Königsblau erkämpft bei den Krisen-Bayern ein 1:1

Unentschieden in München

MÜNCHEN Das Spiel hatte noch gar nicht begonnen, schon hatte Günter Koch das erste Mal völlig die Fassung verloren. Felix Magath hatte die Radio-Legende des Bayerischen Rundfunks vor dem Schalker 1:1 (1:1) beim FC Bayern München in höchste Verzweiflung gestürzt.

von Von Frank Leszinski

, 08.11.2009, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kevin Kuranyi (l.) freut sich mit seinen Knappen über einen Punkt bei den Bayern.

Kevin Kuranyi (l.) freut sich mit seinen Knappen über einen Punkt bei den Bayern.

Mit Joel Matip verhalf Magath einem 18-Jährigen zu seinem Bundesliga-Debüt, der bis dahin nicht einmal im Kader der Königsblauen zu finden war. „Mamma mia, was macht der Magath da schon wieder? Wer ist denn dieser Matip?“ Koch lief fluchend auf der Pressetribüne hin und her, um wenigstens vor seiner Radio-Übertragung ein Minimum an Basisinformationen zu gewinnen. Matip nutzte seine Chance ganz unaufgeregt mit einem so starken Auftritt, dass selbst der strenge Felix Magath hinterher ins Schwärmen geriet: „Er hat phantastisch gespielt und mich voll überzeugt.“ Dass Matip kurz vor dem Halbzeitpfiff per Kopf für den Schalker Ausgleich sorgte, gehört in die Reihe von wundersamen Geschichten, die wohl nur der Fußball schreiben kann. Matip: „Was soll ich dazu sagen? Lukas Schmitz schießt einen Klasse-Freistoß – und dann kam ich noch irgendwie an den Ball.“

Heute kehrt für den gebürtigen Bochumer, der bereits seit neun Jahren für den FC Schalke 04 spielt, wieder der Alltag zurück. In der Gesamtschule Berger Feld büffelt Joel Matip für den Abitur, das er im Frühjahr ablegen will. Sport und Mathematik sind seine Leistungskurse. Wahrscheinlich hätte Felix Magath den 18-Jährigen schon eher zu seinem Bundesliga-Debüt verholfen, wenn sich Matip nicht im Sommer das Bein gebrochen hätte. Somit fiel er in der gesamten Vorbereitung aus und konnte erst ab August seine konditionellen Rückstände aufholen. „Joel ist sehr ehrgeizig, konzentriert, bringt eine gute Einstellung mit und hört genau zu, was man ihm sagt“, lobte Magath den nächsten „jungen Wilden“ aus seinem Talentschuppen, der insgeheim nur damit gerechnet hatte, mit nach München fahren zu dürfen. „Als ich am Donnerstag beim Trainingsspiel im A-Team stand, habe ich mir Chancen ausgerechnet. Samstag Mittag kam Felix Magath dann zu mir und hat mich gefragt, ob ich spielen könnte. Da habe ich nur Ja gesagt“, erzählte der 1,93-m-große Bundesliga-Neuling, dessen Bruder Marvin beim 1. FC Köln ebenfalls in der Bundesliga spielt.

Seine Anfangsnervosität hatte Matip schnell im Griff. Erst spielte er im Mittelfeld grundsolide, später musste er in der Abwehr aushelfen, weil Magath nach der Verletzung von Benedikt Höwedes einige Umstellungen vornehmen musste. Dadurch geriet Schalke zwar teilweise enorm unter Druck, doch wie sich Bordon und Co. in kämpferischer Hinsicht wieder einmal präsentierten, war aller Ehren wert. Kein Wunder, dass die Schalker Fans den Punktgewinn wie einen Sieg feierten. Gegen die Spitzenteams Hamburger SV, Bayer Leverkusen und jetzt Bayern München hat Schalke nicht verloren. Und auch Günter Koch sieht seinen nächsten Übertragungen gelassener entgegen. Schalke ist nicht dabei...

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