Herber "Ruud-Schlag" für Magaths Elf

Niederlage ohne Gegenwehr

Vielleicht war es diese eine Szene in der 69. Minute, die Schalkes Elend zum Rückrunden-Start symbolisierte: Torhüter Manuel Neuer warf den Ball zu Joel Matip, der das Arbeitsgerät mit peinlicher Ungeschicktheit über den Fuß ins Seitenaus rutschen ließ.

GELSENKIRCHEN

von Von Norbert Neubaum

, 16.01.2011, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Szene mit Symbolcharakter: Ivan Rakitic (oben) wurde von den Fans bei seiner Auswechslung ausgepfiffen.

Eine Szene mit Symbolcharakter: Ivan Rakitic (oben) wurde von den Fans bei seiner Auswechslung ausgepfiffen.

Was nach den Erfolgserlebnissen aus den letzten Spielen vor der Winterpause zur großen Aufholjagd Richtung Europapokal-Plätze werden sollte, wurde zum Rohrkrepierer. Oder zum „Dachschaden-Fußball“, wie ein Journalist angesichts der Löcher im Dach der Veltins-Arena spottete. Schalke droht zumindest tabellarisch zur „grauen Maus“ zu werden. Der Rückstand auf den angestrebten fünften Platz ist im Prinzip genau so groß wie der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Die schlimmste Erkenntnis: Gegen den drohenden Zustand, den Anschluss nach oben zu verpassen, wehrte sich Schalke nicht mal richtig. Nach dem HSV-Tor durch Ruud van Nistelrooy (53.), der Schalke mit zwei Treffern schon im Hinspiel geärgert hatte, „hat sich die Mannschaft in ihr Schicksal ergeben“, analysierte S04-Trainer Felix Magath.

Der HSV, nicht gerade mit viel Selbstvertrauen in die Arena gekommen, musste nur in den Anfangsminuten einige Turbulenzen überstehen, danach hatten Ze Roberto und Co. fast alles im Griff. Magath konnte die lustlos wirkende Vorstellung seiner Elf („Nach dem 0:1 fanden wir nicht mehr ins Spiel zurück. Wir hatten ja überhaupt kein Spiel mehr!“) zwar beschreiben, aber nicht erklären. An der späten Rückreise aus dem Türkei-Trainingslager (einen Tag vor dem Spiel) habe es nicht gelegen, dass Schalke zum Rückrunden-Auftakt einen herben „Ruud-Schlag“ hinnehmen musste. Vielleicht, so vermutet Magath, sei dafür verantwortlich, dass Schalke eben doch viele junger Spieler am Start habe, die mit solchen Situationen noch nicht umgehen könnten.Der Vollständigkeit halber sollte dann aber auch erwähnt werden, dass beispielsweise mit Metzelder, Raul, Huntelaar und dem am Samstag ebenfalls schwachen Neuer ja auch einige erfahrene Spieler in der Mannschaft stehen – und dass es sich mittlerweile schon um eine Formation handelt, die Magath nicht aus der Not heraus übernommen, sondern sich so zusammen gestellt hat.

Wenn nun also der Ruf nach mehr Erfahrung laut werden sollte, dürfte ein Jermaine Jones nicht den Verein verlassen – was der 29-Jährige allerdings machen wird: Der Wechsel zu den Blackburn Rovers soll laut Magath am Montag offiziell über die Bühne gehen. Die gute Laune, die Schalke aus dem Trainingslager in die Bundesliga transportieren wollte, ist neuen Sorgen gewichen. Natürlich können bis zum 31. Januar noch personelle Veränderungen vorgenommen werden, doch ob erneute Spieler-Rotationen Schalke weiter bringen? Sowieso muss die Frage erlaubt sein, warum ein Ivan Rakitic ständig mit internationalen Top-Vereinen in Verbindung gebracht wird, wenn er zu oft – wie am Samstag – nicht mal einfachsten Bundesliga-Ansprüchen genügt. Als Rakitic ausgewechselt wurde, hatte er mit seiner Leistung nicht mal mehr Mitleid provoziert. Die Fans pfiffen nur noch vor Wut.

Lesen Sie jetzt