Im dritten Teil unserer Serie über die schwierige Finanzlage des FC Schalke 04 geht es diesmal um die Beraterhonorare, die die Königsblauen in den vergangenen fünf Jahren gezahlt haben.

Gelsenkirchen

, 21.04.2020, 17:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist ein Thema, um das alle Bundesligisten am liebsten einen großen Borgen machen würden. Es ist ja auch schwer nachzuvollziehen, warum ein Bundesligaverein bei Transferverhandlungen nicht nur bei den Spielern horrende Summen aufrufen muss, um den betreffenden Kicker verpflichten zu können, sondern auch noch dessen Berater meistens fürstlich entlohnen muss.


Deshalb sind die Klubführungen in der Vergangenheit bei diesem Thema noch zugeknöpfter als bei anderen Sachverhalten. Oft nur hinter vorgehaltener Hand wird gelästert über die steigenden Honorare und die Praktiken der Berater. Einige sprechen von „Syndikaten“, die die Spieler nur dorthin transferieren wollten, wo es das höchste Honorar gebe. In England sprach Harry Redknapp als damaliger Trainer der Queens Park Rangers vor einiger Zeit sogar von einem „Bandenkrieg“.

Zwischen 15 und 16 Millionen Euro



Lagen die Honorare der Berater lange im Dunkeln, sind sie seit dem 1. April 2015 aufgrund neuer Vorschriften des Fußball-Weltverbandes FIFA veröffentlichungspflichtig. Als dies das erste Mal für den Zeitraum zwischen dem 15. März 2015 und 15. März 2016 geschah, wurde der FC Schalke 04 prompt vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“ als „Liebling aller Spielervermittler“ bezeichnet.



Der Grund: Die Königsblauen hatten in diesem Zeitraum mehr Geld an Berater gezahlt als jeder andere Klub in Deutschland. Mit 16,86 Millionen Euro hatten die Schalker mehr Geld an Spielervermittler überwiesen als Finanzkrösus FC Bayern München (16,663 Millionen).

Michael Reschke führt Gespräche


Diese „Spitzenposition“ hat Schalke in den nachfolgenden Jahren zwar abgegeben. Nur zum Vergleich: Borussia Dortmund zahlte in der Saison 2018/2019 nicht weniger als 40,9 Millionen Euro an Berater. Aber auch die von Schalke in den letzten Jahren durchschnittlich gezahlten 15 bis 16 Millionen Euro an Spielervermittler-Provisionen liegen im oberen Drittel aller Bundesligisten. Und führen dazu, dass diese Summen ein Faktor bei Schalkes schwieriger Finanzlage sind.



Deshalb verwundert es nicht, dass die in der Führungsspitze diskutierten Sparpläne auch die Berater der Kicker betreffen sollen. Finanzvorstand Peter Peters kündigte in der Diskussion mit den Schalker Fans auf der Facebook-Seite des Vereins kürzlich Gespräche mit den Beratern an. Laut „Bild“ soll Kaderplaner Michael Reschke bei den Spielervertretern bereits um eine teilweise Rückzahlung der Honorare zumindest für den Monat März gebeten haben.

Tendenz bei Provisionen steigend

Die Summen, die die Berater mittlerweile kassieren, sind extrem gestiegen. Gaben die Erstligisten in der Saison 2015/2016 insgesamt 127,73 Millionen Euro für Spielervermittler aus, waren es in der vergangenen Spielzeit schon rund 200 Millionen Euro – Tendenz weiter steigend.


Ob die Einschätzung von Peter Peters sich erfüllt, dass Transfersummen, Spielergehälter und Beraterhonorare nach der Corona-Krise eine gewisse Erdung erfahren werden, wird man abwarten müssen. Auch die Berater werden sich auf neue Gegebenheiten einstellen müssen.

Reschke hat im „Kicker“ in einem Gastbeitrag bereits prophezeit: „Der Transfermarkt wird sich in den nächsten beiden Jahren gravierend verändern. Dies betrifft nicht nur sinkende Transfersummen, reduzierte Spielergehälter und eine neue Ausrichtung bei den Beraterhonoraren.“

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