Poker von Goretzka nervt zunehmend die Schalker Fans

Am Ende der Geduld

Dass Leon Goretzka den FC Schalke 04 in Richtung FC Bayern München verlassen wird, daran zweifeln wohl nur noch Menschen mit einer königsblauen DNA. Für Schalke wäre das doppelt bitter. Unterdessen könnte sich der Verkauf eines ehemaligen Schalkers für die Blau-Weißen bald noch einmal auszahlen.

Gelsenkirchen

, 18.01.2018, 07:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Poker von Goretzka nervt zunehmend die Schalker Fans

Schalkes Leon Goretzka hüllt sich - noch - in Schweigen. In Kürze wird seine Entscheidung erwartet. © dpa

Das Pokern von Leon Goretzka nervt zunehmend die Schalker Fans. Klar ist: Der Klub verlöre einen Leistungsträger, dessen sportliche Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist, und der 22-Jährige ginge ablösefrei.

Dritte ablösefreie Top-Kraft

Damit wäre der gebürtige Bochumer bereits die dritte Top-Kraft, die Schalke ohne Ablösesumme ziehen lassen müsste. Zuvor waren bereits Joel Matip (zum FC Liverpool) und Sead Kolasinac (Arsenal London) ablösefrei gewechselt. Matip hatte früh durchblicken lassen, dass ihn eine neue sportliche Herausforderung mehr reizen würde als auf Schalke zu bleiben. Bei Kolasinac hingegen verpassten es die Schalker, frühzeitig seinen Vertrag zu verlängern. Als „Seo“ dann ein Angebot gemacht wurde, war es zu spät. Der Spieler fühlte sich nicht mehr so wertgeschätzt, wie er es auf Schalke gewohnt war. Und finanziell konnten die Blau-Weißen mit dem Angebot des FC Arsenal ohnehin nicht ansatzweise mithalten.

Goretzka vorzeitig zu verkaufen, kam für Schalke nie infrage. Einerseits schien der Nationalspieler nach seinen starken Leistungen beim Confed-Cup unverzichtbar, um die sportlichen Ziele zu erreichen. Diese Sichtweise hat sich etwas relativiert, weil Schalke auch ohne den ab Ende Oktober verletzten Goretzka erfolgreich Fußball spielte. Und andererseits hätte auch der VfL Bochum, Goretzkas früherer Klub, bei einem vorzeitigen Transfer kräftig mitverdient dank einiger Vertragsklauseln, die noch Schalkes Ex-Manager Horst Heldt verhandelt hatte.

Argumentation von der Realität überholt

Goretzka muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Argumentation, erst einmal die Schalker Entwicklung abwarten zu wollen, ehe er sich entscheidet, längst von der Realität überholt wurde. Wenn ihm die Schalker Entwicklung so wichtig wäre, wie er beteuert, hätte er längst seinen Vertrag verlängern müssen. Denn Schalke beendete die Hinrunde bekanntlich auf Platz zwei und steht außerdem im DFB-Pokalviertelfinale.

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Mehr geht nicht für einen Verein nach Platz zehn in der vergangenen Bundesligasaison. Die Königsblauen haben im Saisonverlauf das Beste aus ihren Möglichkeiten gemacht. Deshalb braucht sich Goretzka nicht zu wundern, wenn die S04-Fans langsam mit ihrer Geduld am Ende sind und den Mittelfeldspieler zunehmend kritischer sehen.

Nastasic verteidigt Goretzka

Matija Nastasic verteidigt dagegen die Vorgehensweise seines Teamkameraden: „Solch eine Entscheidung will reiflich überlegt sein. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Bundesligaspieler Zeit brauchen, ehe sie sich entscheiden. So ist das Geschäft.“

Mehr Freude macht den Königsblauen ein früherer Spieler. Leroy Sané hat sich bei Manchester City nicht nur zu einem Weltklassespieler entwickelt, sondern er wird wohl auch die Schalker Kassen bald klingeln lassen. Manager Christian Heidel hat beim Transfer von Sané im Jahr 2016 Erfolgsnachschläge ausgehandelt. Holen die Citizens Meisterschaft und Champions League, darf sich Schalke jeweils über eine Million Euro zusätzlich freuen. Mit der Ablösesumme von 50 Millionen Euro ist der Stürmer ohnehin schon der teuerste Transfer der Klubhistorie.