Im österreichischen Mittersill hatte Schalke-Trainer Domenico Tedesco seine Jungs eine Woche lang kräftig schwitzen lassen. Wir machen vor dem Endspurt der Vorbereitung den Formcheck.

Gelsenkirchen

, 08.08.2018, 08:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Dienstag nach der Rückkehr durften die Profis einen trainingsfreien Tag lang durchschnaufen. Allzu viel Zeit für die Saisonvorbereitung bleibt Tedesco allerdings nicht mehr: Am 17. August steht mit der Pokalpartie beim 1. FC Schweinfurt das erste Pflichtspiel an. Eine Woche später startet die Bundesligasaison.



TOR:

Schalke geht mit Ralf Fährmann als klarer Nummer eins in die neue Saison. In der abgelaufenen Spielzeit griff der 29-Jährige allerdings hin und wieder mal ordentlich daneben. Die Niederlagen gegen Bremen und Bayern in der Rückrunde zum Beispiel gingen zu einem großen Teil auf seine Kappe. Das dürfte den ohnehin schon ehrgezigen Keeper nur noch mehr zu Bestleistungen kitzeln.

Schalke im Formcheck - die Abwehr bleibt das Prunkstück

Schalkes klare Nummer eins: Ralf Fährmann. © imago

Hinter dem Schalker Kapitän steht mit Alexander Nübel ein hungriger Ersatzmann, der in dieser Saison mehr Einsätze bekommen will als im vergangenen Jahr – da spielte er genau 45 Minuten. „Ich darf und will Ralle unter Druck setzen“, sagte Nübel kürzlich in einem Interview mit dem Reviersport. „Vielleicht trainiere ich ja auch mal drei Wochen überragend und spiele dann.“

Fazit: Mit Fährmann hat Schalke einen der besseren Keeper der Bundesliga im Tor stehen. Die Qualität zwischen den Pfosten ist unverändert hoch.



ABWEHR:

Die Defensive war in der vergangenen Saison Schalkes Prunkstück: Lediglich 37 Gegentore kassierte das Team, nur Bayern und Stuttgart waren besser. Abwehrchef Naldo macht den Eindruck, als würde er trotz seiner fast 36 Jahren immer besser. Der zum Vizekapitän aufgestiegene Brasilianer ist weiterhin in einer Top-Verfassung.

Wie schon in der Saison 2016/2017 hatte der Schalker auch in der abgelaufenen Spielzeit die beste Zweikampfquote aller Bundesliga-Spieler: 73,35 Prozent aller Zweikämpfe entschied Naldo für sich.

Ebenfalls bockstark: Neuzugang Salif Sané. Im Testspiel gegen den französischen Erstligisten SCO Angers spielten die beiden Abwehr-Türme (Naldo 1,98 Meter/ Sané 1,96 Meter) erstmals gemeinsam in der Schalker Defensive. „Die Abstimmung zwischen uns klappt schon prima“, bilanzierte Sané, der mit 432 gewonnen Zweikämpfen in der abgelaufenen Saison die meisten Zweikämpfe gewann (68,68 Prozent - hinter Naldo und Jonathan Tah Platz drei).

Auch Benjamin Stambouli wird für die Mannschaft immer wichtiger, Matija Nastasic ist nach seiner Kreuzbandverletzung wieder zurück, Thilo Kehrer hat seine „Lehrjahre“ beendet. Alle drei Spieler sind in der Abwehrreihe, Kehrer und Stambouli sogar auch im defensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar.

Dennoch bereitet die linke Defensivseite ein wenig Sorgen. Hier ist der lange verletzte Abdul Rahman Baba derzeit die einzige A-Option. Bastian Oczipka fällt nach sener Hüft-OP noch länger aus.

Fazit: Die sowieso schon gute Schalker Abwehr dürfte für Gegner in Zukunft noch schwerer zu knacken sein. Vor allem mit hohen Bällen dürfte gegen S04 nichts zu holen sein.



MITTELFELD:

Nominell verfügt Schalke über ein starkes Mittelfeld: Die Abgänge von Max Meyer und Leon Goretzka wurden durch die Neuzugänge Omar Mascarell und Suat Serdar aufgefangen. Vor allem Mascarell wird eine gewichtige Rolle zukommen. Mehr Verantwortung wird künftig auch Nabil Bentaleb übernehmen müssen.

Schalke im Formcheck - die Abwehr bleibt das Prunkstück

Nabil Bentaleb wird neben Omar Mascarell eine Führungsrolle im Mittelfeld einnehmen. © dpa

Trainer Domenico Tedesco hält jedenfalls große Stücke auf den Algerier: „Nabil wird uns gut tun, weil er sehr viele Stärken hat“, so der Coach. Und Bentaleb ist selbstbewusst genug, die ihm zugedachte Rolle als Anführer im Mittelfeld anzunehmen.

Ein Problem: In der vergangenen Woche häuften sich die Verletzungen: Yevhen Konoplyanka und zuletzt auch Mascarell zogen sich Muskelverletzungen zu, Serdar erlitt eine Bänderverletzung im Knie. Zwar erwies sich keine dieser Verletzungen als schwerwiegend, dennoch: In einer wichtigen Phase der Vorbereitung konnten die Spieler nicht mit der Mannschaft trainieren.

Auch Amine Harit, der noch mit den psychischen Folgen seines Unfalls zu kämpfen hat, pausiert wegen eines kleinen Muskelfaserrisses. Nach der starken vergangenen Saison, in der er zum „Rookie of the Year“ gewählt wurde, erwarten nicht wenige, dass er der neue Kreativspieler des königsblauen Mittelfelds wird.

Fazit: Die Vorbereitung verlief nicht optimal, die Abläufe im Mittelfeld werden sich erst noch finden müssen. Auch die Rollenverteilung ist noch unklar.



ANGRIFF:

Guido Burgstaller war in der abgelaufenen Saison mit elf Pflichtspieltreffern Schalkes erfolgreichster Torjäger. Dahinter folgten mit Naldo (7) und Daniel Caligiuri (6) eher defensivere Spielertypen. Auch deshalb wurde hier personell nachgebessert: Mit Steven Skrzybski und vor allem Mark Uth (14 Bundesligatore in der abgelaufenen Saison) hat Tedesco mehr Auswahl als zuvor, er kann die Offensive variantenreicher gestalten.

Schalke im Formcheck - die Abwehr bleibt das Prunkstück

Mark Uth könnte auf Schalke zum Stürmer Nummer eins aufsteigen. © imago

Ein großes Fragezeichen steht noch immer hinter Breel Embolo. Nach seiner schweren Verletzung und der langen Rekonvaleszenz konnte der Schweizer noch nicht an seine alte Form anknüpfen, auch in den beiden letzten Testspielen überzeugte er nicht. Gleiches gilt für den „ewigen“ Arbeiter Franco Di Santo. Die Torausbeute des Argentiniers lässt auf Schalke bislang weiter zu wünschen übrig.

Interessant dürfte die Personalie Cedric Teuchert werden. Der 21-Jährige wird wegen der vielen Spiele, die S04 in der kommenden Saison bestreitet, auf mehr als nur die 53 Pflichtspielminuten in sechs Partien kommen. Im Testspiel gegen ETB SW Essen erzielte er den 1:0-Siegtreffer.

Fazit: In der Breite ist Schalke im Sturm gut aufgestellt. Ein paar mehr Stürmertore als in der Vorsaison müssen aber her. An der Torgefährlichkeit wird Domenico Tedesco auch über die Vorbereitung hinaus noch ein wenig feilen müssen.

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