Vor einem Jahr kam Rabbi Matondo von Manchester City nach Schalke. Im Interview blickt er zurück auf ein turbulentes Jahr - und verrät, was seine Schwächen und Stärken sind.

Gelsenkirchen

, 20.01.2020, 16:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sprechen Sie inzwischen Deutsch?

(lacht) Ja, aber nicht so gut, dass ich ein Interview auf Deutsch geben könnte.

Haben Sie ein Lieblingswort?

Ja. (auf deutsch): Fußballspielen!

Sie sind im walisischen Cardiff aufgewachsen, dort spricht man englisch und walisisch…

Das stimmt. Ich bin zwar in Wales groß geworden, aber walisisch spreche ich nicht. Meine Familie kommt aus dem Kongo, meine Mutter und mein Vater sind dort aufgewachsen und irgendwann nach Europa gezogen. Ich bin in Liverpool zur Welt gekommen. Als ich zwei war, sind wir nach Cardiff gezogen.

Sie konnten unter drei Nationalteams wählen: Kongo, England oder Wales. Warum haben Sie sich für Wales entschieden?

Ich fühle mich walisisch, auch, wenn ich in England geboren wurde. Ich bin in Cardiff zur Grundschule gegangen, alle meine Freunde kommen daher - die Stadt und auch das Land Wales haben immer noch einen festen Platz in meinem Herzen.

Wann haben Sie angefangen, sich für Fußball zu interessieren.

Schon vor der Schule. Mein Vater war ein großer Fußballfan, seine Lieblingsmannschaft ist Arsenal. Er hat mich und meine Freunde aus der Nachbarschaft immer mit in den Park genommen, damit wir dort spielen konnten. Später habe ich für St. Albans, einen Verein in Cardiff, gespielt. Dort wurde ich schon nach ein paar Monaten von einem Talentscout entdeckt und zu Cardiff City geholt. Mit 15 bin ich zu Manchester City gewechselt – und von dort im vergangenen Jahr zu Schalke.

Wann war Ihnen bewusst, dass Fußball für Sie mehr als nur ein Hobby ist?

Spätestens, als ich zu Manchester City gegangen bin. Da war mir klar: Wenn ich die Geschichte ernst nehme, kann aus mir ein Fußballprofi werden. Ich habe immer schon zu Spielern wie Thierry Henry, Lionel Messi oder Steven Gerrard aufgeblickt und mich von ihnen inspirieren lassen. Das hat mich motiviert, und ich habe mir gesagt, dass ich das auch erreichen will.

Aber viele Jungs träumen von einer Profikarriere – warum hat’s bei Ihnen geklappt, wann war Ihnen klar, dass Sie besser sind als die meisten anderen?

Ich war schon immer sehr selbstbewusst, und ich habe schon als Junge an mich geglaubt. Ich habe nicht daran gedacht, dass ich besser bin als andere, ich habe einfach immer nur gespielt und Spaß daran gehabt.

Was Sie auf dem Platz auszeichnet ist Ihre Schnelligkeit. Kennen Sie Ihre Zeit über 100 Meter?

Das werde ich häufig gefragt – aber ich weiß es nicht. Ich bin in der neunten oder zehnten Klasse zuletzt die 100 Meter gelaufen.

Jubelpose: Beim 3:1-Sieg in Leipzig schoss Matondo sein erstes Bundesligator.

Jubelpose: Beim 3:1-Sieg in Leipzig schoss Matondo sein erstes Bundesligator. © dpa

Aber eine Leichtathletik-Karriere kam für Sie nicht infrage?

Nein, für mich war es immer Fußball. Ich hatte auch nie so richtig Spaß dabei – Laufen ohne Ball ist immer ein bisschen langweilig (lacht).

Als der Wechsel nach Schalke ein Thema wurde – brauchen Sie da lange um sich zu entscheiden?

Eigentlich nicht. Es gab auch noch andere Teams, die mich haben wollten, auch aus der Bundesliga – ein bisschen überlegen musste ich also schon. Aber das, was Schalke mit mir vorhatte, hat mich von Anfang an überzeugt.

Hat Sie die Entfernung von der Heimat nicht abgeschreckt?

Nein, nicht wirklich. Ich kannte das ja schon, als ich von Cardiff nach Manchester gegangen bin. Das sind dreieinhalb Stunden Fahrt mit dem Auto – viel länger braucht man mit dem Flugzeug auch nicht von Wales bis nach Deutschland. An freien Tagen bin ich auch schnell zu Hause. Vor allem war es ein wichtiger Schritt in meiner Karriere.

Wie war der erste Eindruck von Deutschland?

Es war sehr kalt und hat geschneit! Ich hatte gehofft, dass hier besseres Wetter herrscht als in England, und dann das! (lacht). Aber ich habe jeden Moment genossen: Ich mag meine Mannschaftskollegen, ich mag das Trainer- und Betreuerteam, ich mag die Fans – ich hoffe, dass ich noch ein paar erfolgreiche Jahre hier erleben kann.

Dabei war der Start auf Schalke nicht einfach. Nur ein paar Wochen nach Ihrer Ankunft waren Manager Christian Heidel und Trainer Domenico Tedesco nicht mehr im Amt.

Es war vor allem hart für den Verein. Aber so ist das nun einmal im Fußball. Am Anfang war ich enttäuscht, weil die Leute, die mich geholt haben, nicht mehr da waren, und ich mich gefragt habe, wie es mit mir weitergeht. Aber da muss man eben weiterarbeiten. Spätestens seit David Wagner da ist, läuft es auch wieder gut.

So gut, dass Ihnen beim Spiel in Leipzig Ihr erstes Tor geglückt ist.

Das war eine verrückte Erfahrung. Niemand außer uns hat erwartet, dass wir Leipzig schlagen können. Ich bin stolz darauf, dass ich gegen ein so gutes Team getroffen habe. Das ist ein Moment, den ich bestimmt nicht vergessen werde.

Wie würden Sie Ihren Spielstil bezeichnen – und was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Es gibt eine Menge Dinge, die ich noch verbessern kann – wenn ich die alle aufzähle, könnten wir hier noch Jahre sitzen. (lacht) Ich bin gut im Eins-gegen-Eins, und ich bin sehr schnell. Das sind meine Stärken. Am liebsten spiele ich auf dem linken Flügel, ich kann aber auch vorne, auf dem rechten Flügel oder auf der Zehn spielen.

Gibt es weitere Pläne für die Zukunft?

Ich habe keine Pläne. Gerade geht es darum, so hart wie möglich zu arbeiten und die Mannschaft dahin zurückbringen, wo sie hingehört. Ich möchte regelmäßiger spielen und die Fans stolz machen.

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