Schalke stärkt dem Torhüter den Rücken, in dem der Verein öffentlich ein ungewohnt deutliches Statement abgibt. Es soll nicht wieder Unruhe im Tor geben.

Gelsenkirchen

, 11.09.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch in den USA dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, was dem FC Schalke 04 eine offizielle Presse-Mitteilung wert war. „Ralle to be the first-choice keeper“ zwitscherten die Königsblauen auf ihrem amerikanischen Twitter-Kanal, darüber ein Foto mit Ralf Fährmann und Markus Schubert in herzlicher Umarmung.

Alles deutete darauf hin

Ralf Fährmann ist also Schalkes neue Nummer eins – das an sich ist deswegen keine so sehr bemerkenswerte Nachricht, weil alle Anzeichen in der Saison-Vorbereitung darauf hindeuteten. Bemerkenswert ist die Art und Weise, wie der Verein das (und dass er es überhaupt) kommunizierte.

Denn Aufstellungs-Details ein paar Tage vor einem Spiel preiszugeben zählt nicht zum Tagesgeschäft der Öffentlichkeitsarbeit eines Bundesliga-Vereins. Aber Schalke wählte nun den anderen Weg, weil von dieser Meldung ein Signal mit der Botschaft ausgehen soll: Eine Baustelle der Vorsaison soll gar nicht erst wieder eröffnet werden.

Ruhe im Tor ist nötig

Die Turbulenzen auf der Torhüter-Position nannte Schalkes Trainer David Wagner als einen der Gründe für den kapitalen Schalker Absturz in der Rückrunde. In der konnten weder Alexander Nübel noch Markus Schubert nachhaltig überzeugen – in einer Phase, in der eine völlig verunsicherte Mannschaft gerade auf dieser Position einen starken Rückhalt gebraucht hätte, sorgte das Wechselspiel zweier instabil haltender Torhüter für zusätzliche Unruhe.

Die wird sich Schalke in der kommenden Saison kaum leisten können. Also gilt jetzt: Klare Kante in der Kiste! Ralf Fährmann ist der Vertrauens-Mann. Und weil er in der Branche als jemand gilt, der nur dann stark ist, wenn er Vertrauen spürt, will Schalke ihm nun durch die offizielle Bekanntgabe und lobende Worte des Trainers den Rücken stärken.

„Zu 100 Prozent Verlass“

„Die Trainingseinheiten und die Testspiele in der Vorbereitung haben gezeigt, dass Ralle zu alter Stärke zurückgefunden hat. Seit seiner Rückkehr nach Gelsenkirchen vor fünf Monaten hat er sich – nach einem für ihn persönlich schwierigen Jahr mit wenig Spielzeit – kontinuierlich gesteigert“, sagt David Wagner. „Gerade in den vergangenen Wochen hat Ralle bewiesen, dass auf ihn zu 100 Prozent Verlass ist.“

Mehr geht nicht – Fährmann wird diese Vorschusslorbeeren gerne hören. Wohlwissend, dass die Situation vor ein paar Wochen noch eine ganz andere war. Schalkes Wunsch-Kandidat für die Nachfolge des Neu-Bayern Alexander Nübel war Alexander Schwolow. Doch der wechselte aus Freiburg lieber zur neureichen Hertha nach Berlin, Schalke schaute in die Röhre. Und muss sich nun auf das Personal verlassen können, das da ist. Und bei Fährmann weiß Wagner zumindest, was er an ihm hat.

„Starke Präsenz in der Luft“

Das schien nicht mehr gut genug zu sein. Intern soll es vor allem wegen Fährmanns fußballerischer Qualitäten Sorgenfalten gegeben haben, ob er noch eine starke Nummer eins sein kann. Dass er die klassischen Torhüter-Eigenschaften nach wie vor beherrscht, konnte er in der Vorbereitung – häufig mehr als ihm und Wagner lieb waren – unter Beweis stellen. „Ralf Fährmann hat alleine schon bei hohen Bällen eine ganz starke Präsenz“, urteilt Schalkes Sturm-Idol Klaus Fischer, und Team-Manager Sascha Riether weist darauf hin, „dass Ralf Fährmann vor knapp zwei Jahren ja noch ein Kandidat für die Nationalmannschaft war“.

Aber dann kam ein Karriere-Knick. Domenico Tedesco, mit Schalke ins Trudeln geraten, wollte etwas verändern und entschied sich im Winter 2018/19 für Nübel. Fährmann durfte nur noch sporadisch ran und erwischte dann auch noch ein völlig „falsches“ Spiel: Seine bislang letzte Partie für Schalke war die 0:7-Pleite bei Manchester City am 12. März 2019.

Seit April wieder auf Schalke

Fährmann, der am 27. September 32 Jahre alt wird, ließ sich zuerst zu Norwich City und dann zu Brann Bergen ausleihen. Spielpraxis bekam er kaum, seit April trainiert er wieder auf Schalke, wohin er 2011 aus Frankfurt als Nachfolger von Manuel Neuer zurückgekehrt war. Und – mit Unterbrechungen – die Nummer eins war. Und jetzt auch wieder ist. Ganz offiziell.

Der in Recklinghausen wohnende Fährmann hat es nun selbst in der Hand bzw. den Händen: Weitere offizielle Presse-Mitteilungen bezüglich der Torhüterfrage könnte Schalke sich dann sparen.

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