David Wagner erlebt momentan seine schwierigste Zeit, seit er Schalke-Trainer ist. Vier Baustellen brauchen schnellstens eine Lösung.

Gelsenkirchen

, 24.02.2020, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Probleme gab es zwar auch schon in der Vorrunde, doch dafür fand Wagner immer relativ schnell gute Lösungen. Aktuell gibt es aber so viele Defizite, dass der 48-Jährige gar nicht weiß, wo er anfangen soll.


Baustelle Offensive: In den vergangenen fünf Bundesligapartien erzielte Schalke ein kümmerliches Tor, nämlich durch Ahmed Kutucu beim 1:1 gegen den SC Paderborn. Von den ersten sechs Mannschaften in der Tabelle haben die Königsblauen mit Abstand die wenigsten Treffer – nämlich 32 – erzielt. Da verwundert es nicht, dass in der internen Torschützenliste mit Suat Serdar ein Mittelfeldspieler mit sieben Treffern vorne liegt. Damit hat der Nationalspieler mehr Tore erzielt als die nominellen Stürmer Guido Burgstaller (0), Rabbi Matondo (1), Michael Gregoritsch (1) und Ahmed Kutucu (3) zusammen.


Fast noch schlimmer ist die Tatsache zu bewerten, dass sich die Königsblauen kaum noch Torchancen erspielen. Gegen Leipzig dauerte es bis zur 66. Minute (!), ehe Matija Nastasic mit einem Kopfball die erste echte Möglichkeit für die Gastgeber hatte.



Baustelle kriselnde Leistungsträger: Ein Formverfall bei einigen Spielern, auf die für Schalke in der Hinrunde meistens Verlass war, ist unübersehbar. Das gilt zum Beispiel für Amine Harit, der gegen Leipzig keine Flanke und keinen Torschuss in 90 Minuten verzeichnete. Der Marokkaner trifft momentan oft die falsche Entscheidung, trennt sich zu spät vom Ball und übertreibt die Dribblings.


Bei Alexander Nübel ist offenbar das Nervenkostüm angeknackst. Wenn er in der Hinrunde mal einen Fehler machte, präsentierte er sich danach im weiteren Spielverlauf nervenstark. Doch gegen Leipzig verschuldete er nicht nur das frühe 0:1, sondern patzte auch noch in weiteren Situationen. Hier ist Wagner als Psychologe gefragt. Gerade auf der Torhüterposition brauchen die Königsblauen Stabilität.

Baustelle Standardschwäche: Ecken und Freistöße der Königsblauen bringen das Tor des Gegners in dieser Saison viel zu selten in Gefahr. Das mag zuletzt auch daran gelegen haben, dass mit Daniel Caligiuri ein wichtiger Flankengeber verletzt ausfiel. Doch womöglich gibt es Hoffnung, dass der Routinier wie in der Vorsaison nach einer Verletzung schneller zurückkehrt als erwartet.

Gegenüber „Sky“ sagte der 32-Jährige zu seinem Comebackaussichten: „Bisher ist es ein guter Heilungsprozess. Ich schließe es nicht aus, bis zum Derby am 14. März wieder fit zu sein. Ich habe ein gutes Heilfleisch. Als Fußballer hat man Ziele, aber man muss vorsichtig sein“.

13 Gegentore nach ruhenden Bällen

Umgekehrt macht sich Schalkes Standardschwäche auch in der Defensive bemerkbar. Das 0:3 des Leipziger Linksverteidigers Marcel Halstenberg war das 13. Standard-Gegentor für die Blau-Weißen in dieser Saison. Bei 32 Gegentoren insgesamt kassierte Schalke somit fast die Hälfte seiner Gegentreffer nach ruhenden Bällen. Bei dieser Statistik macht sich auch bemerkbar, dass mit Salif Sané ein wichtiger Abwehrspieler schon seit Monaten verletzungsbedingt nicht zur Verfügung steht.

Baustelle Spielstil: David Wagner hat bei seinem Amtsantritt keinen Hehl daraus gemacht, dass er ein Verfechter einer offensiven und angriffslustigen Spielweise ist. „Es ist auf jeden Fall angebracht, Fußball zu spielen, der die Leute wieder anspricht“, so der 48-Jährige bei seiner Vorstellung. Dies gelang in den meisten Spielen der Hinrunde und auch zum Rückrundenstart auf beeindruckende Weise beim 2:0-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach.

Doch mittlerweile fehlen den Schalker Auftritten die Dynamik, die Überraschungsmomente und das Durchsetzungsvermögen. Das aggressive Anlaufen, das Wagner bevorzugt, wird hauptsächlich nur noch von Stürmer Benito Raman bevorzugt.

Es gibt also viel zu tun in dieser Trainingswoche, die am Dienstag mit zwei Einheiten vor der nächsten Aufgabe am Samstagabend in Köln beginnt.

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