Martin Max wird 50 Jahre alt. Der Eurofighter erinnert sich an seine Karriere und stellt fest: „So ein Werdegang wäre heute gar nicht mehr möglich.“ Ein Geschichte voller Schalker Nostalgie.

Stuhlfelden/Gelsenkirchen

, 07.08.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schalkes „Eurofighter“ von 1997 sitzt in der gemütlichen Küchenstube einer Pension in der kleinen österreichischen Gemeinde Stuhlfelden. Hier wohnt er während des Schalker Trainingslagers in Mittersill in seiner Funktion als Schalke-Repräsentant. Es gibt viel zu erzählen – seit Dienstag ist Martin Max „50“.

„Nicht schlimm“ findet der im polnischen Tarnowskie Gory geborene Max, dass nun die „5“ bei ihm vorne steht. Max ist mit sich im Reinen, er weiß, dass seine Fußballer-Vita ihm so nicht in die Wiege gelegt worden war. Denn Max ist schon längst im Senioren-Alter, als er 1989 zu Borussia Mönchengladbach wechselt.

Drei Monate unter Tage - „Das erdet!“

Kein Nachwuchs-Leistungszentrum, keine hochgezüchtete Jugendabteilung eines Profi-Klubs hat ihn gefördert. Max muss sich seinen Aufstieg auf eigene Faust und hart erarbeiten. „Nebenbei“ absolviert er noch eine Ausbildung auf der Zeche General Blumenthal in Recklinghausen. Drei Monate arbeitet er unter Tage: „Das erdet!“

Immer ein Knipser, nie ein Lautsprecher: Schalkes Torjäger Martin Max wird 50

396 Bundesliga-Spiele stehen für Martin Max zu Buche. 126 Tore erzielte er dabei. Für Schalke lief er in 133 Pflichtspielen (39 Tore) auf. © imago

Max, Ende der 70-er Jahre mit seiner Familie nach Deutschland gezogen, spielt hier zunächst bei BW Post Recklinghausen, dann beim 1. FC Recklinghausen, für den er schließlich in der Verbandsliga auf Torejagd geht. Jürgen Wittkamp macht Borussia Mönchengladbach auf das junge Sturm-Talent aufmerksam. Von 1989 bis 1995 spielt Max in Gladbach. „Das waren meine Lehrjahre“, bilanziert er. Die werden durch einen Anruf im Frühjahr 1995 beendet.

Martin Max: „In der Saison 1995/96 wurde der Geist der Eurofighter geboren“

„Rudi Assauer war dran. Und da brauchte ich keine Sekunde zu überlegen. Schließlich war ich schon immer Schalke-Fan. Und es kann ja nichts Besseres geben, als für seinen Lieblingsklub zu spielen.“ Assauer holt Max nach Schalke, es wird zunächst eine perfekte Beziehung: „In der Saison 1995/96 wurde der Geist der Eurofighter geboren“, schwärmt Max von der Truppe, die 1997 sensationell den UEFA-Cup in den Pott holte.

Max selbst ist auch am Ende mittendrin statt nur dabei: Zwar verletzt er sich in Karlsruhe wie sein Sturm-Partner Youri Mulder kurz vor dem Halbfinale auf Teneriffa schwer, zu den Finalspielen gegen Inter Mailand schafft es Max aber rechtzeitig zurück. In Mailand verwandelt er sogar einen Elfer.

Immer ein Knipser, nie ein Lautsprecher: Schalkes Torjäger Martin Max wird 50

„Beim Anlauf haben mir die Knie gezittert. Aber dann war es eines der schönsten Gefühle in meinem Leben.“ - Martin Max © imago

Der Helden-Status bringt Ruhm, fordert aber auch Tribut. „Im Finale von Mailand haben wir alle Knorpel gelassen“, wird Max nachdenklich. Soll heißen: Der Körper erinnert sich noch lange an die Endspiel-Strapazen. Max fehlen nun Frische und Fitness, an die Form vergangener Jahre kommt er auf Schalke nicht mehr heran.

Die Flucht zu 1860 München und der zweite Frühling

Erworbene Meriten sind eine schwache Währung. Ein Teil des Publikums pfeift Max aus, es ist keine schöne Situation. „Ich brauchte dann eine Luftveränderung“, drückt Martin Max das vornehm aus, was ihm 1999 als (verständliche) „Flucht“ ausgelegt wird.

Bei 1860 München startet Max unter Trainer Werner „Beinhart“ Lorant („Mit ihm verband mich eine Art Hassliebe. Aber ich war immer fit...“) auch als „Ü-30iger“ noch einmal durch. In einem Klub, der nicht chronisch verdächtig ist, den treffsichersten Liga-Torjäger zu stellen, wird er in den Jahren 2000 und 2002 Bundesliga-Torschützenkönig. Selbst in seinem letzten Karriere-Jahr bei Hansa Rostock „knipst“ Max in 33 Einsätzen 20 Mal.

Immer ein Knipser, nie ein Lautsprecher: Schalkes Torjäger Martin Max wird 50

Martin Max präsentiert stolz die Torjägerkanone aus der Saison 1999/2000. © imago

Max war und ist kein Lautsprecher. Das Ruhrgebiet – Max lebt heute in Marl – hat ihn geprägt. Die eigene Bodenständigkeit verbot ihm ein ständiges Werben in eigener Sache. Vielleicht ist das ein Grund, warum dem Torjäger die große Nationalmannschafts-Karriere versagt blieb. Acht Minuten in einem Test gegen Argentinien im April 2002 stehen zu Buche. „Schwamm drüber“, sagt Max. Es sollte halt nicht sein.

Der Sohn macht Karriere beim FC Augsburg

Martin Max, dessen Sohn Philipp beim FC Augsburg Karriere macht, ist zu „seinem“ Verein zurückgekehrt. Auf Schalke ist er Repräsentant und stellvertretender Abteilungsleiter der Traditionself, für die er selbst die Schuhe schnürt. Gefeiert wird der „50.“ zweimal: „Am Dienstag mit meiner Schalke-Familie, am Freitag mit meiner richtigen...“

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