2433 Kilometer mit dem Rad nach Spanien: Darum musste Erwin Schmitz aus einer Bar flüchten

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2433 Kilometer, 11.000 Höhenmeter, 20 Tage im Sattel: Zahlen der Reise, die Erwin Schmitz mit dem Rad nach Calpe (Spanien) antrat. Aus einer katalonischen Bar musste er dabei flüchten.

Schermbeck

, 03.10.2019, 12:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit vielen Jahren macht der Schermbecker Erwin Schmitz (63) Urlaub an der Costa Blanca in Spanien. So umweltfreundlich wie im August ist er aber noch nie nach Calpe am Mittelmeer gereist.

Andere würden auf dem Jakobsweg wandern. Doch er habe aus vielen Erzählungen herausgehört, dass man dabei nie allein sei, sagt Schmitz. „Ich wollte mich auf mich konzentrieren“, sagt er. Der 63-jährige Vorruheständler ist gelernter Sportlehrer und arbeitete bis zum Beginn dieses Jahres bei der AOK. Beim TV Wattenscheid war er in jungen Jahren Leistungssportler. „Ich habe mein Leben lang Sport gemacht.“

Zu viel Gepäck

Wie bereitet man sich auf eine solche Tour vor? „Ich bin mehr Rad gefahren“, sagt Schmitz. „Mehr“ heißt in diesem Fall, dass er beispielsweise seine Frau im Büro in Münster besuchte. 168 Kilometer sei er dafür geradelt. Obwohl Schmitz schon dachte, er hätte beim Gepäck das absolute Minimum erreicht, merkte er aber, dass die Radtaschen zu beladen waren. „Ein Paar Turnschuhe und einige T-Shirts habe ich in den ganzen Tagen gar nicht getragen.“

Das Ziel war der Peñon Ifach, ein Fels an der spanischen Mittelmeerküste in Calpe. Die Route: Rheinradweg, Deutsche Weinstraße bis Straßburg, den EuroVelo 6 entlang der Saône in Frankreich, und den ViaRhone-Radweg über Lyon und Avignon, durch die Carmague bis ans Mittelmeer nach Perpignan und anschließend quer durch die Pyrenäen und das Ebro-Tal.

2433 Kilometer mit dem Rad nach Spanien: Darum musste Erwin Schmitz aus einer Bar flüchten

Dieses Foto machte Erwin Schmitz in der Stadt Sète in Südfrankreich. © Erwin Schmitz

Insgesamt war Schmitz 22 Tage unterwegs, dabei gönnte er sich vor den Pyrenäen im französischen Argeles-sur-Mer und nach der Durchquerung von Barcelona jeweils einen Ruhetag am Strand.

Tumult in einer Bar ausgelöst

Die Überquerung der Pyrenäen sei die größte körperliche Herausforderung gewesen. Und einen Fehler, gleich beim ersten Zwischenstopp nach der Überquerung der spanischen Grenze mitten in den Pyrenäen, wird Schmitz wohl auch nicht mehr machen. Ein alkoholfreies Bier wollte er in einer Bar zunächst auf französisch bestellen, korrigierte sich aber schnell mit dem Hinweis, er sei ja jetzt in Spanien.

Schmitz: „Da sprang ein Mann auf und rief: ‚No España!‘“ Tumultartige Szenen hätten sich danach abgespielt, sodass Schmitz aus der Bar flüchtete. Schmitz war nicht bewusst gewesen, dass er in Katalonien gelandet war. Über die extreme Reaktion sei er ein bisschen entsetzt gewesen, gibt Schmitz zu.

Einsamkeit war ungewohnt

Ungewohnt für Schmitz war die Einsamkeit. Mit der Heimat hielt er Kontakt per WhatsApp, doch das beschränkte sich darauf, dass er alle zwei Tage kurz mitteilte, wo er gerade war. „In Frankreich wurde ich einmal in einem Restaurant nicht bedient, weil man glaubte, ich würde auf meine Partnerin warten.“ Er habe immer mehr zu schätzen gelernt, wie wichtig es sei, sich mit anderen Menschen austauschen zu können.

2433 Kilometer mit dem Rad nach Spanien: Darum musste Erwin Schmitz aus einer Bar flüchten

Auf der letzten Etappe von Erwin Schmitz (r.) von Valencia nach Calpe stieß sein spanischer Freund Ignacio Cabrera hinzu. © Erwin Schmitz

Auf der letzten Etappe von Valencia nach Calpe stieß sein spanischer Freund Ignacio Cabrera hinzu, sodass Schmitz mit ihm auf die Zielankunft anstoßen konnte.

Lebenstraum erfüllt

„Lange Zeit war der Weg das Ziel auf meiner Reise. Gegen Ende musste auch ich erkennen, dass die philosophische Lebensbetrachtung mehr und mehr zerbröselt“ und nur noch zählt, das Ziel zu erreichen. Und doch war die Reise ein Lebenstraum, für den es sich gelohnt hat, die Strapazen auf sich zu nehmen“, so Schmitz.

Nach der Tour erholte er sich erst einmal einige Wochen an der Costa Blanca. Anschließend ging es mit dem Flugzeug zurück in die Heimat. Das Reisen mit dem Rad kann Schmitz nur empfehlen: „Man erlebt die Natur viel intensiver, als wenn man mit dem Auto fährt. „Den Kieferngeruch habe ich immer noch in der Nase.“

Weitere Fragen zu seiner Reise oder zur Route beantwortet Schmitz gern unter der E-Mail-Adresse konni.schmitz@t-online.de .

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