Manager Christian Heidel geht - aber die Probleme auf Schalke bleiben

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Wie sieht es eigentlich mit der Verantwortung von Trainer Domenico Tedesco für den sportlichen Absturz des Vize-Meisters in der Bundesliga aus?

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 24.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Applaus wollte nicht enden, der Mann auf der großen Bühne wurde frenetisch gefeiert. Für die Vize-Meisterschaft, für die Vertragsverlängerung mit dem beliebten Trainer.

Ein gutes halbes Jahr nach der Schalker Mitgliederversammlung gab Christian Heidel seinen Rücktritt bekannt.

Massiver öffentlicher Druck

Dass Schalkes Manager unter massivem öffentlichen Druck stand, war bekannt und darüber wurde auch hinlänglich berichtet. Dass er die Reißleine selbst und so schnell ziehen würde, kam dann doch überraschend.

Ob Heidel damit nur seinem Rauswurf zuvorkam, ob er den Verein im Stich gelassen oder im Gegenteil verantwortungsvoll gehandelt hat, sind Fragen, die für den Verein aktuell nicht mehr als eine sekundäre Bedeutung haben.

Fakt ist: Der „starke Mann“, als der Heidel vor zweieinhalb Jahren von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies präsentiert wurde, hat auf Schalke so stark abgewirtschaftet, dass er kaum noch Argumente hatte. Durch sein Treuebekenntnis zu Trainer Domenico Tedesco hatte er schon nach dem Hinrunden-Ende die Talfahrt in der Bundesliga im Prinzip alleine auf seine Kappe genommen und sich so eine Option – Trainerwechsel – verbaut.

Die Lage völlig unterschätzt

Die dann immer ungemütlicher werdende Gemengelage hat Heidel offenbar völlig unterschätzt, gegen den auch auf persönlicher Ebene („Schämen Sie sich und treten Sie zurück“) aufkommenden Gegenwind wollte und konnte er sich nicht wehren, zumal er das aus Mainzer Zeiten nicht gewohnt war. Das kann man konsequent finden, aber auch mutlos – andere S04-Manager, sogar ein Rudi Assauer, mussten in schlechten Zeiten mindestens genau so viel einstecken. Und wer nun über das „typische Schalke“ lästert: In jedem anderen ambitionierten Verein wäre die Unruhe bei einem Fall von Platz zwei in den Keller ebenfalls groß.

Spieler nicht alleine verpflichtet

Heidel geht – die Probleme bleiben. Da nicht davon auszugehen ist, dass er das Spieler-„Puzzle“ im Alleingang verpflichtet hat, stellt sich verstärkt die Frage nach der Verantwortung von Trainer Domenico Tedesco. Er wollte zum Beispiel einen Sebastian Rudy haben und hat ihn bekommen. In wessen Verantwortungsbereich fällt also so ein „Fehlgriff“, der ja längst nicht der einzige ist? Übrigens, das darf durch Heidels Rücktritt nicht in Vergessenheit geraten: Die Mannschaft kickt in der Liga derzeit einen so gruseligen Ball, dass es ihr sogar noch zuzutrauen ist, in den Abstiegskampf zu geraten.

Mit Heidel sollte auf Schalke eine neue „Ära“ beginnen. Nun endet seine Amtszeit als schnell zu überblätterndes Kapitel in der Vereinschronik.

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