Bei der Kritik an den Aussagen von Clemens Tönnies sollten Teile der Schalker Fans überprüfen, ob das eigene Verhalten nicht auch gegen das Leitbild des Klubs verstößt. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen

, 11.08.2019, 19:01 Uhr / Lesedauer: 1 min

An dieser Stelle soll Clemens Tönnies keineswegs in Schutz genommen oder gar verteidigt werden. Auch zehn Tage nach ihrer Formulierung bleiben die rassistischen Sätze, die der Fleisch-Fabrikanten beim Tag des Handwerks formulierte, skandalös.

Mit ihren Aktionen beim Pokalspiel in Drochtersen haben die Schalker Fans, die im Stadion waren, dokumentiert, dass sie nach diesem Vorfall nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen wollen. Sie zeigten Tönnies die Rote Karte. Gut so.

Ich frage mich jedoch: Wo waren die Roten Karten, als im Dortmunder Stadion beim Derby im Schalker Fanblock das abscheuliche Plakat „Freiheit für Sergej W.“ zu sehen war? Sergej W. hatte bekanntlich im Jahr 2017 ein Bombenattentat auf den Bus von Borussia Dortmund verübt.

Schalke richtet Anlaufstelle ein

Wo sind die Roten Karten, wenn bei Schalker Heimspielen wieder regelmäßig „Hitler-Grüße“ und antisemitische Ausfälle mehr und mehr zunehmen?

Dass der FC Schalke 04 sich nun schon genötigt sieht, eine Anlaufstelle in der Arena beim Heimspielen einzurichten, wo solche Fälle sofort angezeigt werden können, ist beschämend.

Deshalb drängt sich der Eindruck auf, dass bei diesen allesamt zu verurteilenden Vorfällen mit zweierlei Maß gemessen wird. Die Schalker Fans haben das Recht, Tönnies scharf zu kritisieren, aber Teile der Anhänger sollten sich ernsthaft hinterfragen, ob alle die Dinge, die sie vor, während und nach einem Spiel so veranstalten, nicht auch gegen das Schalker Leitbild verstoßen. Ich denke nur an die grenzwertigen Gesänge mit der Herabsetzung des Gegners. Ist hier keine Rote Karte angebracht?

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