Riether: "Die Menschen sind hier offener"

Schalkes Neuzugang im Interview

Sein Pflichtspieldebüt für den FC Schalke 04 verlief beim 3:0-Erfolg in Bremen erfolgreich. Jetzt „kribbelt“ es erneut bei Sascha Riether. Der Neuzugang aus Freiburg hofft, dass er am Samstag gegen Darmstadt 98 erstmals im Schalke-Trikot in der Arena auflaufen darf. Zuvor spricht der 32-Jährige im Interview über seine bisherigen Karriere-Stationen, eine Begegnung beim Tischfußball und Felix Magath.

GELSENKIRCHEN

21.08.2015, 14:56 Uhr / Lesedauer: 4 min
Riether: "Die Menschen sind hier offener"

Keine Probleme beim Medizincheck: Sascha Riether ist zwar der älteste Schalker Feldspieler, fühlt sich aber nicht so.

In welcher Schalke-Statistik stehen Sie bereits an erster Stelle?

(überlegt lange). Weiß ich nicht. Sagen Sie es mir.

 

Sie sind Schalkes ältester Feldspieler.

(lachend) Aber so fühle ich mich nicht.

 

Also haben Sie noch keine Beschwerden morgens beim Aufstehen?

Ich würde lügen, wenn es nicht manchmal so wäre. Aber im Moment geht es mir sehr gut. Dank der intensiven Vorbereitung fühle ich mich topfit. Wir haben viele junge Spieler im Kader, und da will ich natürlich mithalten.

 

Und wie sieht es in Sachen Kommunikation mit den Jung-Profis aus? Spüren Sie in dieser Hinsicht den Altersunterschied?

Nein. Es gibt viele Themen, die erfahrene und jüngere Spieler zusammen besprechen. Und wenn in der Kabine geflachst wird, spielt das Alter sowieso keine Rolle.

 

Warum hat ihr Wechsel zu Königsblau erst im dritten Anlauf geklappt?

Weil die Vereine, bei denen ich damals unter Vertrag stand, nicht zustimmten. Einmal hat Felix Magath als Wolfsburger Trainer sein Veto eingelegt. Damals wollte mich Ralf Rangnick unbedingt haben. Beim zweiten Versuch wollte mich Fulham nicht gehen lassen. In diesem Jahr hat alles gepasst. Freiburg hat sich dabei sehr fair verhalten.

 

Haben Sie die Negativschlagzeilen um Schalke in der vergangenen Saison nicht nachdenklich gemacht?

Was in der Vergangenheit war, hat meine Entscheidung nicht beeinflusst. Schalke bleibt ein großer Klub, in Deutschland und in Europa. Es ist für mich eine Ehre, mit 32 Jahren hier eine Chance zu bekommen und spielen zu können. Ich werde alles einbringen, damit Schalke eine bessere Saison spielt als zuletzt.

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Vom badischen Freiburg ins Ruhrgebiet: Welche Unterschiede haben Sie schon feststellen können?

Da fällt mir als erstes das Wetter ein. Wenn es hier heißt, es ist warm, dann zucke ich nur mit den Schultern. Aus Freiburg und Umgebung bin ich ganz andere Temperaturen gewohnt. Was die Menschen betrifft, sind Sie hier noch einen Tick offener als in meiner Heimat.

 

Woran machen Sie das fest?

Nur ein Beispiel: Im Rahmen der Saisoneröffnung habe ich mit einem Fan Tischfußball gespielt. Als ich ihn höflich gefragt habe, ob wir mal die Position wechseln wollen, hat er mich erstaunt angeguckt und gesagt: Sie? Hier duzen sich alle. Da habe ich gelacht und ihm versprochen, das in Zukunft auch so zu handhaben.

 

Zukunft ist ein gutes Stichwort: Wie sehen Ihre sportlichen Ziele aus?

Ich will mit meiner Erfahrung auf und außerhalb des Platzes vor allem den jungen Spielern Hilfestellungen geben. Momentan ist das eine sehr angenehme Aufgabe, weil der gute Saisonstart vieles einfacher macht.

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Sie sind hauptsächlich auf der Rechtsverteidigerposition zu Hause. Warum gibt es so wenig herausragende deutsche Spieler auf dieser Position?

