Schalke 04 und die pure Verzweiflung

Schalke 04

Mark Uth platzt nach der Schalker 0:2-Heimniederlage gegen Wolfsburg der Kragen. Sportvorstand Jochen Schneider rüffelt Amine Harit.

Gelsenkirchen

, 22.11.2020, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Konsterniert: Schalke-Trainer Manuel Baum.

Konsterniert: Schalke-Trainer Manuel Baum. © dpa

In sportlichen Krisen achtet jeder Bundesligist noch mehr als sonst üblich darauf, wer wann wo was sagen darf. Der „Kontrollwahn“ ist längst Bundesliga-Alltag, doch nach dem nächsten sportlichen Schalker Offenbarungseid wurde er von Mark Uth außer Kraft gesetzt.

Der Nationalspieler war so sauer über die 0:2 (0:2)-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg, die Schalkes Gruselserie auf 24 Bundesligapartien in Folge ohne Sieg verlängerte, dass er seine ganze Verzweiflung in einem kleinen Monolog ausdrückte. Ohne Floskeln. Offen und ehrlich, die ganze Misere auf den Punkt bringend.

„Ich bin so bedient. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Es ist so traurig, hier jedes mal aufzudribbeln und einfach machtlos Fußball zu spielen. Wir werden hergespielt und kommen immer einen Schritt zu spät. Wir kommen nicht mal in die Zweikämpfe. Wir haben keine Gelbe Karte bekommen“, sprudelte es aus dem 29-Jährigen bei „Sky“ nur so heraus.

„Könnte nur noch weinen“

Und es ging noch weiter. Uth: „Ich weiß nicht, wie wir so ein Spiel gewinnen wollen. Wir spielen sehr sehr schlecht Fußball. Wir verteidigen schlecht. Wir geben nicht auf, Aufgabe ist Blödsinn. Aber ich könnte nur noch weinen“.

Nach 24 Minuten war die Partie praktisch entschieden, weil die Wolfsburger zu diesem Zeitpunkt schon durch Treffer von Wout Weghorst und Xaver Schlager mit 2:0 in Front lagen. Dass die Gastgeber bis zur Halbzeitpause keine weiteren Gegentore kassierten, hatten sie einzig und allein Torhüter Fredrik Rönnow zu verdanken.

Doch Uth war am Samstag sicherlich nicht der einzig Verzweifelte im Schalker Lager. Auch Trainer Manuel Baum wird jetzt endgültig begriffen haben, auf was für eine Aufgabe er sich eingelassen hat. Der 41-Jährige machte gar nicht erst den Versuch, die Geschehnisse auf den Platz schön zu reden. „Wie die erste halbe Stunde verlief, war sehr enttäuschend, danach wurde es auch nur ein bisschen besser“, gab Baum zu Protokoll und wirkte eher ratlos als Mut machend. Und das nach einer Woche, in der Schalke sich kurzzeitig in einem offensichtlich nur selbst eingeredeten kleinen Stimmungshoch befunden hatte.

Sané droht lange auszufallen

Dass Salif Sané kurzfristig wegen Knieproblemen ausfiel und womöglich länger nicht zur Verfügung stehen wird, dafür kann Baum nichts. Aber warum er Ozan Kabak in diesem wichtigen Spiel draußen ließ, weil sich der Innenverteidiger wegen seiner Länderspieleinsätze mit der Türkei müde fühlte, löste doch bei vielen Journalisten Kopfschütteln aus. Die Dreierkette mit dem unerfahrenen Malick Thiaw, dem schwerfälligen Benjamin Stambouli und dem biederen Matija Nastasic wurde erst ad acta gelegt, als es zu spät war.

Als Baum nach dem Schlusspfiff wie ein Häufchen Elend über den Platz ging, symbolisierte er den Schalker Gemütszustand, der für Optimismus nach dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz keinen Anlass gibt. Sportvorstand Jochen Schneider warb im Gespräch mit dieser Zeitung am Sonntag darum, sich auf den Fußball zu konzentrieren: „Wenn ich Revue passieren lasse, mit welchen Themen wir uns in den letzten Wochen beschäftigen mussten, das spottet je- der Beschreibung.“

3 von 18 Punkten

Dass der erhoffte Effekt des Trainerwechsels schon verpufft ist – Baum holte aus sechs Spielen drei von 18 möglichen Punkten – davon will Schneider nichts wissen. Er adressierte seine Kritik an die Spieler, insbesondere an Amine Harit, der nach seiner frühen Auswechslung grußlos den Platz verlassen hatte.

Schneider: „Von Amine Harit bin ich sehr enttäuscht, weil er ein unglaubliches Potenzial hat, dieses aber in den vergangenen Monaten nicht hat in Leistung ummünzen können. Wie er nach seiner Auswechslung vom Platz gegangen ist, ist nicht akzeptabel. Darüber werde ich mit ihm selbstverständlich zu Beginn der Woche sprechen.“

Schlagworte: