Weniger Tönnies, mehr Heidel auf Schalke

Machtwechsel

Clemens Tönnies zieht sich beim FC Schalke 04 weiter aus dem Tagesgeschäft zurück. "Christian Heidel ist der neue starke Mann auf Schalke. Ich werde mich auf das konzentrieren, was ein Aufsichtsrat tun muss – Aufsicht führen und Rat geben", betonte Tönnies bei der Vorstellung des neuen Managers. Wie lange er selbst noch auf Schalke mitmischen darf, wird spätestens bei der Mitgliederversammlung am 26. Juni entschieden.

Gelsenkirchen

20.05.2016 / Lesedauer: 3 min
Weniger Tönnies, mehr Heidel auf Schalke

Bilder der Vorstellung des neuen Schalke-Managers Christian Heidel.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr war Clemens Tönnies zu Gast in einer Talkshow und plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen. Es waren wieder einmal unruhige Zeiten auf Schalke. Boateng und Sam waren gerade suspendiert worden und die angestrebte Champions-League-Teilnahme in weiter Ferne.

Heldt: "Du bist der Boss"

Tönnies wollte damals wohl Manager Heldt den Rücken stärken, doch er erreichte mit seinen Äußerungen das genaue Gegenteil. Denn der Schalke-Boss gab zum Besten, dass er schon länger Handlungsbedarf bei Boateng gesehen habe: "Ich hätte das schon früher gemacht." Deshalb habe er Heldt eine SMS geschrieben, "in der ich ihm gesagt habe, was ich machen würde."

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Tönnies hatte zwar noch hinzugefügt, dass er nicht der Entscheider sei und er zu Heldt gesagt habe: "Du bist der Boss, greif durch", aber diese Sätze wurden kaum zur Kenntnis genommen. Der öffentliche Eindruck war vielmehr, dass Heldt wieder einmal nur ein Erfüllungsgehilfe von Tönnies war, der sich ständig in das operative Geschäft einmische. Solche Episoden sollen nun endgültig der Vergangenheit angehören. Tönnies sicherte Heidel "die volle Rückendeckung" für eine Neuausrichtung des Vereins zu. 

Mitgliederversammlung am 26. Juni

Wie lange Tönnies noch auf Schalke mitmischen darf, wird spätestens bei der Mitgliederversammlung am 26. Juni entschieden. Denn der Schalke-Boss, seit 1994 im Aufsichtsrat und seit 2001 Vorsitzender dieses Gremiums, stellt sich zur Wiederwahl. Zuvor muss er auch noch um die Zulassung kämpfen, überhaupt zur Wahl stehen zu dürfen. Darüber entscheidet auf Schalke der sogenannte Wahlausschuss. Anfang Juni wird bekannt gegeben, welche Personen zur Wahl zugelassen werden. In den vergangenen Wochen hat Tönnies viel Wahlkampf in eigener Sache betrieben und zahlreiche Fanklubs besucht.

In den Gesprächen mit Christian Heidel, die sich viele Monate hinzogen, hatte der neue Schalke-Manager ohnehin klar gemacht, dass er in seinem Aufgabenbereich allein die Richtung vorgeben will. Heidel: „Sonst wäre ich nicht zu Schalke gekommen.“

Transfers müssen warten

Nichts geändert hat sich indes an den ambitionierten Zielen der Königsblauen. „Wir gehören unter die ersten Drei“, stellte Tönnies lapidar fest. Wer Schalke trainieren wird, ist noch nicht entschieden. Von dieser Personalie hängen viele andere Entscheidungen ab. „Naldo bleibt der einzige Transfer, den ich ohne Trainer in Angriff genommen habe“, stellte Heidel klar. Auch die ausgeliehenen Spieler (Belhanda, Hojbjerg) oder diejenigen, deren Verträge auslaufen (Neustädter, Gspurning) müssen sich so lange gedulden, bis ein neuer Trainer verpflichtet ist.

Derjenige wird dann auch entscheiden, ob und welche Personen aus dem Trainerteam von André Breitenreiter weiter für Schalke arbeiten werden. Üblicherweise ist es so, dass ein neuer Trainer ein Team seiner Wahl mitbringt.

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