Schalke winkt neuer Geldregen

Nach 1:1 in Valencia

Es war 0.36 Uhr, als der lange Abend von Aragon seinen vorläufigen Höhepunkt erlebte. Zwei Stunden nach dem Abpfiff des Hinspiels im Achtelfinale der Champions League zwischen dem FC Valencia und dem FC Schalke und eine Stunde, nachdem seine Mannschaftskollegen schon längst im Bus zum Hotel fuhren, hatte Raúl endlich fertig.

VALENCIA

von Von Heiko Buschmann

, 16.02.2011, 17:04 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mit diesem Schuss sorgte Raúl (l.) für den Schalker Ausgleich in Valencia und eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel.

Mit diesem Schuss sorgte Raúl (l.) für den Schalker Ausgleich in Valencia und eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel.

Er wollte kein großes Aufheben um seine Person machen, Raúl ist schließlich ein Teamplayer, auch wenn die Hysterie um ihn bei seiner Rückkehr nach Spanien Popstar-Züge annahm. Überall, wo er auftauchte, am Flughafen, im Hotel oder bei der Ankunft am Stadion, riefen sie den Namen des berühmten Torjägers.   „Der Rummel um meine Person ist mir gar nicht so lieb, denn mir ist das Spiel wichtiger. Ich will die 90 Minuten auf dem Platz genießen, nicht das ganze Drumherum“, erklärte Raúl. Es war eine kurze Explosion, in der er seine Emotionen nicht verbergen konnte. Die 64. Minute, eine perfekte Ballannahme nach dem Pass von Jurado, eine kurze Drehung und rechts unten aus seiner Sicht flog der Ball ins Netz des ansonsten guten Valencia-Keepers Vicente Guaita.

Es war sein nun schon 69. Treffer in der Champions League, Milans Filipo Inzaghi wird ihm Platz eins der Torjägerliste in der europäischen Königsklasse nicht mehr streitig machen.   „Der Rekord in der Champions League macht mich froh, das ist schon eine besondere Auszeichnung“, gab Raúl zu. „Ich freue mich besonders, dass ihm das Tor gelungen ist. Er ist so etwas wie die schwarze Bestie, das Schreckgespenst von Valencia, denn er hat gegen den Klub schon 17 Mal getroffen“, betonte sein Landsmann Jurado.

Der Ausgleich nach der frühen Führung durch Saldado ist für Schalke nichts weniger als das große Los zum nächsten dicken Jackpot im Prämientopf der UEFA. Denn wenn es im Rückspiel am 9. März in Gelsenkirchen um den Einzug ins Viertelfinale geht, warten weitere etwa acht Millionen Euro auf die Königsblauen. Und Felix Magath würde dann wahrscheinlich bald so viele Freunde haben, wie sie selbst ins größte Fußballstadien der Welt passen würden. Nach dem nahezu Wunschergebnis beim Tabellendritten der Primera Division drückten erneut abertausende User den „Gefällt-mir“-Button auf der Facebook-Seite des Schalker Trainers.  

„Wir haben eine sehr gute Leistung gezeigt und besitzen eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel“, erklärte Magath. Mit dem ersten Bundesliga-Heimdreier des Jahres am letzten Samstag gegen Freiburg und nun dem 1:1 in Valencia hat der 57-Jährige vorerst seine Kritiker verstummen lassen. Noch hat seine Mannschaft in allen drei angetretenen Wettbewerben die Möglichkeit, die gesteckten Saisonziele zu erreichen. Der Einzug in die lukrative Runde der letzten Acht in der europäischen Königsklasse ist dabei seit Dienstag wahrscheinlicher als das Überleben im DFB-Pokal und die Aufholjagd in der Bundesliga, an deren Ende noch Platz fünf stehen soll.

Nicht nur Raúl und Peer Kluge, die über eine Stunde für ihren Becher Urin für die Dopingprobe benötigten, sondern auch José Manuel Jurado verpasste am späten Dienstagabend die Abfahrt des Mannschaftsbusses vom Stadion Mestalla. Als der Spanier noch mit spanischen Journalisten plauderte, machte ihm Co-Trainer Seppo Eichkorn mit einem zackigen „Vamos“ klar, dass es jetzt Zeit zu gehen wäre. Jurado erzählte weiter und musste nachher mit dem Taxi zum Teamhotel.

Jefferson Farfan war mit dem 1:1 zufrieden, hätte sich aber nicht beschwert, wenn es in der Nachspielzeit sogar noch besser ausgegangen wäre: „Am Ende hatten wir sogar noch die Chance durch Hao, das Spiel zu gewinnen“, nickte der Peruaner. „Aber auch das 1:1 ist ein gutes Ergebnis.“ Lukas Schmitz konnte es nicht fassen, dass er kurz vor Schluss mit der Gelb-Roten Karte vom Platz folg und daher im Rückspiel in drei Wochen zusehen muss. „Der Schiedsrichter hat mich wegen Ballwegschlagens des Feldes verwiesen“, erklärte Schmitz staunend.  

„Die Entscheidung kann ich nicht so ganz verstehen, denn ich habe den Ball nicht weg gedroschen, sondern aus der Bewegung heraus nur einige Meter weiter gespielt.“ Bis auf Schmitz ist kein weiterer Schalker Spieler für das Rückspiel gesperrt. Auch Manuel Neuer wunderte sich über die strenge Kartenpolitik des russischen Schiedsrichters Aleksei Nikolaev. „Das war gar nichts, der Ball war ja aus dem Spiel“, winkte der S04-Keeper mit Blick auf seine Verwarnung ab.

  • Ein S04-Fan ist am Mittwoch von einem Gericht in Valencia zu einem Jahr Haft verurteilt worden, nachdem er randaliert und spanische Sicherheitskräfte angegriffen hatte. Ein zweiter beteiligter Fan wurde zu vier Monaten Haft verurteilt. Gegen einen Dritten wird noch ermittelt.
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