damit das Trainingsniveau steigt. Letztendlich bist du immer selbst dafür verantwortlich, ob du auf dem Platz stehst oder nicht.  

Wie haben sich die Trainingsinhalte verändert?

Wir feilen an den Automatismen für unser Spiel. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen, aber gegen Gladbach hat man gesehen, wie es gehen kann. Das war ein kleines Fußball-Fest, mit dem wir auch unsere Fans ein bisschen für manche Enttäuschungen entschädigt haben.

Spielen Sie momentan auf Ihrer Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld?

Dort fühle ich mich jedenfalls sehr wohl. Aber ich hätte auch kein Problem, woanders zu spielen.

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Wie lange haben Sie gebraucht, um Ihre verletzungsbedingte vorzeitige Abreise von den Olympischen Spielen zu verkraften?

Das war brutal. Aber ich bekam schnell das Gefühl, vom Spieler zum Fan dieser Mannschaft zu werden. Die Erfolge des Teams und der Kontakt zu den Mannschaftskameraden haben die Enttäuschung ein bisschen aufgefangen. Ich hätte unter einem gewissen Risiko vielleicht auch weiter spielen können, aber die Erfahrungen aus der Vorsaison haben gezeigt, dass mit solch einer Schulterverletzung nicht zu spaßen ist. Es war einer der schwersten Entscheidungen meines Lebens, auf weitere Spiele bei Olympia zu verzichten. Durch meinen guten Saisonstart fühle ich mich jedoch bestätigt, das Richtige gemacht zu haben.

Dabei wachsen Sie immer mehr in die Rolle eines Führungsspielers hinein.

Das ist mein Anspruch, ich will Verantwortung übernehmen. Es hat mir deshalb auch sehr gut getan, dass ich Kapitän der U21 geworden bin und der Trainer mich in den Schalker Mannschaftsrat berufen hat.

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Jetzt kommen wieder drei Englische Wochen. Was erhoffen Sie sich?

Punkte, Punkte, Punkte. Der Sieg gegen Gladbach darf keine Eintagsfliege sein. In der Bundesliga wollen wir gegen Augsburg und dann gegen Mainz am liebsten sechs Zähler holen.

Ihr Vertrag auf Schalke läuft noch bis ins Jahr 2018. Hat es schon mal Gespräche zwischen Ihnen und dem Verein gegeben, wie es dann weiter gehen soll?

Nein. Es ist noch viel Zeit, fast zwei Jahre. Was ich sagen kann: Ich bin sehr heimatverbunden und familiär orientiert. Auf Schalke fühle ich mich zurzeit sehr wohl.