Nicht jeder versteht das Lob für Schalke nach 1:3

Gegen Bayern ein Fehler zu viel

Nach knapp 30 Minuten war auch auf Schalke die Normalität wieder zurückgekehrt und das mulmige Terror-Gefühl konnte weggelacht werden. Ein Arena-Besucher wurde per Stadion-Durchsage aufgefordert, „doch endlich das Handy einzuschalten. Sie sind gerade Vater eines Sohnes geworden!“

GELSENKIRCHEN

von Von Frank Leszinksi und Norbert Neubaum

, 23.11.2015, 05:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nicht jeder versteht das Lob für Schalke nach 1:3

Bilder der Partie Schalke gegen München.

Am Ende des „Vatertags“ war auch sportlich alles im Rahmen der „Normalität“: Durch ihren 3:1 (1:1)-Sieg beim FC Schalke 04 marschieren die Bayern durch die Bundesliga weiter wie das Messer durch die warme Butter – und die Konkurrenz ist in der Regel schon froh darüber, wenn man dem Rekordmeister das Leben einigermaßen schwer machen konnte.

Unterhaltsames Spiel

Was Schalke zweifellos gelang: Die Taktik, die sich Trainer André Breitenreiter ausgedacht hatte, war zwar nicht revolutionär, aber durchaus nachvollziehbar. Die Königsblauen erklärten den eigenen Strafraum durch eine Fünfer-Abwehrkette quasi zum Sperrbezirk, davor machte ein galliges und kompaktes Vierer-Mittelfeld den Bayern zu schaffen. „Ob das für die Zuschauer so schön ist, weiß ich nicht“, machte sich Münchens Weltmeister Thomas Müller unnötige Gedanken – denn dadurch, dass Schalkes junge Mannschaft ihren Plan konzentriert und konsequent durchzog, entwickelte sich ein zumindest sehr spannendes und unterhaltsames Spiel.

Jetzt lesen

Gleichzeitig war Schalkes Riegel-Taktik auch ein klares Bekenntnis dafür, dass selbst Mannschaften auf gehobenem Bundesliga-Niveau den offenen Schlagabtausch mit den Bayern längst scheuen wegen der Gefahr, dann erst recht überrollt zu werden.

Nadelstiche durch Sané

Dieses Schicksal blieb Schalke erspart – nicht einmal nach der Bayern-Führung durch Alaba (9.) brachen die Königsblauen auseinander, im Gegenteil: Vor allem der mutige Sané schaffte es immer wieder, Nadelstiche zu setzen – er war auch mit Ball oft schneller als die Bayern-Verteidiger ohne. Mehrmals wurde Sané von gleich drei oder vier Spielern verfolgt nach dem Motto: Irgendeiner wird ihn schon „erwischen“. Vor dem Schalker 1:1 ging diese Formel nicht auf: Sané lief allen davon, bediente Meyer, der den von den S04-Fans schon traditionell ausgepfiffenen Neuer mit einem haltbaren Schuss bezwang (17.).

Jetzt lesen

Schalke spielte mit großer Leidenschaft und taktischer Disziplin, während die Bayern mit ihrer Ballsicherheit beeindruckten. Sie machten das Spiel, fanden aber kaum eine Lücke – mit zunehmender Spieldauer wuchs daher ihre Unzufriedenheit, das Star-Ensemble inklusive Trainer Pep Guardiola wirkte zunehmend genervt – der auch wegen des starken Regens schwer bespielbare Arena-Rasen machte die Sache für den Favoriten nicht einfacher, zumal Schalke immer einen Kopf oder Fuß dazwischen hatte, wenn die Bayern in die „kritische“ Zone einzudringen versuchten. Fehler leistete sich Schalke im Defensiv-Verhalten kaum.

Bayerns Martinez köpft ein

Dann war es aber doch einer zu viel, „und die Bayern haben halt die Klasse, solche Fehler eiskalt auszunutzen“, stellte S04-Keeper Fährmann ernüchtert fest. Eine Robben-Flanke köpfte Martinez freistehend zum 1:2 ins Schalker Tor (69.) – und obwohl die Bayern in einem kleinen Arroganz-Anfall noch die eine oder andere S04-Chance zuließen, gab es an ihrem verdienten Sieg nichts zu rütteln, den Müller in der Nachspielzeit mit seinem Tor zum 1:3 perfekt machte.

Jetzt lesen

Während Guardiola den Sieg routiniert zur Kenntnis nahm und Schalke artig Komplimente machte („Eine der besten Mannschaften Deutschlands, wo es sehr schwer ist, zu gewinnen“), gab es auf Schalker Seite zwar enttäuschte, aber auch zufriedene Gesichter – immerhin hatte man den Bayern einen großen Kampf geliefert, wofür sich die Fans mit viel Applaus bei der Mannschaft bedankten.

"Endlich mal wieder punkten"

Das war Lothar Matthäus gar nicht geheuer – der Rekord-Nationalspieler, als Aktiver der Prototyp des erfolgsbesessenen Fußballers, schwamm auf „Sky“ mit seiner Meinung gegen den Strom: „So viel Beifall und eine Ehrenrunde – das kann ich nicht verstehen. Dass man gegen die Bayern alles gibt und leidenschaftlich kämpft, ist doch normal. Aber Schalke hat seit sieben Spielen nicht mehr gewonnen. Die sind in einer ganz gefährlichen Situation und sollten jetzt endlich mal wieder punkten.“

Darüber lässt sich natürlich diskutieren – genau wie über die Frage, ob ein Handy nicht wenigstens im Stadion mal ausgeschaltet bleiben darf ...

Lesen Sie jetzt