Harmonische Schalker Versammlung: Der „Boss“ bleibt, Kabak kommt, KcKennie verlängert

Schalke 04

Trotz der Kritik am Aufsichtsrat bekommt Clemens Tönnies das beste Ergebnis aller vier Kandidaten. Verteidiger vom VfB Stuttgart soll schon am Montag beim S04-Trainingsauftakt dabei sein.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

, 30.06.2019, 20:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Souverän in den Schalker Aufsichtsrat wiedergewählt: Clemens Tönnies.

Souverän in den Schalker Aufsichtsrat wiedergewählt: Clemens Tönnies. © dpa

Auftritte von Peter Wendt sind so etwas wie der Indikator für die Brisanz von Schalker Jahreshauptversammlungen. Der Gastronom aus Gelsenkirchen-Buer, der sich seit vielen Jahren an den „Gänsehals“ wagt und dabei tapfer regelmäßig Buh-Rufe und Pfiffe riskiert, kritisierte auch am Sonntag Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies („Ich rate Euch, ihn nicht wiederzuwählen“), konnte seine Rede aber trotzdem zu Ende bringen, ohne dass er – wie im Vorjahr – wegen Überziehung der Redezeit von der Bühne geführt werden musste.

Sportliche Bruchlandung

Ein Beleg dafür, dass die Schalker Mitgliederversammlung 2019 insgesamt relativ harmonisch verlief.

Auf den ersten Blick erstaunlich – schließlich hatte Vize-Meister Schalke mit dem Absturz auf Rang 14 und lange drohender Abstiegsgefahr eine so eklatante Bruchlandung hingelegt, dass bei der Aussprache auch die Fetzen hätten fliegen können.

9808 Mitglieder in der Arena

Doch bei außen gemessenen 35 Grad waren nur die Temperaturen hitzig – die Köpfe in der Arena selbst blieben den dortigen klimatischen Verhältnissen angemessen in den fünf Versammlungs-Stunden entsprechend kühler. Obwohl Badeseen und Freibäder wohl eher gelockt haben, kamen 9 808 Mitglieder in die Veltins-Arena. Da mit Ex-Manager Christian Heidel und Ex-Trainer Domenico Tedesco die beiden Hauptverantwortlichen für die Talfahrt in der vergangenen Saison nicht anwesend waren, gab es ohnehin keine direkten Ansprechpartner, an denen der Frust hätte abgelassen werden können.

Jochen Schneider war die bescheiden verlaufene Saison nicht anzulasten – der neue Sportvorstand kam erst im März und drehte mit dem Comeback von Huub Stevens genau an der richtigen Stellschraube. Schalkes „Jahrhundert-Trainer“ war daher so etwas wie der Star der Veranstaltung – kaum jemand heimste mehr Beifall ein als der Niederländer, der – nun wieder im Aufsichtsrat sitzend – sichtlich Spaß an der Begeisterung der Leute hatte.

Tönnies übernahm Verantwortung

Der Aufsichtsrat selbst war es dann, an dem sich der Ärger entlud. Das Kontroll-Gremium hätte dem erfolglosen Transfer-Eifer von Manager Heidel viel früher Einhalt gebieten müssen, wurde kritisiert – aber als Clemens Tönnies persönlich dafür die Verantwortung übernahm, gab es auch für diesen Protest keinen Abnehmer mehr.

Es war also nicht mal ein Sturm im Wasserglas, der sich da über den zur Wiederwahl stehenden Tönnies zusammengebraut hatte. Und während die drei anderen Aufsichtsrats-Kandidaten eher kompliziert als erfrischend versuchten, ihre Vorzüge darzulegen, begann der „Kotelett-Kaiser“ seine Wahlrede kurz und knackig mit den Worten: „Clemens Tönnies. 63 Jahre. Jeden Tag Fleisch!“

„63 Jahre. Jeden Tag Fleisch!“

Aber nicht nur, weil der Fleisch-Fabrikant das Publikum damit vielleicht vor dem Einnicken bewahrte, bekam er mit 5599 die meisten Stimmen aller Bewerber, auf Platz zwei, und damit ebenfalls wiedergewählt, landete Peter Lange (4043). Tönnies, seit 1994 im Aufsichtsrat und seit 2001 Vorsitzender der S04-Kontrolleure, kann auf Schalke offenbar nichts und niemand gefährden. Der „Boss“ als Souverän – Tönnies bleibt für viele Mitglieder das Symbol für Verlässlichkeit.

Auf sportlicher Ebene ist das Schiff ins Schlingern geraten. Jochen Schneider soll es mit seiner umfangreichen „Mannschaft hinter der Mannschaft“ wieder auf Kurs bringen. Zwei Bausteine dabei: Vom VfB Stuttgart wurde Ozan Kabak (Vertrag bis 2024) verpflichtet. Der 19-jährige Innenverteidiger, ausgestattet mit einer Ausstiegsklausel in Höhe von 15 Millionen Euro, war angeblich auch vom FC Bayern umworben. Und Weston McKennie hat seinen Vertrag auf Schalke bis 2024 verlängert.

Verträge bis 2024

Am Montag ist um 15.30 Uhr Trainingsauftakt (wahrscheinlich mit Kabak) – die Mitgliederversammlung verließ die Mannschaft mit Neu-Trainer David Wagner schon vor der Aussprache. Von der Kritik bekam das Team so nichts mit. „Die könnten sich das ruhig mal länger anhören“, schimpfte ein Mitglied.

In der Tat: Nicht nur Peter Wendt hätte dann noch einiges mehr zu erzählen gehabt. Trotz Redezeit-Beschränkung...