23-Jähriger "völlig ausgerastet"

Urteil am Amtsgericht

"Sie sind völlig ausgerastet!" So fasste die Richterin am Amtsgericht Wesel am Freitag das Verhalten eines 23-jährigen Bewohners einer Schermbecker Flüchtlingsunterkunft am 7. Mai 2016 auf dem Gelände des Rewe-Markts, Weseler Straße, zusammen. Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte lauteten die Vorwürfe, die der Angeklagte sofort einräumte.

16.12.2016 / Lesedauer: 2 min

Unter Einfluss von Drogen (Cannabis) und Wodka (2,02 Promille) hatte der 23-Jährige Fährräder aus den Ständern gerissen und auf die Straße geworfen. Ein „Junge“ habe ihn zuvor des Diebstahls bezichtigt, sagte der Angeklagte. „Ich war wirklich ärgerlich. Ich war sehr betrunken, es tut mir wirklich leid.“ Der 55-jährige Polizist, der ihn festnahm, sagte, ein Zeuge habe berichtet, dass der 23-Jährige an der benachbarten Tankstelle eine Flasche Bier aus der Auslage genommen habe, ohne zu bezahlen. Die verschlossene Flasche hätte der Mann „mit den Zähnen regelrecht aufgerissen“ und aus dem Mund geblutet.

"Völlig stumpf"

Gegen den Zugriff des Beamten wehrte sich der 23-Jährige, schlug um sich, griff nach dessen Hals. Mit Hilfe seiner Kollegin gelang es dem Polizisten, den Mann zu Boden zu bringen und ihn zu fesseln. „Völlig stumpf“, habe 23-Jährige gewirkt, so der Polizist. Auf „erheblichen Konsum von Cannabis-Produkten“ weise die Blutprobe hin, so ein Gutachter: Alkohol und Cannabis verstärkten sich gegenseitig und führten zur Enthemmung. In der Polizeiwache Dinslaken randalierte der 23-Jährige in der Zelle weiter, riss die Abdeckung der WC-Spülung ab und beschädigte Oberlicht und Tür. Mit der Polizei geriet der 23-Jährige am 20. September in Wesel erneut zusammen. Mit seinem letzen Geld sei er zum Jobcenter gefahren, habe dort kein Geld erhalten und keine andere Chance gesehen, nach Schermbeck zu kommen, als dennoch in einen Bus zu steigen. „Ich kann nicht vier Stunden zu Fuß gehen.“ Die Richterin: „Wenn man Zeit hat, geht das.“ Auch an diesem Tag wehrte sich der 23-jährige handgreiflich gegen die Festnahme.

Statt zu einer Geldstrafe, wie es der Staatsanwalt forderte, verurteilte die Richterin den 23-Jährigen zu drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung (drei Jahre) und 150 Arbeitsstunden. Der Angeklagte gelobte Besserung, sagte aber auch, dass er aus seiner Flüchtlingsunterkunft raus müsse: „Da werde ich wirklich langsam verrückt.“