Olaf Thon über Di Matteo und das Revierderby

Schalker Legende

Olaf Thon (48) ist eine Schalker Legende und begleitet seinen Klub hautnah. Im Interview mit Jürgen Koers spricht er vor dem 146. Revierderby über defensive Spielweise unter Trainer Roberto Di Matteo, den fehlenden Mut der "Knappen" und gefährdete Saisonziele.

GELSENKIRCHEN

, 28.02.2015, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Olaf Thon über Di Matteo und das Revierderby

Olaf Thon (r.) spielte als Profi von 1983 bis 1988 und von 1994 bis 2002 beim FC Schalke 04 unter Vertrag.

Was ist Ihr aktueller Eindruck vom FC Schalke 04? In der Tabelle steht Schalke ganz gut da, obwohl man die letzten drei Spiele nicht so erfolgreich war. In Frankfurt, ich war selber dort, war Schalke in der ersten Hälfte klar die bessere Mannschaft und geht als Verlierer vom Platz. Gegen Real Madrid hat Schalke gut dagegen gehalten, das lässt hoffen für die Zukunft. Das blöde Ausgleichstor gegen Bremen in der Nachspielzeit trübt ein wenig die Stimmung. Genau wie die vielen verletzten Spieler. Jetzt weiß keiner so genau, in welche Richtung es geht vor dem Derby. Alle sind natürlich hoch angespannt. Aber auch die Dortmunder plagen Probleme nach dem Spiel gegen Juventus. Die hätten auch nicht verlieren müssen dort. Die Teams begegnen sich in einer ähnlichen Situation. Ich bin gespannt, ob es ein richtiges heißes Derby wird oder ob es ein Abtasten gibt. Beide sollten versuchen, auf Sieg zu spielen.

Wie gefällt Ihnen Schalkes defensive Spielweise? Ich bin eigentlich immer eher für offensiveren Fußball. Auch als Trainer habe ich immer versucht, dass meine Mannschaft das Heft selber in die Hand nimmt. Es ist, denke ich, auch der Situation mit den vielen Verletzten geschuldet, dass Trainer Roberto Di Matteo so spielen lässt. Ich bin überzeugt: Wenn alle da wären, würde er seiner Mannschaft auch sagen, dass sie pressen und in der Hälfte des Gegners mit dem Forechecking beginnen sollte. In der aktuellen Situation aber fühlt sich die Mannschaft wohl in der Grundordnung mit einer Fünferkette in der Defensive, wenn der Gegner den Ball hat. Daran können sich die Spieler orientieren, und oft beißen sich die Gegner die Zähne aus.

Kann Schalke nur gewinnen, wenn es in Führung geht? Man muss ja führen, um zu gewinnen (lacht). Aber im Ernst: Man muss nach einer Führung auch Konter fahren. Darin liegt der Schlüssel. Bei vielen Mannschaften, nicht nur bei Schalke. Es braucht auch die richtige Taktik und den Mut, bei einer Führung richtig weiter zu spielen auf das nächste Tor. Das hat gegen Werder Bremen gefehlt.

Schalkes Umschaltspiel nach vorne funktioniert auch nicht gut. Es fehlen wichtige Leute für das Aufbauspiel und für den Sturm. Ich hoffe, dass Julian Draxler schnell wieder zurückkommt. Jefferson Farfan, Leon Goretzka: Das sind Spieler, die auch mal den Unterschied ausmachen können.

