Schalke 04 atmet durch

Schalke 04

Schalke hat die Zusage für eine Landesbürgschaft bestätigt. Der Klub habe die Bürgschaft in der Erwartung beantragt, nicht anders als andere Wirtschaftsunternehmen behandelt zu werden.

Gelsenkirchen

, 28.07.2020, 18:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erleichtertes Schalke-Trio: Alexander Jobst, David Wagner und Jochen Schneider.

Erleichtertes Schalke-Trio: Alexander Jobst, David Wagner und Jochen Schneider. © dpa

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dieser nicht unumstrittenen Entscheidung.

Warum hat Schalke die Landesbürgschaft beantragt?

Nach 40 Millionen Euro Plus machte der Traditionsklub 2019 rund 26 Millionen Euro Minus. Fehlender sportlicher Erfolg war die Hauptursache für diese negative Entwicklung. Durch den sportlichen Absturz in der vergangenen Rückrunde verpasste der Klub zum dritten Mal in vier Jahren das europäische Geschäft.

Die Finanzverbindlichkeiten stiegen auf fast 198 Millionen Euro, hinzu kamen die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die die finanzielle Schieflage erheblich verschärfte. Die bisher eingeleiteten Einsparungsmaßnahmen (zum Beispiel prozentualer Gehaltsverzicht der Profis) reichte bei weitem nicht aus, um finanziell handlungsfähig zu bleiben.

Wie hoch ist die Landesbürgschaft und was bedeutet die Zusage?

Laut verschiedener Medien wird durch die Landesbürgschaft in Höhe von 31,5 Millionen Euro ein Bankenkredit in Höhe von 35 Millionen Euro abgesichert. Das entspricht einer Ausfallquote von 90 Prozent, sollte Schalke den Kredit nicht zurückzahlen können. Für Spielerkäufe darf der Kredit nicht aufgewendet werden. Der Kredit, der von einem Banken-Konsortium gewährt worden sein soll, ist offenbar als Betriebsmittel-Darlehen deklariert.

Ist es das erste Mal, dass Schalke eine Landesbürgschaft in Anspruch nimmt?

Nein. Das ist schon öfter geschehen, zum Beispiel beim Bau der Veltins-Arena. Damals diente die Bürgschaft allerdings zur Unterstützung eines damals einzigartigen Stadionsprojektes. Die aktuelle Landesbürgschaft dient jedoch dazu, die Existenz des FC Schalke 04 zu sichern. Deshalb hat diese Bürgschaft auch Kritiker auf den Plan gerufen. Denn sollte der Bundesligist nicht in der Lage sein, seine Kredite beim Darlehensgeber zu bedienen, müsste der Steuerzahler in die Bresche springen.

Ist die Bürgschaft kostenfrei?

Nein. Das Land erhebt Gebühren für die Inanspruchnahme im sechsstelligen Bereich. Das ist üblich und mussten die Königsblauen auch schon zum Beispiel beim Bau der Veltins-Arena entrichten.

Wie wird die Landesbürgschaft in der Politik beurteilt?

Gegenüber den Ruhr Nachrichten hatten Gelsenkirchener Landes- und Kommunalpolitiker schon vorher angekündigt, dass Schalke in dieser Frage wie ein Wirtschaftsunternehmen zu behandeln sei. Eine Schalker Insolvenz würde unter anderem für die Stadtentwicklung positive Projekte im Berger Feld gefährden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte betont: „Es wird keine Lex Schalke, keine Sonderregelungen geben“.

Wie beurteilen andere Vereine, dass Landesbürgschaften von Bundesligisten in Anspruch genommen werden?

Scharfe Kritik gab es zum Beispiel vom Mainzer Aufsichtsrats-Vorsitzenden Detlef Höhne zur Schalker Finanzsituation. Schalke habe „mit den großen Hunden pinkeln“ wollen, dafür habe man Schulden gemacht: „Das ist ja nun gründlich schiefgegangen“, erklärte er kürzlich im Interview mit Bild.

Hans-Joachim Watzke hatte hingegen Verständnis für den Erzrivalen geäußert. „Ich finde, das ist nicht ehrenrührig. Von uns als Bundesliga wird verlangt, dass wir die gleichen Steuern zahlen, dass wir sie pünktlich zahlen – was eine Selbstverständlichkeit ist. Aber wenn der Bund oder das Land oder wer auch immer beschließt, coronageschädigten Unternehmen beizustehen, dann gelten die gleichen Rechte für uns offensichtlich nicht. Grundsätzlich zu sagen, dass Fußballklubs davon ausgeschlossen sein müssen, das entspricht nicht meinem Gleichbehandlungsgrundsatz“, so der BVB-Chef Watzke kürzlich in einer Medienrunde.

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