Mit der Reihe „90 Minuten - die Ü55-Edition“ will Schalke vor allem ältere Fans ansprechen und wagt einen Blick zurück in die Geschichte: Aufs Pokalspiel gegen Köln im Jahr 1972.

Gelsenkirchen

, 30.10.2018, 12:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pokal-Helden? Von wegen. Erwin Kremers sagt, wie es wirklich war: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie dick der Ausredenkatalog war, der damals erfunden wurde. Vom steifen Bein bis zum Darmverschluss war alles dabei...“

„Damals“ ist der 10. Juni 1972. Ein Tag, der in die Schalker Vereinsgeschichte eingeht, weil es im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den 1. FC Köln in der Glückauf-Kampfbahn ein legendäres Elfmeterschießen gibt. 46 Jahre später sitzen Klaus Fischer (68), Erwin und Helmut Kremers (beide 69) auf einer Empore im Schalke-Museum in der Veltins-Arena und nehmen 50 Besucher mit auf eine Zeitreise. Der Termin ist gut gewählt: Am Mittwoch trifft Schalke im Pokal wieder auf den „Geißbock“ – diesmal in Köln.

Nach dem Hinspiel war Schalke so gut wie ausgeschieden

„90 Minuten – die Ü55-Edition“ heißt die Veranstaltung von „Schalke hilft“ und der Abteilung Fan-Belange – die Königsblauen wollen sich mit dieser Reihe verstärkt auch den „älteren Semestern“ widmen.

Könnte es dabei bessere Protagonisten geben als drei Pokal-Helden von damals? Fischer und die Kremers-Zwillinge waren mittendrin, als Geschichte geschrieben wurde. Nach dem Kölner 4:1-Hinspielsieg war Schalke schon so gut wie draußen. Doch im Rückspiel erlebten Overath und Co. ihr blaues Wunder: Nach 90 Minuten stand es 5:2 für Schalke. Verlängerung, Elfmeterschießen.

Norbert Nigbur will nicht von Zufall sprechen

Insgesamt gibt es inklusive Elfer-Schießen in der Partie 21 (!) Elfmeter. Das zerrt an den Nerven, Erwin Kremers hat die diversen Befindlichkeiten der Kollegen in der finalen Phase dieser Wahnsinns-Partie bereits beschrieben. Kaum einer meldet sich „freiwillig“. Helmut Kremers hat offenbar Nerven aus Stahl, verwandelt inklusive regulärer Spielzeit gleich drei Elfmeter. Norbert Nigbur macht sich in diesem Spiel unsterblich: Er hält drei Elfmeter, verwandelt einen selbst. Zufall?

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Nein, sagt Nigbur, der beim Pokal-Abend im Museum nicht dabei ist. „Ich habe mir immer die Schuss-Bewegung des Schützen angeschaut. Und oft hat das wirklich geklappt“, verriet Schalkes „Elfmeter-Töter“ dieser Zeitung zu seinem 70. Geburtstag im Mai dieses Jahres.

Schalke gewinnt den Pokal schließlich durch einen 5:0-Endspielsieg gegen Kaiserslautern, die 72-er Mannschaft ist bis heute unvergessen. Als bekannt gegeben wird, wer bei der Ü55-Auftaktveranstaltung aus dem Nähkästchen plaudern wird, kann schon nach wenigen Stunden „ausverkauft“ vermeldet werden.

Helmut Kremers macht der aktuellen Truppe Mut

Fischer und die Kremers-Zwillinge erzählen ihre Anekdoten, als hätten sie den Pokal gestern gewonnen, spielen den verbalen Doppelpass so unverkrampft wie früher den mit dem Lederball. Dass sie mit der aktuellen Schalker Mannschaft ein wenig hadern, versteht sich von selbst, aber Helmut Kremers macht Mut: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schalke am Mittwoch in Köln verliert. Köln ist mit der Truppe von damals absolut nicht zu vergleichen.“ Soll wohl heißen: Schalke irgendwie auch nicht...

Als die Zuschauer sich nach der Talk-Runde mit einer Replik des DFB-Pokals fotografieren lassen können, zeigen die Ex-Profis beinahe beiläufig ihr königsblaues Herz. Erwin Kremers berichtet, dass er gerade von einer Operation ins Museum geeilt ist, Klaus Fischer muss sich am Folgetag einem Eingriff am Ohr unterziehen. Kneifen galt trotzdem nicht.



Also doch Pokal-Helden.

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