So viel Heidel steckt noch im Schalker Kader

Schalke 04

Wenn über Schalkes letzte Saison gesprochen wird, fällt schnell der Name Christian Heidel. Er gilt bei vielen Fans als einer der Hauptschuldigen für die negative Entwicklung. Stimmt das?

Gelsenkirchen

, 03.09.2019, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
So viel Heidel steckt noch im Schalker Kader

Suat Serdar wird eine Führungsrolle zugetraut. © dpa

Wer die Schalker Aufstellungen in den ersten drei Bundesligaspielen intensiv analysiert, kommt zu einem differenzierteren Urteil über die Einkaufspolitik des ehemaligen Schalker Managers. Beim Saisonstart in Mönchengladbach standen nicht weniger als sieben Spieler in der Schalker Startelf, die Heidel geholt beziehungsweise mit einem Profivertrag ausgestattet hat. Das sind Benjamin Stambouli, Bastian Oczipka, Weston McKennie, Omar Mascarell, Daniel Caligiuri, Amine Harit und Guido Burgstaller.


Dieses Septett bot allerdings aus den unterschiedlichsten Gründen nicht durchweg die Leistungen, die Schalke sich erhofft hatte. Amine Harit zeigte zwar in seinem ersten Jahr starke Auftritte, doch danach sackte seine Leistungskurve rapide ab. Ein Unfall mit Todesfolge in seiner Heimat Marokko, an dem er beteiligt war, sowie private Schwierigkeiten sorgten dafür, dass Harit in seinem zweiten Schalke-Jahr stark enttäuschte. Nun scheint er wieder Fuß zu fassen.


Stambouli eine stabile Größe


Bereits in der Vorbereitung präsentierte sich der offensive Mittelfeldspieler sehr engagiert. Auf seiner Position als Zehner scheint er sich sehr wohlzufühlen. Und wie er Schalkes 2:0 gegen die Hertha per Hacke vorbereitete, war äußerst sehenswert.



Auch eine weitere Heidel-Verpflichtung, Benjamin Stambouli, hatte erhebliche Startprobleme. Doch der Franzose ließ sich nicht entmutigen. Er hat sich nicht nur auf dem Platz zu einer stabilen Größe entwickelt, sondern nimmt auch eine Führungsrolle innerhalb des Kaders ein. Nicht wenige Schalke-Fans hoffen, dass Stambouli seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag möglichst bald verlängert.

Stambouli hält sich bei diesem Thema sehr bedeckt. Aber er räumt immerhin ein, dass er sich auf Schalke sehr wohlfühlt.

Lob für Oczipka

Auch wenn Schalke mit dem spanischen Nachwuchstalent Juan Miranda für die linke Abwehrseite den Konkurrenzdruck für Bastian Oczipka erhöhte, stellte Sportvorstand Jochen Schneider klar: „Wir haben weiter volles Vertrauen zu Bastian. Er hat seine Sache gegen die Hertha gut gemacht“.



Kurzfristig muss Oczipka wohl nicht um seinen Platz auf der linken Außenbahn bangen, weil Miranda jetzt erst einmal bei der spanischen U21-Nationalmannschaft ist. Schneider: „Er ist ein großes Talent, aber jetzt geht es für ihn um Männerfußball. Wir werden ihm diese Zeit geben“.


Serdar mit Verletzungspech

Am zweiten Bundesliga-Spieltag, im Heimspiel gegen den FC Bayern München, vertraute Schalke-Trainer David Wagner exakt derselben Startformation wie in Mönchengladbach. Damit waren wieder sieben Spieler von Beginn an im Einsatz, die Heidel verpflichtet hatte.



Und gegen die Hertha? Waren es sogar acht Spieler in der Schalker Startelf, die Heidel geholt hatte. Neben den genannten Akteuren spielte Salif Sané für den kranken Matija Nastasic. Und später wurde auch noch Suat Serdar eingewechselt, den Heidel ebenfalls verpflichtet hatte und dem in Zukunft eine Führungsrolle bei den Königsblauen zugetraut wird. Bisher wurde Serdar durch kleinere Verletzungen immer wieder ausgebremst.


Kein böses Wort über Heidel



Diese Betrachtung zeigt, dass noch viel Heidel im Schalker Kader steckt. Übersehen werden sollte in diesem Zusammenhang jedoch auch nicht, dass einige Transfers des 56-Jährigen floppten und Schalke große finanzielle Nachteile brachten. Man denke nur an Breel Embolo, Sebastian Rudy oder Nabil Bentaleb, der wegen einer erneuten Operation nun weiterhin auf der Schalker Gehaltsliste steht und für neue innerbetriebliche Spannungen sorgen könnte, wenn er wieder fit ist. Sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2021.



Heidel-Nachfolger Jochen Schneider, der öffentlich nie ein böses Wort über die Arbeit seines Vorgängers verliert, ist mit der Transferperiode in diesem Sommer „nicht unzufrieden“, wie er bereits am Samstagabend nach dem Heimsieg gegen Hertha BSC bilanzierte.



Schneider „nicht unzufrieden“


Doch der 48-Jährige räumte gleichzeitig auch ein, dass er den Grad der Zufriedenheit nicht mehr erreichen werde. Seine Prognose ging – sicherlich zu seinem Leidwesen – in Erfüllung. Bentaleb bleibt Schalke erhalten und die angestrebte Verpflichtung eines Stürmers ließ sich nicht realisieren. Bei den ausgeliehen Spielern wie zum Beispiel Hamza Mendyl muss Schneider hoffen, dass sie in neuer Umgebung besser funktionieren als bei den Königsblauen. Sonst droht im Sommer wieder ein aufgeblähter Kader.


Christian Heidel wird aus der Ferne die Schalker Entwicklung sicherlich weiter mit Interesse verfolgen. Und ganz besonders genau hinschauen, wie sich die Spieler weiter entwickeln, die er für die Blau-Weißen verpflichtete.