Wo Schalke seine Talente schmiedet

Aushängeschild A-Jugend

Wer den Begriff der Knappenschmiede im Jahr 2011 erfunden hat, darüber existieren beim FC Schalke 04 verschiedene Versionen. Letztlich ist es jedoch egal, wem dieses Wort als Erstem eingefallen ist. Fakt ist: Die Nachwuchsarbeit des FC Schalke 04 hat sich längst zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt.

Gelsenkirchen

26.07.2016, 06:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Bild aus 2011: Damals waren Julian Draxler (l.) und Manuel Neuer noch gemeinsam für Schalke im Einsatz.

Ein Bild aus 2011: Damals waren Julian Draxler (l.) und Manuel Neuer noch gemeinsam für Schalke im Einsatz.

Die Königsblauen haben durch ihre vorzügliche Jugendförderung nicht nur selbst junge Spieler zu Top-Kräften ausgebildet, sondern einige später auch für Summen weiterverkauft, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren. Deshalb gehört die Knappenschmiede zu den profitabelsten Nachwuchsabteilungen in Deutschland.

Sané, Draxler, Neuer

Das zeigt sich in der Transferpolitik, wenn man die zehn teuersten Schalker Abgänge der Vereinsgeschichte auflistet. Vorausgesetzt der Transfer von Leroy Sané zu Manchester City geht vor dem Saisonstart über die Bühne, sind die Plätze eins bis drei ausschließlich von Spielern belegt, die bei den Königsblauen ausgebildet wurden. Denn hinter Sané, für den Schalke die Rekordtransfersumme von 50 Millionen Euro winkt, folgen Julian Draxler (36 Millionen Euro) und Manuel Neuer (30 Millionen). Das sind Renditen, die für sich sprechen.

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Wie wichtig Schalke der Nachwuchsbereich in den vergangenen Jahren war, wird an mehreren Punkten deutlich. So schichtete Schalkes früherer Manager Horst Heldt die Finanzmittel für die Knappenschmiede um. Es gab weniger Geld für die Regionalligamannschaft, die laut Schalke-Definition auch zur Knappenschmiede gehört, aber wegen eines noch fehlenden Stadions aktuell ohnehin keine Perspektive für den Aufstieg in die 3. Liga hat. Mehr Geld floss dagegen in die Förderung der Jugendteams, von denen die A-Jugend dank zahlreicher Erfolge als Aushängeschild zu bezeichnen ist.

26 Trainer für elf Teams

Der große Stellenwert der Knappenschmiede lässt sich auch am Personal dokumentieren. Eine Bachelorarbeit aus dem vergangenen Jahr, die die Schalker Nachwuchsförderung untersuchte, kam auf 90 Personen, die sich um die Spieler und um außersportliche Belange kümmern. Für die insgesamt elf Mannschaften sind 26 Trainer zuständig. Hinzu kommen Spezialtrainer, wie zum Beispiel fünf Torwart-Trainer und zwei Athletik-Trainer. Außerdem gibt es einen Individual-Trainer für den gesamten Nachwuchsbereich.

Rund 40 Jugendkicker, die auf Schalke ausgebildet wurden, schafften den Sprung in den Profifußball, darunter die Weltmeister von 2014 Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes und Julian Draxler. Und in der Saison 2013/2014 standen nicht weniger als acht Spieler (Fährmann, Hoogland, Höwedes, Kolasinac, Ayhan, Matip, Meyer, Draxler) in der Schalker Startformation, die das Achtelfinale der Champions League bei Real Madrid bestritt.

Erhöhter Konkurrenzkampf

Bei aller Freude über diese Entwicklung wissen die Schalker Verantwortlichen jedoch ganz genau, dass sie sich auf diesen Erfolgen nicht ausruhen dürfen. Die Professionalisierung der Nachwuchsarbeit hat bei allen Bundesligisten einen erhöhten Konkurrenzkampf zur Folge. Vor allem in Nordrhein-Westfalen buhlen neben Schalke vor allem Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen um die größten Talente. Auch sie sind ständig auf der Suche nach neuen Spielern der Klasse eines Neuer, Draxler oder Sané.