Schalke-Trainer Manuel Baum: „Es ist zum Kotzen“

Schalke 04

Die Schalker Lage in der Bundesliga wird immer dramatischer. Trainer Manuel Baum und Sportvorstand Jochen Schneider waren nach dem 0:3 gegen Leverkusen mächtig angefressen.

Gelsenkirchen

, 06.12.2020, 21:09 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bitter enttäuscht: Benito Raman nach dem 0:3 gegen Leverkusen.

Bitter enttäuscht: Benito Raman nach dem 0:3 gegen Leverkusen. © dpa

„Es ist zum Kotzen. Ich bin stinksauer, dass wir aus so einem Spiel nicht mehr herausziehen. Wir rennen 120 Kilometer, sprinten mehr als die intensivste Mannschaft in der Bundesliga. Doch wir bekommen zwei Standardtore, verlieren beim dritten Treffer den Ball und machen selbst unsere Dinger nicht rein,“ schimpfte Baum.

Und Sportvorstand Jochen Schneider sagte zum Leverkusener Führungstreffer: „Mir schreiben vier Verantwortliche von anderen Vereinen, dass es eine Frechheit war, dieses Tor zu geben“, schimpfte der 50-Jährige über die Schiedsrichterentscheidung.

Sein erster Gedanke beim Aufstehen am Morgen, so bekannte Schalkes Jahrhundert-Trainer Huub Stevens vor dem Spiel im vereinseigenen Arena-TV, würde dem FC Schalke 04 gelten. Es sei, so Stevens, im Moment ein eher böses Erwachen: „Weil ich sehe, dass wir da unten drin sind. Aber wir müssen unbedingt wieder da raus.“ Diesem Bekenntnis folgend werden die nächsten Morgenstunden für den Niederländer nicht fröhlicher: Denn Schalke verlor auch gegen Bayer Leverkusen und steckt tiefer im Keller fest denn je. Nach dem 0:3 (0:1) gegen Bayer ist Schalke nun seit 26 Bundesliga-Spielen ohne Sieg.

Langers ordentliches Debüt

Die vorher fraglichen Bastian Oczipka und Ozan Kabak standen Schalkes Trainer Manuel Baum zwar wieder zur Verfügung, dafür musste sich Matija Nastasic wegen eines Magen-Darm-Infekts abmelden. Und im Schalker Tor stand tatsächlich erstmals Michael Langer als Vertreter für die verletzten Frederik Rönnow und Ralf Fährmann – der 35-jährige Österreicher kam zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz seit 5020 Tagen. Sein bislang einziges Erstliga-Spiel hatte er 2007 für den VfB Stuttgart bestritten: 0:0 gegen Wolfsburg.

Dass er diesmal nicht ohne Gegentor bleiben würde, stand für Langer schon nach zehn Minuten fest: Nach einer Ecke von Bailey landete der Ball im Schalker Tor. Dahin hatte ihn mit Malick Thiaw ein Königsblauer selbst befördert – da Thiaw vom Leverkusener Aleksandar Dragovic hart bedrängt worden war, hofften Schalkes Spieler auf einen Freistoß-Pfiff. Aber sowohl Schiedsrichter Benjamin Cortus als auch Video-Assistent Sven Waschitzki empfanden den Körperkontakt von Dragovic offenbar noch im Rahmen der sportlichen Legalität. Das Tor zählte also – passend zur Schalker Lage blieb nur noch die Erkenntnis, dass andere Schiedsrichter hier vielleicht auf Foul entschieden hätten.

Pleiten, Pech und Pannen

Verdient war die Gäste-Führung allemal. Leverkusen, ebenfalls stark ersatzgeschwächt (wegen eines positiven Corona-Tests musste auch Kerem Demirbay passen), hatte wie erwartet die deutlich bessere Spielanlage. Schalke ließ zwar die eine oder andere gute Kontergelegenheit liegen, ansonsten machte die Mannschaft von Peter Bosz das Spiel. Noch etwas müde zwar vom Europa-League-Auftritt in Nizza am Donnerstagabend, aber alleine schon dadurch motiviert, durch einen Sieg auf Tabellenplatz zwei springen zu können.

Das Spiel glich wie schon so einigen Schalker Auftritten in dieser Saison: Das Bemühen war der Mannschaft nicht abzusprechen, aber es setzte sich zunehmend der Eindruck durch, dass das Team von Manuel Baum dann nur noch wenig entgegenzusetzen hat, wenn eine gestandene Bundesliga-Mannschaft Fahrt aufnimmt. Bayer hatte bis zum Seitenwechsel noch einige gute Chancen, scheiterte aber entweder am gut reagierenden Langer oder an der eigenen Verspieltheit.

Transparente gegen Jobst

Die zweite Hälfte war dann ein Spiegelbild der bisherigen Schalker Saison: Mit neuem Mut kam das Schlusslicht aus der Kabine, zeigte aber beispielsweise bei einem Schuss von Benito Raman übers Tor altbekannte Abschluss-Schwächen. In der 68. Minute gab es dann wieder ein Standard-Gegentor, wieder nach einer Ecke von Bailey. Das Kopfball-Duell, das der eingewechselte Matthew Hoppe dann gegen den Leverkusener 0:2-Torschützen Julian Baumgartlinger verlor, dokumentierte deutlich den Unterschied zwischen einem Tabellenletzten und dem neuen Zweitplatzierten.

Weiter ging es mit Pleiten, Pech und Pannen: Nach einem Foul von Daley Sinkgraven an Suat Serdar gab es Elfmeter für Schalke (70.). Mit dem scheiterte zunächst Steven Skrzybski an Bayer-Keeper Lukas Hradecky, der auch den anschließenden Kopfball von Raman parierte. Spätestens jetzt war klar, dass auch an diesem Spieltag alles gegen Schalke laufen würde. Das 0:3 durch Patrik Schick war für diese nicht gewagte Prognose der letzte Beweis.

Luft wird immer dünner

Schalke droht nun sogar den Anschluss an die direkten Keller-Konkurrenten zu verlieren. Hoffnung macht einzig und allein der Spielplan. Noch stehen die Aufgaben gegen Freiburg, Bielefeld und Köln auf dem Programm, am Sonntag geht es nach Augsburg. Die Luft im Tabellenkeller wird jedenfalls immer dünner.

Und die Baustellen außerhalb des Rasens, die ja dort schon groß genug sind, werden auch nicht kleiner. Vor dem Spiel hatten die Schalker Ultras ein Transparent an der Arena platziert, auf dem zwischen den Zeilen der Rücktritt des umstrittenen Marketing-Vorstandes Alexander Jobst gefordert wurde.

Nicht nur Huub Stevens wird sich in Sachen Schalke also wohl noch ein Weilchen mit einem bösen Erwachen abfinden müssen.

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