Was Domenico Tedesco von anderen Trainern unterscheidet

Erfolgscoach in aller Munde

Der Star ist der Trainer: Domenico Tedesco ist nach dem historischen Derby in Dortmund in aller Munde. Der 32-Jährige scheint sich von anderen Trainertypen zu unterscheiden. Zur Freude der Königsblauen, bei denen der Trainerposten ganz oft einem Himmelfahrtskommando glich. Doch was ist das Besondere am Deutsch-Italiener? Eine Charakterisierung.

GELSENKIRCHEN

, 28.11.2017, 07:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neugier, Demut und taktische Finesse: Domenico Tedesco überzeugt beim FC Schalke 04.

Neugier, Demut und taktische Finesse: Domenico Tedesco überzeugt beim FC Schalke 04. © dpa

Tedesco ist neugierig. Er will so viel wie möglich über Schalke erfahren. Deshalb informierte er sich schon vor seinem Amtsantritt genauestens über den Klub und seine bewegte Geschichte. Und dieses Interesse an seinem Arbeitgeber ist auch nach fünf Monaten noch vorhanden.

Lebendige Diskussion

In der Halbzeitpause beim Heimspiel gegen den Hamburger SV war zum Beispiel ein kurzes Video mit ihm beim sogenannten „Kabinengespräch“ mit Fans zu sehen. Dabei wurde deutlich, dass den 32-Jährigen die Fragen der Anhänger wirklich interessierten. Er hörte zu, fragte nach, es entwickelte sich eine lebendige Diskussion. Für Tedesco war dieses Gespräch kein lästiger PR-Termin. Er wollte bei dieser Gelegenheit erfahren, wie ein Teil der Fans denkt.

Das gilt auch für seine Einladung an einige Schalke-Legenden wie Olaf Thon, die Kremers-Zwillinge oder Klaus Fischer, die sich vor einigen Wochen zum Meinungsaustausch in der Arena trafen. Für Tedesco ist es wichtig, von solchen Personen mit langjähriger Schalke-Erfahrung noch mehr darüber zu erfahren, wie dieser Kultklub tickt. Selbst ein so kritischer Kopf wie Klaus Fischer soll nach diesem Treffen sehr beeindruckt gewesen sein, nachdem Tedesco über die Kaderzusammenstellung und seine Spielphilosophie gesprochen hatte.

Kein Oberlehrer

Auch ein gravierender Unterschied zu seinem Vorgänger Markus Weinzierl fällt ins Auge. Hatte Weinzierl bei seinem Amtsantritt damit geprahlt, „dass ich nicht scheitern werde, weil ich mich auf Schalke vorbereitet habe“, wäre so ein Satz aus dem Mund von Tedesco undenkbar. Der junge Trainer ist alles andere als ein Oberlehrer gegenüber der Öffentlichkeit. Im Gegenteil, unterlaufen ihm Fehleinschätzungen, gibt er sie auch öffentlich zu, wie zuletzt nach dem 4:4 in Dortmund. „Dass der BVB auf eine Dreierkette in der Abwehr setzte, war in meinem Matchplan nicht vorgesehen“, gab Tedesco selbstkritisch zu Protokoll.

Dass er jedoch im Laufe des Spiels die richtigen Personalentscheidungen traf und mit einer knienden Kabinenansprache seinen tief enttäuschten Spielern neuen Optimismus vermittelte, ist auch eine Qualität, die Tedesco charakterisiert. Dennoch bleibt der 32-Jährige bescheiden. Er habe nach dem 0:4-Halbzeitrückstand „niemals“ mehr an einen Punktgewinn geglaubt. Was beweist: Auch gute Trainer können sich irren. In dem Fall irrte sich Tedesco ganz sicher gerne.

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