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Der Vertrag von Matija Nastasic beim FC Schalke 04 behält bis 2019 seine Gültigkeit. © Foto: dpa
Roman Weidenfeller:
Der BVB-Keeper steht vor seinem 25. Derby - Rekord! Bislang gab's aber mehr Pleiten als Siege. Zeit für eine Serie, um bis zum nahenden Karriereende eine positive Bilanz vorweisen zu können.
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Timon Wellenreuther:
Das Derby wird für den 19-Jährigen zur besonderen Nervenprobe, weil er zuletzt beim 1:1 gegen Bremen in der Nachspielzeit patzte. Schalkes eigentliche Nummer drei steht nach den Verletzungen von Fährmann und Giefer unverhofft schnell im Fokus. Noch lebt der Blondschopf in Essen in einer Jungprofi-WG gemeinsam mit seinen Teamkollegen Marvin Friedrich und Pascal Itter. Demnächst will er seine erste eigene Wohnung in der Nähe der Veltins-Arena beziehen.© Foto: dpa
Oliver Kirch:
Für Aushilfs-Rechtsverteidiger sind Spiele gegen Schalke Ehrensache - schließlich schlief er früher in BVB-Bettwäsche. Spielt er, steht dem Derbysieg nichts im Wege. Er ist ungeschlagen gegen S04.
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Benedikt Höwedes sah in Berlin seine fünfte Gelbe Karte. Eine Schiedsrichter-Entscheidung die Schalkes Kapitän nicht nachvollziehen kann.© Foto: dpa
Neven Subotic:
Mit Mundschutz und blassem Teint sah er am Mittwoch aus wie ein Michael-Jackson-Double, nur der Handschuh fehlte. Gewinnt der BVB, tanzt er ja vielleicht wieder wie 2011 auf dem Autodach.
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Roman Neustädter:
Wegen des Ausfalls von Matip ist der defensive Mittelfeldspieler erste Wahl als zentraler Innenverteidiger. Bisher spielt der 27-Jährige eine durchwachsene Rückrunde. Zwei Bundesligaspiele hintereinander erlebte Neustädter über 90 Minuten nur von der Ersatzbank. So etwas hatte es bisher in seiner Schalker Zeit noch nie gegeben.© Foto: dpa
Mats Hummels:
Der BVB-Kapitän hat aus dem Hinspiel, in dem er böse patzte, noch etwas gutzumachen. Vielleicht ja mit einem Tor. Es wäre sein erstes im dann immerhin schon 15. Derby gegen Schalke.
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Marcel Schmelzer:
Obwohl der Linksverteidiger aus Magdeburg kommt, schlägt das Herz schwarzgelb. Seine Bilanz gegen Schalke ist positiv. Das können nicht allzu viele aktuelle Borussen von sich behaupten.
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Tranquillo Barnetta:
Seine Derby-Bilanz ist makellos: In drei Spielen feierte der Schweizer Nationalspieler drei Siege. Barnetta: "Ich hoffe, dass diese Serie hält. Jeder weiß, was ein Derbysieg auslösen kann." Als sein größtes Laster bewertet der 29-Jährige, "dass ich zu oft Karten spiele." Sein Lieblingsspiel heißt Jass, ein Strategiespiel, dass in Deutschland nicht sehr bekannt ist. Zu seinem Leidwesen findet Barnetta im Mannschaftskreis jedoch keine Mitspieler.© Foto: dpa
Nuri Sahin:
Der Achter spielt schon so lange für den BVB, dass man manchmal denkt, er wäre schon weit über 30. An guten Tagen spielt er auch wie ein alter Hase. Und davon gab's zuletzt wieder einige.
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Marco Höger:
Solide Arbeiter im Mittelfeld, der sich in der Hinrunde jedoch einige schwächere Spiele erlaubte. 2015 zeigt seine Leistungskurve nach oben. Im Oktober 2012 mutierte der gebürtige Kölner zu Schalkes Derby-Held, als er beim 2:1-Erfolg der Königsblauen in Dortmund mit einem Solo über das halbe Spielfeld für die Vorentscheidung mit seinem Tor zum 2:0 sorgte.© Foto: dpa
Ilkay Gündogan:
In Gelsenkirchen geboren, in Dortmund verehrt - er beweist, dass das möglich ist. Kein Wunder, bei der Klasse, die er verkörpert. Nicht umsonst warten die BVB-Fans auf seine Verlängerung.
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Kevin-Prince Boateng:
Der "Problem-Prince" schleppte sich angeschlagen durch die Hinrunde. Auch im neuen Jahr läuft es noch nicht viel besser. Im Derby wird er wohl auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommen. Dass Boateng zuletzt im Heimspiel gegen Bremen auf der Bank saß und der 19-Jährige Felix Platte den Vorzug erhielt, ist ein eindeutiger Beleg, dass sein sportlicher Stellenwert auf Schalke gesunken ist.© Foto: dpa
Henrikh Mkhitaryan:
Dem zaudernden Feingeist gelangen beim BVB noch nicht viele unvergessliche Leistungen - die beim 3:1 auf Schalke im Vorjahr gehörte dazu. Vielleicht erinnert er sich ja am Samstag an damals.
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Max Meyer:
Der Saisonverlauf des Jungstars glich bisher einer Achterbahnfahrt. Sein Tor in Maribor war für Schalke Gold wert und brachte die Königsblauen ins Achtelfinale der Champions League. Doch in der Bundesliga schwanken seine Leistungen zwischen stark und unauffällig. Das wurmt den ehrgeizigen 19-Jährigen, der auch in den Wintermonaten als einer der wenigen Schalker Spieler immer in kurzen Hosen trainierte.© Foto: dpa
Shinji Kagawa:
Der Japaner wurde nach seinem ersten Derbysieg auf Händen getragen. Zum Glück verdaute er den Schock über so viel Körperkontakt mit völlig enthemmten Fans. Die Formkurve zeigt nach oben.
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Dennis Aogo:
Trainer Di Matteo schwärmt von seiner Flexibilität als Abwehrspieler auf der linken Seite oder im defensiven Mittelfeld. Doch Verletzungen warfen Aogo immer wieder zurück. Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass der 27-Jährige in dieser Saison nur einmal überragend spielte: Beim 2:1-Erfolg in der Hinrunde gegen den BVB.© Foto: dpa
Marco Reus:
"Uns Marco" möchte beim BVB zur Legende werden. Der kürzeste Weg dorthin führt über Derbytore - doch aufs Erste wartet er noch. Mit Gladbach klappte es gegen S04 besser (fünf Tore).
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Die Hoffnungen ruhen auf Klaas-Jan Huntelaar. In den vergangenen fünf Partien gegen Hoffenheim traf der Schalker sieben Mal.© Foto: dpa
Pierre-Emerick Aubameyang:
So schnell wie er rennt, gelang ihm 2013 sein erster Derbysieg. Gleich im ersten Spiel gegen Schalke traf er. Mit seiner derzeit bestechenden Form wird er zur schweren Prüfung für Königsblau.
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Eric Maxim Choupo-Moting:
Schalkes mit Abstand bester Neuzugang überzeugte in der Hinrunde als trickreicher und treffsicher Stürmer (neun Tore). Doch in der Rückrunde knipste "Choupo" bisher noch nicht. Im Hinspiel erzielte der 25-Jährige gegen den BVB das zwischenzeitliche 2:0. Choupo-Moting: "Das Derby ist ein Highlight der Saison."© Foto: dpa