Gute Frage. Darüber habe ich mir auch schön öfter Gedanken gemacht. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die öffentliche Wertschätzung allgemein für Verteidiger nicht so groß ist. Wenn ich jetzt noch mal am Anfang meiner Karriere stehen würde, wäre ich auch lieber Stürmer geworden.

 

Warum?

Man ist öfter der gefeierte Held. Rechts- oder Linksverteidiger sind meistens keine spektakulären Spieler, sondern normale Arbeiter, die die Linie hoch und runter rennen und denen nicht so viel Applaus geschenkt wird.

 

Welchem Ihrer bisherigen Trainer haben sie am meisten Applaus gespendet?

Ich bin allen dankbar, weil ich von jedem etwas gelernt habe. Volker Finke hat mir zum Beispiel als jungem Spieler so viel Vertrauen geschenkt, dass ich früh in der Bundesliga Fuß fassen konnte. Unter Felix Magath hatte ich eine sehr erfolgreiche Zeit in Wolfsburg, aber auch der britische Fußball hat mir viel gegeben.

 

Ist die Premier League stärker als die Bundesliga?

Die Dichte an herausragenden Spielern ist in Großbritannien höher. In Deutschland stehen mehr der Teamgedanke und die Taktik im Vordergrund.

 

Machen Sie sich schon Gedanken, was nach der Fußballerkarriere kommt?

Noch nicht so richtig. Ich genieße die Zeit, solange ich noch Bundesliga spielen kann.

 

Meister sind Sie ja schon mit dem VfL Wolfsburg im Jahr 2009 geworden. Wie fühlt sich eigentlich die Meisterschale an?

(lachend). Schwer. Im Fernsehen sieht es immer locker aus, wenn Spieler mit der Schale jubeln. Doch als ich die Schale in der Hand hatte, dachte ich: Ganz schön schwer das Ding. Es wiegt immerhin elf Kilo.

 

Haben Sie sich auf Schalke eine Meisterprämie im Vertrag festschreiben lassen?

(schmunzelnd) Nein. Nicht, weil ich das der Mannschaft nicht irgendwann mal zutraue, sondern weil ich hier erst einmal sportlich Fuß fassen will. Ich bin ja nicht hierhergekommen mit dem Ziel, sofort Meister zu werden. Sollten wir die Schale mal gewinnen, wäre das sowieso die schönste Prämie und der Verein würde sicher in der Lage sein, in dieser Richtung etwas zu tun.

 

Trainer Breitenreiter scheint zu Schalke gut zu passen.

Das denke ich auch. Er hat klare Vorstellungen und hohe Ansprüche, ist aber gleichzeitig ein Kumpel-Typ, der jeden Spieler auch mal in den Arm nimmt. Dabei können wir mit ihm jederzeit auf Augenhöhe diskutieren.

 

Wie ist das Verhältnis zu ihrem direkten Konkurrenten Junior Caicara?

Wir sind Konkurrenten, die sich trotzdem gut verstehen. Ich übersetze oft für ihn, wenn etwas unklar ist.

 

Haben Sie schon ein neues Zuhause gefunden?

Ja, hier in Gelsenkirchen. Der Umzug geht bald über die Bühne. Ich beneide zurzeit meine Freundin nicht, denn sie organisiert alles. Zurzeit wohnen wir noch im Hotel.

 

Auf Schalke tragen Sie die Nummer 27. Ihre Glückszahl?

Ich habe meine Karriere mit der Nummer 22 begonnen. Aber die war nicht mehr frei. Also habe ich wie in Fulham die 27 genommen.

 

Letzte Frage: Was für ein Spiel erwarten Sie gegen Darmstadt 98?

Sie werden abwartend spielen und versuchen schnell zu kontern. Deshalb dürfen wir die Bälle nicht leichtsinnig verlieren. Gerade wenn ein Aufsteiger in die neue Saison startet, umgibt ihn eine große Euphorie. Siehe Paderborn, die in der Hinrunde zahlreiche Überraschungssiege landeten. Das sollte uns Warnung genug sein. Es wird ein hartes Stück Arbeit.

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