Weißblaue Geschichten stoppen Königsblau: Schalke-Spiel abgesetzt

Schalke 04

Nach einem bizarren Verwirrspiel wurde das Schalker Pokalspiel gegen Schweinfurt abgesetzt. Türkgücü hatte beim Landgericht München I erfolgreich Einspruch eingelegt. Juristen sind am Ball.

Gelsenkirchen

, 11.09.2020, 21:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ja, was denn nun? Auch Schalke-Angreifer Mark Uth scheint sich über die „Weißblauen Geschichten“ aus Bayern mit der Spielabsetzung zu wundern.

Ja, was denn nun? Auch Schalke-Angreifer Mark Uth scheint sich über die „Weißblauen Geschichten“ aus Bayern mit der Spielabsetzung zu wundern. © dpa

Für die Homepage von Türkgücü München haben sich bis zum späten Freitag Nachmittag wahrscheinlich nicht allzu viele Fans des FC Schalke 04 interessiert. Wer trotzdem mal reinklickte, sah ein großes Foto mit dem herrlich aufpolierten DFB-Pokal als Motiv. Da konnte man die Nachtigall schon irgendwie trapsen hören...

Chaos bis zum Abend

Denn eigentlich wäre der ehrgeizige Drittliga-Aufsteiger gar nicht im DFB-Pokal vertreten gewesen. Stattdessen hatte der Bayerische Fußball-Verband Schweinfurt 05 ins Rennen geschickt – der Regionalligist sollte am Sonntag um 15.30 Uhr auf Schalke spielen. Weil die Franken ihr Heimrecht abgetreten hatten, war die Veltins-Arena der geplante Spielort.

Dann sorgte eine Mitteilung auf der Homepage von Türkgücü für ein in dieser Form wohl einmaliges Chaos. „Mit Beschluss vom 11. September 2020 hat das Landgericht München I entschieden: 1. Der Bayerische Fußball-Verband wird verpflichtet, die Meldung des 1. FC Schweinfurt 05 e.V. für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals 2020/2021 vom 6. September 2020 vorläufig zu widerrufen und stattdessen Türkgücü München für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals 2020/2021 vorläufig zu melden. 2. Der DFB wird verpflichtet, den Widerruf der Meldung des 1. FC Schweinfurt 05 e.V. und die Meldung von Türkgücü München vorläufig zuzulassen.“

Komplett überrumpelt

Im Klartext: Diesem vom Verein publizierten Gerichtsbeschluss zufolge wäre Türkgücü Schalkes Pokalgegner. Und nicht Schweinfurt. Von dieser Meldung, für die es lange nicht mal eine Bestätigung gab, wurden alle Beteiligten komplett überrumpelt. Hinter den Kulissen glühten die Smartphones und liefen die Telefondrähte heiß. Irgendetwas Offizielles mitzuteilen, wurde lange tunlichst vermieden.

Schneider sauer auf BFV

Erst am späten Abend wagte sich Schalke mit einem Statement aus der Deckung: „Die Spielleitung für den DFB-Pokal hat die Absetzung des Schalker Spiels gegen Schweinfurt mit Hinweis auf die noch nicht rechtskräftige Entscheidung des Landgerichts München I getroffen.“ Ab jetzt haben erst recht die Juristen das Wort.

Um die Meldung von Schweinfurt für den DFB-Pokal hatte es im Vorfeld schon Diskussionen gegeben. Türkgücu stieg als Regionalliga-Tabellenführer in die Dritte Liga auf. Da in der Regionalliga Bayern die Saison nach der Corona-Zwangspause allerdings fortgesetzt wird, ist Schweinfurt nun Tabellenführer. Und galt damit als beste Amateur-Mannschaft Bayerns und spielberechtigt für den DFB-Pokal. Dass der Bayerische Fußball-Verband das dann sogar per Satzungsänderung durchsetzte, empfand nicht nur Türkgücü als grobe Ungerechtigkeit. Denn eigentlich hatte sich ja Türkgücü das Spielrecht für die erste Pokal-Hauptrunde verdient.

Gegner, Ort und Termin unklar

Den Widerstand von Türkgücü hat der Verband offenbar komplett unterschätzt. Daher platzte dem sonst so besonnenen Jochen Schneider auch kurz der Kragen: „Es ist sehr ärgerlich, dass das Spiel ausfallen muss“, so Schalkes Sportvorstand. Seine deutliche Kritik richtet sich gegen den Bayerischen Fußball-Verband: „Man kann nur den Kopf schütteln über die Vorgehensweise des Bayerischen Verbandes, der über Wochen und Monate offenbar nicht in der Lage war, den rechtmäßigen Vertreter am DFB-Pokal zu bestimmen!“

Für Schalke heißt das: Weder Gegner noch Ort noch Termin (vielleicht im Oktober) des Erstrunden-Pokalspiels stehen fest. Dieses Chaos haben aber nicht die Königsblauen zu verantworten. Sondern eher die einfallsreichen Regisseure der „Weißblauen Geschichten“...

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