Thilo Kehrer: Das 4:4 war ein besonderer Moment

Verteidiger im Interview

Thilo Kehrer ist einer der Gewinner der Hinrunde: In der Vorsaison wurde der 21-Jährige noch eher sporadisch eingesetzt, mittlerweile hat er sich in der Schalker Innenverteidigung festgespielt. Im Trainingslager in Benidorm sprach er über seine Spielweise, über seine Ziele - und das Revierderby.

Benidorm

, 10.01.2018, 07:22 Uhr / Lesedauer: 5 min
Thilo Kehrer: Das 4:4 war ein besonderer Moment

Thilo Kehrer (l.) nimmt eine wichtigere Rolle in der Schalker Mannschaft ein als noch in der vergangenen Saison. Er selbst sagt dazu: „Gemeinsam mit der Mannschaft bin auch ich gewachsen.“ © dpa

Im Sommertrainingslager in Mittersill vor der Saison haben wir zuletzt miteinander gesprochen: Da haben Sie sich zum Ziel gesetzt, mehr Spielzeit zu bekommen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Wie fällt jetzt, nach der Vorrunde, Ihre Bilanz aus?
Ich habe die Spielzeit bekommen, die ich mir erhofft habe - und ich glaube, dass ich mir die auch verdient habe. Gemeinsam mit der Mannschaft bin ich auch gewachsen. Es freut mich natürlich, dass mir der Trainer das Vertrauen schenkt. Insofern bin ich mit der Hinrunde sehr zufrieden und würde gern in der Rückrunde daran anknüpfen.


Wo haben Sie sich am meisten verbessert?
In allen Bereichen. Ich habe mehr Erfahrung gewonnen und auch mehr Ruhe im Spiel. Als Mannschaft haben wir es geschafft, mehr Ballbesitz und auch mehr Ballsicherheit zu erlangen und uns besser zu organisieren.

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Gab es in der Hinrunde einen besonderen Moment?
Jeder würde sagen, dass das 4:4 im Derby ein besonderer Moment war. Das hat uns allen einen Schub gegeben und uns als Mannschaft noch einmal mehr zusammengeschweißt.


Allerdings haben Sie im Derby nur eine Halbzeit lang dabei: Um ein Haar hätten Sie die Gelb-Rote Karte gesehen, zur Pause hat Domenico Tedesco Sie ausgewechselt. Konnten Sie das nachvollziehen?
Na klar. Der Trainer hat mir gesagt, dass er es nicht riskieren kann, dass ich vom Platz gestellt werde. Der Schiedsrichter hat ihn darauf hingewiesen, dass ich beim nächsten taktischen oder schweren Foul Gelb-Rot sehen würde - deswegen war das für mich auch verständlich. Auch, wenn man natürlich immer noch der Mannschaft helfen möchte.


Wie haben Sie das Spiel erlebt?
In der ersten Halbzeit sind einfach eine Menge Dinge gegen uns gelaufen - auch, wenn wir nicht unbedingt ein schlechtes Spiel gemacht haben. Trotzdem hatten wir immer noch den Glauben in uns, dass wir die zweite Halbzeit positiv gestalten können.


Da stand es 4:0 für den BVB. Ab welchem Zeitpunkt hatten Sie das Gefühl, dass da doch noch was gehen kann?
Schon Ende der ersten Halbzeit haben wir gemerkt, dass wir besser ins Spiel kommen und auch ein paar Chancen hatten. In der zweiten Hälfte hat man schnell gesehen, dass wir das Spiel bestimmt haben und das von Dortmund immer weniger kam. Nach dem zweiten Tor für uns haben wir dann alle geahnt, dass hier noch was drin ist.


Sie spielen häufig robust, manchmal auch an der Grenze zur Gelben Karte. Hat der Trainer Ihnen so etwas wie einen „Freibrief zum Grätschen“ gegeben?
Das muss er gar nicht. Grundsätzlich wollen wir immer dem Gegner wenig Gelegenheit zum Kontern geben. Natürlich lassen sich solche Situationen aber nicht ganz verhindern. Und wenn es dazu kommt, muss man eben entscheiden, was in dem Moment die beste Option für das Team ist.


Ihre Lieblingsposition sei auf der Sechs, haben Sie einmal gesagt. Eingesetzt werden Sie aber in der Regel in der Dreier-Abwehrkette. Sind Sie damit einverstanden?
Das ist absolut okay. Ich fühle mich da wohl und spiele da auch sehr gerne.


Hilft es, wenn man einen Naldo neben sich hat?
Das ist sehr wichtig. Mit seiner Erfahrung und Abgeklärtheit gibt er einem viel Sicherheit. Man weiß, dass er da ist, wenn man ihn braucht oder wenn man einmal einen Fehler macht.


Seit dieser Saison scheint generell der Mannschaftsgeist stark verbessert zu sein. Was ist passiert, und woran liegt das?
Sowohl der Mannschaft als auch dem ganzen Umfeld ist es gelungen, eine positive Stimmung zu erzeugen und ein Gefühl der Einheit zu schaffen. Alle wissen, dass jeder für den anderen da ist. Das sieht man auch an den Ergebnissen.

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Kommt das nur aus der Mannschaft heraus? Oder spielt der Trainer da auch eine Rolle?
Das kommt schon aus der Mannschaft heraus. Aber das Trainerteam hat daran auch einen großen Anteil und setzt immer mal wieder Nadelstiche. In der Hinrunde gab es zum Beispiel immer mal wieder Spiele oder Trainingseinheiten, mit denen der Trainer nicht einverstanden war. Das wurde dann offen und ehrlich angesprochen, auch in einem Ton, den jeder verstanden hat. Daraufhin haben wir uns dann immer alle selbst noch einmal kritisch hinterfragt. Das hilft natürlich auch noch einmal.


Gibt es Aktivitäten, die Sie als Mannschaft gemeinsam machen?
Ja, wir treffen uns regelmäßig, gehen essen und unternehmen etwas gemeinsam außerhalb von Trainingsplatz und Trainingsgelände.


Reden Sie da auch über Dinge wie etwa die Zukunft von Leon Goretzka?
Nein, gar nicht. Wir unterhalten uns über alles Mögliche, aber nicht darüber wie etwa die Vertragssituation beim anderen ist.


Sind Sie denn der Meinung, dass Leon Goretzka bleiben sollte?
Ich glaube, jeder wäre froh, wenn er bleiben würde - auch ich natürlich. Aber da kann man einfach nur abwarten und schauen, in welche Richtung das geht.

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Sie selbst haben noch einen Vertrag bis 2019. Ist daran gedacht, diesen vorzeitig zu verlängern?
Im Sommer gab es erste Gespräche - wir haben uns aber darauf geeinigt, dass bis dahin noch viel Zeit ist und wir erst einmal die Entwicklung abwarten wollen. Ich wollte mich auch zunächst auf die Mannschaft konzentrieren und meinen Teil dazu beitragen, dass wir uns weiterentwickeln.


Wo geht es für Schalke in dieser Saison noch hin?
Für uns ist alles möglich. Wir haben eine sehr gute Hinrunde gespielt, wir wissen aber auch, dass wir noch nicht am Ende sind und viel Luft nach oben haben. Wir tun alles dafür, um das Beste aus uns herauszuholen.