Sollten die Schalker Profis ausgegliedert werden?

Fragen und Antworten

Nicht nur die sportliche Situation "ihres" FC Schalke 04 macht vielen Fans momentan Sorgen. Auch die Diskussion um Alternativen zur Rechtsform des eingetragenen Vereins provoziert hitzige Debatten. Dabei ist es vor allem der Einfluss von Investoren, der die Ängste vieler Fußballfans schürt. Wir klären die wichtigsten Fragen.

GELSENKIRCHEN

01.05.2015, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sollten die Schalker Profis ausgegliedert werden?

Behalten die Schalker Mitglieder die Hoheit über ihren Verein, oder öffnet sich Schalke 04 durch eine Ausgliederung der Profiabteilung für Investoren von außen?

Warum gibt es auf Schalke Gedankenspiele, die Rechtsform des Vereins zu verändern? Die Vereinskultur hat sich in der Bundesliga überwiegend zur Kapitalstruktur gewandelt. Bis auf fünf Vereine – SC Freiburg, FSV Mainz 05, SC Paderborn, VfB Stuttgart und Schalke – haben alle Klubs inzwischen ihre Profibereiche ausgegliedert. Auf Schalke gibt es die Sorge, als eingetragener Verein schon bald nicht mehr über die Wettbewerbsfähigkeit zu verfügen, um eine gute Rolle in der Bundesliga spielen zu können und regelmäßig international vertreten zu sein. Klubs wie Wolfsburg, Leverkusen oder mittelfristig auch Leipzig drohen Schalke den Rang abzulaufen, weil sie über erhebliche finanzielle Ressourcen verfügen, die Schalke als eingetragener Verein nicht generieren kann.

Was sind die Vorteile einer Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft? Es ist die einzige Möglichkeit, Eigenkapital statt Fremdkapital zu generieren. Bei der Eigenkapitalfinanzierung werden zwar die Geldgeber über Dividenden oder Zinsen an den Erträgen beteiligt, aber der enorme wirtschaftliche Vorteil etwa beim FC Bayern oder Dortmund ist, dass die Gelder, die ein Investor, strategischer Partner oder Aktionär gibt, nicht zurückgezahlt werden müssen. Bei einer Fremdfinanzierung müssen die Schulden zurückgezahlt werden.

Was sind die Nachteile? Der Nachteil einer Eigenkapitalfinanzierung ist, dass der Geldgeber Einfluss nehmen möchte, weil er ja auch haftet. Es handelt sich um Risikokapital, der Investor kann im Worst Case sein Geld verlieren, also will er mitsprechen. Diese Einflussnahme kann reibungslos ablaufen wie in München oder in Dortmund. An anderer Stelle besteht dagegen die Gefahr, dass dies nicht seriös geschieht. Zwar verhindert die 50+1-Regel, dass ein Investor das alleinige Sagen hat, aber auch mit zehn, 20 oder 30 Prozent Mitsprachebeteiligung kann man Schaden anrichten. Wie zum Beispiel bei Zweitligist 1860 München, wo sich Investor Hassan Ismaik ständig in sportliche Entscheidungsprozesse einmischt und damit für erhebliche Unruhe sorgt.

Hat die Ausgliederung einer Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft negative Folgen für Tradition und Identität eines Vereins? Schalkes Finanzchef Peter Peters glaubt das nicht. Borussia Mönchengladbach etwa habe den Übergang in die neue Rechtsform ohne nennenswerte Reibungsverluste geschafft. Umgekehrt sei die Vereinsform kein Schutz vor dem ungezügelten Einfluss von Investoren. "Für RB Leipzig ist es die meiste Zeit als eingetragener Verein nach oben gegangen", sagte Peters kürzlich auf einer Podiumsdiskussion in Darmstadt.

Wie kann eine Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung aussehen? Es gibt viele Modelle, am häufigsten wird die GmbH gewählt. Borussia Dortmund machte Schlagzeilen mit der Gründung einer Kommanditgesellschaft auf Aktien und ist bis heute der einzige deutsche börsennotierte Fußballverein, Bayern München ist eine Aktiengesellschaft und hat Anteile an „strategische Partner“ verkauft.

Gibt es Empfehlungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)? Nein, zumindest nicht hinsichtlich einer bestimmten Rechtsform. Die Möglichkeit, sich als e.V. zu organisieren, steht gleichberechtigt neben der Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft. Wichtig ist den Verbänden: Der Mutterverein muss – mit der Mitgliederversammlung als wichtigstem Entscheidungsgremium – immer das Sagen behalten.

Welche Rechtsformen bieten sich für eine Ausgliederung an? Es bieten sich drei Kapitalgesellschaften als Ausgliederungsgesellschaften an: 1. die GmbH, 2. die Aktiengesellschaft und 3. die GmbH & Co. KGaA. Welche Rechtsform dabei die Richtige ist, muss jeder Verein für sich entscheiden. Die Wahl der Gesellschaftsform hängt von den jeweiligen Bedürfnissen und Ansprüchen ab.

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