Beim neuen Schalker Sportvorstand Jochen Schneider jagt ein Termin den nächsten. Der 48-Jährige hat eine Herkulesaufgabe vor sich. Wir analysieren die wichtigsten Problemfelder.

Gelsenkirchen

, 26.03.2019, 18:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 48-Jährige hat eine Herkulesaufgabe vor sich. Schneider muss nicht nur einen passenden Trainer, Sportdirektor und Kaderplaner für die Königsblauen finden, sondern gleichzeitig auch selbst schon Personalentscheidungen fällen, die den Kader für die nächste Saison betreffen.

Denn sonst läuft dem Kultklub die Zeit davon. Dass die sportliche Situation als Tabellenfünfzehnter alles andere als einfach ist, kommt ebenso erschwerend hinzu wie die finanziellen Zwänge. Schalke hat weniger Geld zur Verfügung als in den vergangenen Jahren, um neue Spieler zu verpflichten. Kluge, innovative und preisgünstige Transfers sind für die Blau-Weißen das Gebot der Stunde.

Burgstaller setzt Zeichen

Außerdem muss Schneider versuchen, mit den Spielern, auf die Schalke sportlich weiterhin setzt, Vertragsverlängerungen zu erzielen. Hier gab es am Dienstag die erste Erfolgsmeldung. Guido Burgstaller hat seinen im Jahr 2020 auslaufenden Vertrag vorzeitig mit 2022 verlängert.

„Es ist ein tolles Zeichen von Guido, sich in dieser schwierigen Situation so klar zum Verein zu bekennen. Wir freuen uns, dass er seine Zukunft ganz eindeutig auf Schalke sieht,“ so Schneider.

„Ich bin überglücklich“


„Ich bin überglücklich, denn es bedeutet mir sehr viel, auch in den kommenden Jahren Teil von Schalke 04 zu sein“, freute sich Burgstaller. „Für die Unterstützung, die ich hier von allen erfahren habe, möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Wichtig ist für uns nun allein, dass wir in diesen für den Klub aktuell schwierigen Zeiten alles tun, um uns in der Bundesliga aus unserer ernsten Lage zu befreien.“

Der österreichische Nationalspieler war im Januar 2017 vom 1. FC Nürnberg zum FC Schalke 04 gewechselt. In den vergangenen beiden Jahren hatte Burgstaller in 88 Pflichtspielen insgesamt 28 Tore erzielt und damit seinen Anteil an den sportlichen Erfolgen in diesem Zeitraum, allen voran an der Vizemeisterschaft der Vorsaison.

Die Vertragsverlängerung von Burgstaller ist jedoch nur ein kleiner Schritt auf dem Weg, den Kader für die nächste Saison zu optimieren. In allen Mannschaftsteilen gibt es offene personelle Baustellen.

Was passiert mit Ralf Fährmann?

Das beginnt schon bei den Torhütern. Was passiert mit Ralf Fährmann? Er hatte seinen Vertrag vorzeitig bis 2022 verlängert, in dem festen Glauben, bis dahin die Nummer eins im Schalker Tor zu sein. Doch U21-Nationaltorhüter Alexander Nübel hat ihn abgelöst. Wie reagiert Fährmann darauf am Saisonende, und welche Vorstellungen hat der neue Schalker Trainer?

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider steht bei Kaderplanung vor großen Herausforderungen

Was wird aus ihm? Ralf Fährmann hat seinen Stammplatz im Schalker Tor verloren. © imago

In der Abwehr muss die Zukunft von Jeffrey Bruma geklärt werden, der bis zum Saisonende vom VfL Wolfsburg ausgeliehen wurde. Dort läuft sein gut dotierter Vertrag noch bis zum 30. Juni 2021. Bisher hat der Innenverteidiger nicht so gespielt, als dass Schalke alles daransetzen wird, um ihn unbedingt halten zu wollen.

Mendyl ein großer Transferflop

Dieses Urteil gilt in noch viel stärkerem Maße für Hamza Mendyl, der als einer der größten Transferflops der Ära Heidel gilt. Sagen will das auf Schalke verständlicherweise öffentlich niemand, weil der Vertrag mit dem Marokkaner noch bis 2023 (!) läuft.

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider steht bei Kaderplanung vor großen Herausforderungen

Bisher ein Transferflop: Hamza Mendyl. © imago

Der Vertrag von Routinier Sascha Riether läuft am Saisonende aus. Sehr wahrscheinlich wird der Abwehrspieler, der in dieser Saison noch keine Minute in der Bundesliga zum Einsatz kam, seine Karriere beenden.

Harit und Bentaleb zwei Sorgenkinder

Auch im Mittelfeld gibt es einige Spieler, die die Erwartungen nicht erfüllt haben, jedoch längerfristige Verträge bei den Königsblauen haben. Das gilt zum Beispiel für Sebastian Rudy und Omar Mascarell (beide bis 2022). Mit großen Vorschusslorbeeren verpflichtet, haben weder Rudy noch der Spanier Mascarell sportlich auf Schalke funktioniert. Ist so viel Vertrauen noch vorhanden, dass Hoffnung auf Besserung besteht? Auch diese Frage muss schnell geklärt werden.

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Und dann sind da ja auch noch solche Problemfälle wie Nabil Bentaleb und Amine Harit. Wenn sich beide auf Fußball konzentrieren würden, könnten sie jeder Mannschaft sportlich weiter helfen. Aber Bentaleb ist sofort bei Trainer Huub Stevens in Ungnade gefallen und bleibt bis auf weiteres suspendiert. Wegen seiner Leistenprobleme kann der Algerier momentan ohnehin nur dosiert in der Schalker U 23 trainieren.

Wenig Interesse an Schalker Spielern

Und Harit? Schalkes Verantwortliche führten schon viele Einzelgespräche mit ihrem Sorgenkind, redeten ihm regelmäßig ins Gewissen. Aber sie bekommen Harit einfach nicht in den Griff. Schon in der Winterpause gab es konkrete Überlegungen, den jungen Offensivspieler bei einem entsprechenden Angebot abzugeben. Doch Interessenten blieben aus.

Genau solch eine Konstellation könnte Schalke vermehrt in der Sommerpause drohen. Man plant mit einigen Spielern nicht mehr, doch diese haben noch gültige, lukrative Verträge. Ein Horrorszenario, dass schon bald Realität werden könnte und eine Herkulesaufgabe für Schneider

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