Ist Schalke auf dem Weg zum Ausbildungsverein?

Talente gehen früh

Die Schalker Knappenschmiede ist eine der renommiertesten Nachwuchsakademien im Fußball weltweit. Jahr für Jahr fördern die Trainer der königsblauen U-Mannschaften neue Talente zutage. Doch dem Klub fällt es immer schwerer, die Youngster zu halten. Der Verein tut daher einiges, um weiter mithalten zu können.

Gelsenkirchen

06.09.2017, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ist Schalke auf dem Weg zum Ausbildungsverein?

Leon Goretzka ist einer der Spieler, die für Schalke schwer zu halten sein werden.

Am Montagabend dürfte bei so manchem Schalke-Fan ein bisschen Wehmut aufgekommen sein, als der deutschen Nationalmannschaft in der 50. Minute das 5:0 gegen Norwegen gelang. Flanke Julian Draxler, Kopfball Leon Goretzka - es war ein sehenswerter Treffer, den ein Ex-Schalker mustergültig vorbereitete und ein Noch-Schalker glänzend vollendete.

Exzellente Arbeit der Knappenschmiede

Bundestrainer Joachim Löw profitiert in großem Maß von der exzellenten Arbeit der Knappenschmiede. Doch viele Schalker Anhänger fragen sich mittlerweile besorgt, ob ihr Klub bald nur noch ein Ausbildungsverein sein wird, weil die Hochbegabten immer schneller und immer jünger den Königsblauen den Rücken kehren.

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Die Beispiele sind Legion. Mesut Özil, Manuel Neuer, Joel Matip, Sead Kolasinac, Leroy Sané und Draxler verließen die Blau-Weißen in den vergangenen Jahren. 2018 drohen so gut wie sicher mit Max Meyer und mit großer Wahrscheinlichkeit Leon Goretzka zwei weitere Top-Talente Königsblau zu verlassen. Und auch Thilo Kehrer, dessen Kontrakt 2019 ausläuft, hat eine vorzeitige Vertragsverlängerung erst einmal abgelehnt.

Große Einnahmen

Zwar hat Schalke durch die Verkäufe seiner Top-Talente wie Sané (für die Rekordablösesumme von 50 Millionen Euro zu Manchester City) und Julian Draxler (für 36 Millionen Euro plus Boni zum VfL Wolfsburg) in den vergangenen Jahren große Einnahmen erzielt, aber der personelle Aderlass geht mehr und mehr auf Kosten der sportlichen Substanz. Platz zehn in der vergangenen Bundesligasaison war ein erster Warnschuss. Manager Christian Heidel betonte zwar zuletzt im Interview mit dieser Zeitung: "Wenn Schalke anruft, legt niemand auf." Aber Gesprächsbereitschaft ist ja nicht gleichbedeutend mit gelungenen Vertragsgesprächen.

Damit Schalkes Nachwuchsförderung ihre Position im immer härteren Konkurrenzkampf behaupten kann, hat Heidel das Scouting professionalisiert und infrastrukturelle Veränderungen eingeleitet. Dazu gehören zum Beispiel ein großes Schalke-Gebäude, in dem Geschäftsstelle, Büros, Verwaltung, Aufenthaltsräume und Kabinen vereint sind. Jugend und Profis sollen zukünftig unter einem Dach arbeiten und sich regelmäßig begegnen.

Maßnahmen dringend notwendig

Diese Maßnahmen sind dringend notwendig, weil andere Vereine wie Bayern München oder Hannover 96 viel Geld in die Hand genommen haben, um ihre Rückstände im Nachwuchsbereich aufzuholen. Doch niemand in der Führungscrew der Blau-Weißen ist so blauäugig, weitere Wechsel von Top-Talenten auszuschließen.

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Denn das Fußballgeschäft hat sich radikal verändert, weil mit immer größeren Summen operiert wird. Deshalb ist Schalke froh, dass es mit Norbert Elgert einen Spitzentrainer im Nachwuchsbereich in seinen Reihen hat, der Jahr für Jahr neue Talente herausbringt. Aber auch Elgert weiß: "Es kann nicht jedes Jahr ein Spieler wie Julian oder Leroy dabei sein. Das gelingt keinem Verein der Welt", wie er kürzlich im "Schalker Kreisel" einräumte.

Motto noch schwieriger umzusetzen

Das Schalker Motto: "Wir machen uns unsere Superstars selbst statt fertige Spieler teuer einzukaufen" wird künftig also wohl noch schwieriger umzusetzen zu sein.