Heidel muss sich auf Schalke "freischwimmen"

Kommentar

Christian Heidel ist als Nachfolger von Horst Heldt logische Lösung. Auf Schalke wirken für einen Manager allerdings andere Kräfte als in Mainz. Heidel wird sich auf Schalke "reischwimmen" müssen – trotz seiner guten Referenzen.

GELSENKIRCHEN

von Von Norbert Neubaum

, 21.02.2016, 21:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Heidel muss sich auf Schalke "freischwimmen"

Der neuer Manager des FC Schalke 04: Christian Heidel.

Als Unternehmer mit über fünf Milliarden Euro Jahresumsatz sind Clemens Tönnies wirtschaftliche Tugenden wie Effektivität und Rentabilität wichtig – alleine schon deshalb war es geradezu logisch, dass sich der Fleisch-Fabrikant in seiner Funktion als Schalker Aufsichtsratschef irgendwann einmal den Mainzer Manager Christian Heidel als Nachfolger von Horst Heldt „ausgeguckt“ hat.

Denn während Schalke nach wie vor in dem Verdacht steht, aus seinem vergleichsweise großen Potenzial noch immer zu wenig herauszuholen, praktiziert Heidel in Mainz seit über 20 Jahren das genaue Gegenteil: Er hat aus sehr bescheidenen Mitteln einen mittlerweile gestandenen Erstliga-Club geformt, der vor allem bei der Trainer-Auswahl sogar stilprägend geworden ist.

Heidel macht die Trainer 

Das wird Tönnies besonders an Heidel imponiert haben: Während sich auf Schalke die unterschiedlichsten Trainer-Typen in relativ kurzen Zeitabständen die Klinke in die Hand drückten, machte sich Mainz seine Trainer quasi selbst: Für Klopp und Tuchel war Mainz 05 die Basis-Station auf ihrer steilen Karriere-Leiter, auch mit Tuchel-Nachfolger Martin Schmidt ist der selbst ernannte Karnevalsverein alles andere als unglücklich.

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Und als Heidel merkte, dass seine Entdeckung Kaspar Hjulmand nicht so recht zur Mainzer Philosophie passte, beendete der Manager persönlich das Experiment genau so schnell wie humorlos. Auch diese Fähigkeit zur schnellen Entscheidung muss sowohl dem Aufsichtsrat als auch dem Unternehmer Tönnies gefallen haben.

Heidel ist also eine logische Lösung – ob er die richtige ist, muss sich erst noch zeigen. Denn Heidel wird damit klarkommen müssen, dass auf Schalke andere Kräfte als in Mainz wirken. Eine davon außer einem hektischeren Medien-Alltag ist übrigens Tönnies selbst: Durch viele öffentliche Statements degradierte Tönnies Horst Heldt, vielleicht sogar unfreiwillig, oft zu einer Art „Managerchen“.