Sam: "Heute der Held, morgen der Buhmann"

S04-Interview

Erst ständig verletzt, dann suspendiert, jetzt wieder Mitglied des Kaders: Für Sidney Sam verlief sein erstes Schalke-Jahr äußerst turbulent, aber überhaupt nicht nach Wunsch. Wie er das alles verkraftet hat und was er sich für die Zukunft wünscht, verrät er im Interview mit Frank Leszinski.

GELSENKIRCHEN

07.09.2015, 05:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sam: "Heute der Held, morgen der Buhmann"

Sidney Sam hat offenbar einen neuen Verein gefunden. Der 27-Jährige soll an Eintracht Frankfurt ausgeliehen werden.

Herr Sam, was sagt Ihnen der Verein FC Kray? Sidney Sam: "Den Stadtteil kenne ich, den Klub eher weniger. Seit vergangenen Sonntag weiß ich aber, dass in Kray auch ordentlich Fußball gespielt wird."

Dort haben Sie ihr Comeback für Schalke in der Regionalliga gefeiert. Wie kamen Sie zurecht? In erster Linie war es sehr heiß (lacht). Im Ernst, ich habe 86 Minuten gespielt. Natürlich wird in der Regionalliga ganz anders agiert als in der Bundesliga. Das Wichtigste war für mich, dass ich Spielpraxis sammeln konnte und gesund geblieben bin.

Manager Horst Heldt hat die Hoffnung geäußert, dass Sie bald zu einer Waffe auf dem Fußballplatz für Schalke werden können. Wie steht es um Ihre Fitness? Ich habe meinen Trainingsrückstand aufgeholt und fühle mich fit.

Das heißt? Ich warte auf meine Chance und gebe in jedem Training richtig Gas. Mein Wunsch ist es, bald wieder zum Bundesliga-Kader zu gehören.

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Damit war nach ihrer Suspendierung im Frühjahr nicht zu rechnen. Das stimmt. Für mich kam diese Entscheidung überraschend, auch wenn ich natürlich nicht gerade meine beste Phase hatte damals.

Wie ist der Tag Ihrer Suspendierung konkret abgelaufen? Manager Horst Heldt hat mir in einem Vier-Augen-Gespräch mitgeteilt, dass ich freigestellt bin. Dann bin ich nach Hause gefahren.

Was hat Ihnen der Verein vorgeworfen? Es stand ja zu lesen, dass ich negative Stimmung verbreitet hätte. Das ist aus meiner Sicht so nicht richtig. Es stimmt aber, dass mich damals viele Dinge beschäftigt haben, mein Fokus nicht zu 100 Prozent gestimmt hat. Sportlich standen wir mächtig unter Erfolgsdruck, ich hatte immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, es lief einfach nicht rund. Das alles hat mich belastet, und ich war zu viel mit mir und zu wenig mit der Mannschaft beschäftigt.

Wie sind Sie mit dieser Situation fertig geworden? Es war die schwierigste Phase in meiner Karriere. Es gab unzählige Anrufe mit der immer wiederkehrenden Frage: Was hast du verbrochen? Meine Familie hat mir damals sehr geholfen, um das alles zu verkraften. Ich habe dann einfach allein weiter trainiert.

Und nach der Saison zum Telefonhörer gegriffen … Ich wollte einfach wissen, wie der neue Trainer André Breitenreiter tickt und ob ich bei ihm noch eine Chance bekomme. Zwar hatte ich einige Angebote aus dem In- und Ausland, aber so wollte ich Schalke nicht verlassen.

Das Ergebnis des Gesprächs mit André Breitenreiter fiel offenbar positiv aus.  Wir haben 30 Minuten gesprochen. Zwei Tage später hat er angerufen und nach Rücksprache mit der Vereinsführung gesagt, dass wir es versuchen können.

Wie war Ihre Reaktion? Ich war froh und glücklich. Breitenreiter ist ein Trainer mit enorm viel positiver Energie. Er ist sehr kommunikativ und behandelt alle Spieler gleich.

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War das mit seinem Vorgänger Di Matteo anders? Sagen wir so: Ich hatte auch mit Di Matteo Gespräche, aber die Initiative ging dabei in der Regel immer von mir aus.Jetzt sind Sie schon seit Monaten beschwerdefrei. Haben Sie etwas verändert? Ich habe für die vielen Verletzungen keine schlüssige Erklärung gefunden. Es sind immer viele Faktoren, die da eine Rolle spielen. Bei mir ist vieles Kopfsache. Momentan fühle ich mich sehr wohl und fit. Ich will den Fans beweisen, dass ich mehr kann, als ich bisher während meiner Schalker Zeit gezeigt habe.Was haben Sie aus dem letzten halben Jahr gelernt? Der Profifußball hat sich zu einem Geschäft entwickelt, in dem du dich als Spieler keinen Tag ausruhen darfst. Heute bist du der Held, morgen kannst du schon der Buhmann sein.

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