Keine Neuzugänge mehr? Wagner und die Redensart vom „nackten Mann“

Schalke 04

Bleibt Vedad Ibisevid der einzige Schalker Neue für die kommende Saison? Nach dem 3:0-Sieg im Test gegen Bochum verwies Schalkes Trainer auf die finanzielle Lage des Vereins.

Gelsenkirchen

, 06.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bleibt Vedad Ibisevic (hier im Trikot des VfB Stuttgart im Jahr 2012 gegen Schalke) der einzige Neuzugang der Königsblauen? S04-Trainer David Wagner klang nach dem Test gegen Bochum wenig optimistisch.

Bleibt Vedad Ibisevic (hier im Trikot des VfB Stuttgart im Jahr 2012 gegen Schalke) der einzige Neuzugang der Königsblauen? S04-Trainer David Wagner klang nach dem Test gegen Bochum wenig optimistisch. © dpa

Wer kommt, wer geht? Besonders in der Sommerpause hat die Zeit der Gerüchte Hochkonjunktur. Beim FC Schalke 04 bewegt die Fans besonders die Frage, welche neuen Spieler geholt werden. Nach dem 3:0 (3:0)-Erfolg im letzten Testspiel vor Beginn des Pflichtspielprogramms gegen den VfL Bochum gab Trainer David Wagner eine überraschende Antwort: Keine.




Der Griff in die Taschen



Dabei machte der 48-Jährige eine Geste, die an die bekannte Redensart „einem nackten Mann in die Tasche greifen“ erinnerte. Wagner packte in seine linke Tasche seiner Trainingshose und zog nichts hervor. Dann vollführte er die gleiche Aktion mit der anderen Seite. Auch da blieb seine Hand leer. Diese Geste der leeren Taschen führte den verbliebenen Journalisten nach dem Spiel gegen Bochum eindrücklich vor Augen, wie es um die finanzielle Situation des FC Schalke 04 bestellt ist, nämlich weiterhin äußerst kritisch.

Wenige Tage vor dem ersten Pflichtspiel, der DFB-Pokalbegegnung gegen Schweinfurt 05 am kommenden Sonntag (wahrscheinlich auf Schalke), ist es den Königsblauen mit einem der besten Kaderplaner Europas gelungen, mit dem 36-jährigen Vedad Ibisevic sage und schreibe einen neuen Spieler zu verpflichten. Jedoch der Routinier verzichtete in Absprache mit Wagner auf einen Einsatz gegen Bochum, weil er noch zu wenig Balltraining hatte und war stattdessen am Sonntag in einem internen Testspiel mit Akteuren der U23 dabei.

„Es ist relativ simpel“

Kurzfristige sportliche Wunderdinge sollte man von dem Mittelstürmer jedoch nicht erwarten. Wagner: „Vedad hat eine Super-Einstellung. Aber er ist so fit, wie man wirken kann, wenn man mit einem Personal-Trainer trainiert hat.“

Bei dieser neuen Personalie für den Kader wird es wohl bleiben. Denn Wagner unterfütterte seine Körpersprache mit klaren Worten: „Es ist doch relativ simpel: Wenn du nicht kannst, kannst du nicht. Wir wollen gerne, wir würden gerne, aber unter den gegebenen Umständen können wir nicht“, brachte Schalkes Trainer das Finanz-Dilemma des Vereins auf den Punkt.

Leihgebühr schon verplant?

Wer geglaubt hatte, dass die Blau-Weißen wenigstens die Leihgebühr für Weston McKennie (ca. 4,5 Millionen Euro) an Juventus Turin für neues Personal investieren könnten, sieht sich getäuscht. Offenbar wird dieses Geld eher dazu benötigt, finanzielle Löcher zu stopfen, die durch den unverantwortlich riskanten Finanzkurs der vergangenen Jahre plus der Auswirkungen der Corona-Pandemie den Verein mehr und mehr in seinen Grundfesten erschüttern.

Zur finanziellen Stabilisierung trägt auch nicht bei, dass ein zweiter Gehaltsverzicht bei den Spielern offenbar längst nicht auf so viel Gegenliebe stößt wie beim ersten Mal. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Gespräche, die seit dem Trainingslager in Herzlake Mitte Juli laufen, immer noch zu keinem Ergebnis geführt haben.

Gehaltsverzicht? Kompliziert...

Wagner versicherte jedoch, dass er weiterhin unglaubliche Lust habe, mit dem vorhandenen Personal das Beste aus der sportlichen Situation zu machen. Dabei gehört es zu den Paradoxien des Profifußballs, dass Spieler zu Hoffnungsträgern werden, die eigentlich Schalke am liebsten eher heute als morgen verlassen würden.

Dazu zählt vor allem Mark Uth, der gegen Bochum gefühlt an 80 Prozent aller Schalker Offensivaktionen beteiligt war und neben Nassim Boujellab und Amine Harit auch zu den Torschützen zählte. „Mark hat gut gespielt, war beweglich und hätte noch zwei, drei Tore mehr machen können“, lobte Wagner den Stürmer, der seit Wochen jedes öffentliche Bekenntnis zum FC Schalke 04 verweigert, weil er eigentlich viel lieber wieder für seine Geburtsstadt Köln spielen würde.

Mark Uth überzeugt

Für Wagner ist das jedoch kein Problem. „Mark hat noch zwei Jahre Vertrag, und wir sind nicht gesprächsbereit. Dass Marc sich als gebürtiger Kölner vorstellen könnte, wieder in Köln zu spielen, das ist für mich kein Problem. Aber er hat hier bei uns Spaß und spielt gut“, so der Schalker Trainer, der nun seine Mannschaft auf das erste Pflichtspiel vorbereitet. Ohne neue Spieler.

Der Test gegen Bochum war vor 300 Zuschauern im Parkstadion der Höhepunkt der offiziellen Schalker Saisoneröffnung – der „Rest“ fand wegen Corona in digitaler Form statt. Ca. 40.000 Fans klickten rein – als Wagner Klartext redete, war allerdings schon Sendeschluss.

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