Manuel Neuer weint und verlässt sein Revier

Tränen des Abschieds

Nie hat Manuel Neuer ein Presseauftritt so zugesetzt wie Mittwochmittag im voll besetzten Medienzentrum des FC Schalke 04. Begleitet von Trainer Ralf Rangnick und Manager Horst Heldt verkündete der Schalker Torhüter, dass er seinen bis 2012 laufenden Vertrag bei den Königsblauen nicht verlängern wird.

GELSENKIRCHEN

von Von Nobert Neubaum

, 20.04.2011 / Lesedauer: 3 min
Manuel Neuer weint und verlässt sein Revier

Feuchte Augen: Manuel Neuer während der gestrigen Pressekonferenz in Schalkes Arena.

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Manuel Neuer verkündet Schalke-Abschied

Mit Tränen in den Augen verkündete Schalke-Torhüter Manuel Neuer auf einer Prssekonferenz, dass er seinen 2012 auslaufenden Vertrag bei den Königsblauen nicht verlängern werden.
20.04.2011
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Feuchte Augen: Manuel Neuer während der gestrigen Pressekonferenz in Schalkes Arena.© Foto: dpa
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Schon vor seiner Pressekonferenz postete Neuer die Neuigkeit auch auf seinem Profil im sozialen Netzwerk Facebook. Sein Abschied von den „Königsblauen“ erregte die Fans im Internet. Innerhalb weniger Stunden reagierten mehr als 19 000 Facebook-Mitglieder auf die Erklärung des Nationaltorhüters, „dass ich meinen Vertrag nicht verlängern werde“. „Gefällt mir“ – das fanden mehr als 8000 Internet-Nutzer, die am Mittwoch die Facebook-Seite von Manuel Neuer, „Person des öffentlichen Lebens“, aufriefen.

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Mit Tränen in den Augen verkündete Schalke-Torhüter Manuel Neuer auf einer Prssekonferenz, dass er seinen 2012 auslaufenden Vertrag bei den Königsblauen nicht verlängern werden.
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Noch weit mehr aber begnügten sich nicht mit einem Mausklick, sondern schrieben dem Sportler je nach Haltung ihre Enttäuschung oder Zustimmung ins digitale Poesie-Album. „Ich bin traurig“, schrieb eine Schalke-Anhängerin. Andere wurden weitaus drastischer, warfen Neuer Verrat vor, einige wurden beleidigend. „Ich kann nur sagen, dass ich Jens Lehmann damals auch nicht ausgepfiffen habe, als er zu Schwarzgelb gewechselt ist. Er war mein Idol“, erklärte Neuer, der immer wieder mit den Tränen kämpfen musste.

„Das alles ist mir weiß Gott nicht leicht gefallen. Es hat einige Zeit gedauert, bis diese Entscheidung feststand. Aber ich möchte mich verändern und den nächsten Schritt in meiner Karriere tun“, sagte Neuer mit belegter Stimme. Er möchte „immer auf höchstem Niveau in der Champions League spielen und mehr auf eigenen Beinen stehen. Das geht am besten in einer anderen Stadt“, fügte der 25-Jährige hinzu, der seit über 20 Jahren nur für den FC Schalke 04 gespielt hat und in der Fangruppierung „Buerschenschaft“ Mitglied ist. Wohin sein Weg führen wird, ist klar: „Horst Heldt hat mich vom Interesse des FC Bayern München unterrichtet“, sagte Neuer. Alles andere sei jetzt Sache der beiden Vereine. Von anderen Angeboten wisse er nichts. Heldt hat Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge in einem Telefonat mitgeteilt, dass jetzt nicht der Zeitpunkt für Vertragsverhandlungen sei. „Wir haben mit dem Champions-League-Halbfinale und dem DFB-Pokalfinale wichtige Spiele vor der Brust“, erklärte der Schalke-Manager und betonte mehrfach, dass Manuel Neuer der weltbeste Torhüter sei und bis zum 30. Juni 2012 beim FC Schalke 04 unter Vertrag steht.

Damit lautet die Kardinalfrage im anstehenden Transferpoker: Was ist größer? Die finanziellen Nöte der Schalker, für Neuer eine hohe Ablösesumme zu kassieren oder die Probleme der Bayern auf der Torhüterposition? Von der Beantwortung dieser Frage wird abhängen, wann Neuer zu den Bayern wechseln wird. Trainer Rangnick appellierte an die Schalker Fans, die Entscheidung seiner Nummer 1 zu akzeptieren: „Ich hätte absolut kein Verständnis, wenn es in den nächsten Spielen Pfiffe gegen Manuel geben würde.“Schon am Dienstagabend hatte der Nationaltorhüter die wichtigsten Schalker Fan-Vertreter über seine Entscheidung informiert. Neuer: „Das war nicht einfach für mich, aber ich weiß, was der Verein mir gegeben hat.“ Pfiffe von den Schalker Fans gegen ihn würden Neuer wohl bis ins Mark treffen. Das verriet sein Satz: „Es ist schlimmer von der eigenen Familie ausgepfiffen zu werden als von noch Fremden.“ Danach musste er kräftig schlucken.

Auch seine Mitspieler reagierten betroffen. „Es ist sehr schade, dass er seinen Vertrag nicht verlängert. Ich halte ihn für einen der weltbesten Torhüter. Aber man muss seine Entscheidung respektieren,“ sagte Raúl. Neuer hatte schon vor Monaten erklärt: „Es wird der Zeitpunkt kommen, zwischen meiner großen Liebe Schalke 04 und meinem Arbeitgeber Schalke 04 zu entscheiden.“ Mittwoch hat sich Neuer entschieden – die Liebe hat verloren.

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