"Mein langfristiges Ziel ist die Sechserposition"

Kehrer im Interview

Auf Schalke wartet man seit dem Pokalsieg 2011 auf einen Titel – Thilo Kehrer hat in seiner Zeit auf Schalke schon zwei gesammelt, wurde Deutscher Meister mit der U19 und in diesem Sommer Europameister mit Deutschlands U21. Im Interview mit Matthias Heselmann spricht der 20-Jährige über Erfolge, den neuen Trainer und seine Zukunft auf Schalke.

GELSENKIRCHEN

05.08.2017, 09:43 Uhr / Lesedauer: 3 min
"Mein langfristiges Ziel ist die Sechserposition"

Bilder der Schalker Ankunft in Mittersill.

Sie sind mit der Schalker U19 Deutscher Meister geworden, haben mit der U21-Nationalmannschaft die EM gewonnen – und in der vergangenen Saison im Derby gegen den BVB den 1:1-Ausgleich erzielt. Was davon hat sich am besten angefühlt?

Das kann man kaum vergleichen. Das waren alles schöne Momente, an die ich mich gern zurückerinnere. Auf die U19-Meisterschaft hat man vielleicht am längsten drauf hingearbeitet. Das Tor im Derby kam etwas überraschender.

Genießt man in der Mannschaft ein anderes Standing, wenn man als Europameister zurückkehrt?

Persönlich habe ich mich nicht verändert. Aber man merkt natürlich den Zuspruch und die Anerkennung durch die Jungs, das Trainerteam und den ganzen Verein. Das macht einen ein bisschen stolz.

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Sie sind ja jetzt auch nicht mehr der Jüngste im Team...

Ich bin schon eine Zeit lang dabei, kenne die Abläufe ganz gut, und habe mir das Vertrauen und den Respekt der Mannschaft geholt. Wenn ich sehe, dass einer der jungen Spieler Unterstützung braucht, versuche ich zu helfen. Man ist ja als Neuer auch immer ein wenig schüchtern und traut sich nicht zu fragen.

 

Sie erleben jetzt den dritten neuen Trainer im dritten Jahr – wie kommt man mit dem ständigen Wechsel klar?

Für mich ist das kein Problem. Es ist natürlich wichtig, eine Beziehung zum Trainer aufzubauen, und das geht manchmal schnell, manchmal dauert das. Aber das sind eben alles Dinge, die man nicht beeinflussen kann.

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Domenico Tedesco könnte mit seinen 31 Jahren vom Alter her auch noch ein Mitspieler sein...

Ein Trainer ist ein Trainer und gibt vor, was auf dem Platz gemacht wird. Er ist die Respektsperson, unabhängig davon ob er mehrere Jahre in der Bundesliga tätig ist oder nicht. Im Grunde geht es immer darum, wie seine Ansprache ans Team ist, wie er sich verhält. Das finde ich sehr wichtig.

 

Was macht Tedesco denn anders als sein Vorgänger Markus Weinzierl?

Ich will das gar nicht vergleichen. Sondern jeden Trainer für sich beurteilen. Domenico Tedesco führt vor allem sehr viele Einzelgespräche, auf und neben dem Platz. So weiß jeder Spieler genau, was zu tun ist und kann sich besser entwickeln. Auch die Tatsache, dass der Trainer jeden Spieler in seiner Sprache ansprechen kann, macht eine Menge aus.

Sie sind sehr variabel und haben in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld schon fast alle Positionen ausgefüllt. Wo spielen Sie am liebsten?

Mein langfristiges Ziel ist die Sechserposition, aber im Moment bin ich froh, wenn ich überhaupt spiele. Ich freue mich auf neue Herausforderungen. Und wenn ich eine neue Position spielen kann, will ich die so schnell wie möglich lernen.

Wobei gerade auf der „Sechs“ der Konkurrenzkampf groß ist.

Dadurch wird die Mannschaft aber immer besser. Das Wichtigste ist, damit professionell umzugehen und den Wettkampf anzunehmen.

Sie waren 15 Jahre alt, als Sie zu Schalke kamen, zuvor hatten Sie in der Jugend des VfB Stuttgart gespielt. Wie kam der Wechsel ins Ruhrgebiet zustande?

Ich habe damals in diversen Jugend-Nationalmannschaften gespielt, dabei hat mich Schalke entdeckt. Weil zu dem Zeitpunkt nicht klar war, ob und wie Stuttgart mit mir plant, hat mich Jens Keller überzeugt, nach Gelsenkirchen zu kommen. Schalke war für mich die beste Option. Profi zu werden war schon damals der Traum. Ich war ein paar Mal Balljunge in der Arena, und der Eindruck war überwältigend – da wollte ich dann auch irgendwann unbedingt spielen.

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Vor der Saison 2015/16 gab es Irritationen: Sie hatten angeblich bei Inter Mailand unterschrieben, obwohl Sie noch bei Schalke unter Vertrag standen. Was war da los?

Ich kannte mich noch nicht so aus, und meine Berater und ich waren damals nicht zufrieden. Ich wusste nicht, ob der Verein wirklich mit mir plant. Inter Mailand war interessiert, und auf den Rat eines Anwalts habe ich dort einen Vorvertrag unterschrieben. Der damalige Manager Horst Heldt wollte mich aber unter keinen Umständen abgeben. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich damals falsch beraten wurde. Ich persönlich habe viel daraus gelernt, und jetzt ist es gut so, wie es ist.

 

Was sind die Ziele für die neue Saison?

Ich will so viel Spielzeit wie möglich bekommen – und möchte mich und die Mannschaft weiterentwickeln.