Was sagen Sie zum jungen Timon Wellenreuther im Tor? Er hat bisher gut gehalten. Sein Fehler beim 1:1 gegen Bremen war ein Timing-Fehler, da stand er zu früh in der Luft. Das lag nicht an seiner Größe, mit 1,86 Meter ist er nicht zu klein. Außer im Verhältnis zu Ralf Fährmann, der ist natürlich nochmal größer.

Beruht die dauerhafte Verletzungsmisere ausschließlich auf Pech? Schwer zu sagen. Es gibt Phasen, das habe ich auch in meiner Karriere erlebt, da gibt es gar keine Verletzungen. Aber mit der zusätzlichen Belastung durch die Champions League und den vielen Langzeitverletzten reihen sich immer mehr angeschlagene Spieler ein. Das ist wie eine Kettenreaktion. Aber irgendwann ist dieser Fluch auch mal wieder beendet.Schafft Schalke die Qualifikation für die Champions League? Das wird schwer. Platz 1 und 2 sind vergeben an Bayern und Wolfsburg. Um die weiteren Plätze kämpfen vier, fünf Mannschaften. Leverkusen, Mönchengladbach, Schalke – das wird sehr spannend, wer sich da am Ende durchsetzt.

Und was erwarten Sie vom BVB? Nach dieser Erfolgsserie von drei Siegen sind die Dortmunder hoch motiviert und sie haben wieder ein breiteres Kreuz. Jetzt haben sie wieder ein bisschen Luft geschnappt. Man mag es kaum glauben, aber auch ich habe dem BVB die Daumen gedrückt. Absteigen soll Dortmund nicht. Ein bisschen geschwitzt haben sie, das reicht jetzt auch.Wie geht das Derby aus? Wie so oft im Derby könnte das Spiel unentschieden ausgehen, da könnten dann beide Parteien mit leben.