Auch der Trainer scheint zurzeit vom Glück verlassen: Mit der Einwechslung von Hamza Mendyl für Guido Burgstaller bewies Domenico Tedesco kein glückliches Händchen, meint unser Kommentator.

Gelsenkirchen

, 09.12.2018, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Schalke mit 0:4 zurücklag und der gelb-verwarnte Weston McKennie so heiß gelaufen war, dass er kurz vor der Roten Karte stand, wechselte ihn Trainer Domenico Tedesco nach einer halben Stunde aus. Das war die Basis-Entscheidung dafür, dass Schalke vor einem Jahr überhaupt noch ans spätere „blaue Wunder von Dortmund“ (4:4) glauben konnte.

Eine kluge, richtige, nachvollziehbare Entscheidung.

So macht Tedesco aus einem Not-Sturm einen Not-Not-Sturm

Als sich am Samstag mit Guido Burgstaller der einzige etatmäßige Stürmer nach einer halben Stunde humpelnd verabschiedete, wechselte Tedesco mit Hamza Mendyl einen Linksverteidiger ein und positionierte ihn neben Mittelfeldspieler Weston McKennie ins Sturmzentrum.

Eine – höflich formuliert – seltsame und nicht nachvollziehbare Entscheidung.

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Denn damit machte Tedesco aus dem Schalker Not-Sturm einen Not-Not-Sturm. Eine Entscheidung übrigens, zu der er nicht gezwungen war. Denn mit Yevhen Konoplyanka und Cedric Teuchert saßen noch zwei Angreifer auf der Bank. Warum waren sie im Kader, wenn sie ohnehin nicht oder erst sehr spät wie Konoplyanka berücksichtigt werden sollten?

Schalke in der Krise: So macht sich Domenico Tedesco angreifbar

Kein gutes Spiel: Schalkes Hamza Mendyl. © imago

Natürlich gab es Erklärungen. Mit dem schnellen Mendyl, so Tedesco, habe er mehr Tempo in den Angriff bekommen wollen. Konoplyanka sei ein Außenstürmer, man habe aber einen Mann fürs Zentrum gebraucht. Und Teuchert galt nach langer Verletzungspause offenbar als noch nicht reif für 60 Derby-Minuten.

Ein Derby ist auch keine Ideen-Werkstatt für Kreative

Setzen wir mal hier an: Wenn Teuchert noch nicht einsatzfähig ist, gehört er auch nicht in den Kader. Ein Derby ist kein Schnupper-Kurs, um Spieler wieder an die Stadion-Luft zu gewöhnen. Dann hätten eher die Stürmer Haji Wright, der in Hoffenheim noch zur Start-Elf zählte und von Tedesco gelobt wurde, oder A-Jugend-Knipser Ahmed Kutucu ins Aufgebot gehört.

Ein Derby ist auch keine Ideen-Werkstatt für Kreative. Tedesco, in der Vorberichterstattung von „Sky“ noch euphorisch als „Super-Hirn“ umschmeichelt, muss aufpassen, dass er beim „Sich-Gedanken-Machen“ nicht überdreht. Mendyl war als Stürmer komplett fehlpositioniert und überfordert, seine Schnelligkeit kam weder beim Anlaufen noch beim Davonlaufen oder beim Hinterherlaufen zum Tragen.

Manchmal sind die einfachen Lösungen die besten...

Vielleicht, wahrscheinlich sogar, hätte Schalke auch so verloren. Und wäre Mendyl in letzter Sekunde der Ball vor den Fuß gefallen und er hätte das 2:2 erzielt, würden wir Tedesco jetzt wohl für seine Riesen-Idee feiern.

Aber das verwegene Wechsel-Spielchen ging, wie auch Tedesco zugab, halt nicht auf und ist ein weiterer Mosaikstein, mit dem er sich nun angreifbar macht. Stürmer für Stürmer – Schalkes junger, hochbegabter Trainer darf sich nicht zu schade sein, auch einfache, nachvollziehbare Lösungen zu wählen.

So wie vor einem Jahr in Dortmund.