Als zweite Frau hat Ramona (24) die Tiefbau-Ausbildung gemeistert

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Frauen auf dem Bau - das ist ein ungewohntes Bild. Ramona Krampe (24) hat nun die Ausbildung zur Tiefbaufacharbeiterin abgeschlossen. Das gab es seit 2010 nur zweimal in der Region.

Schermbeck

, 15.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Straßen teeren, Wege pflastern, Tunnel bauen - das machen doch nur Männer, oder? Wer auf dem Bau arbeitet, der braucht Kraft, der muss anpacken können - so das gängige Klischee. Ramona Krampe (24) zeigt, dass das auch Frauen können.

In Holland sind Frauen auf dem Bau nicht selten

Die Dorstenerin ist eine von zwei Frauen im Kammerbezirk Düsseldorf, die in den vergangenen zehn Jahren eine Ausbildung zur Tiefbaufacharbeiterin absolviert hat. Ihr Ausbildungsbetrieb ist der von Uwe Retzmann in Schermbeck. 2016 gründete er sein eigenes Bauunternehmen, neun Mitarbeiter beschäftigt er.

Als Uwe Retzmann die Bewerbungsunterlagen der jungen Frau auf seinem Tisch liegen sah, dachte er zuerst, dass Ramona Krampe sich für eine Bürotätigkeit bewerben wolle. Aber die junge Frau suchte tatsächlich einen Ausbildungsplatz in einer Männerdomäne.

„In Deutschland ist man noch ein bisschen engstirnig, was Frauen in dem Bereich angeht. In Schweden und Holland sieht man Frauen viel öfter auf dem Bau“, so Retzmann.

Ramona Krampe wollte etwas Handwerkliches lernen

Die Begeisterung für das Handwerk rührt wohl von ihrer Familie her. Die Mutter ist Tischlerin, der Vater Polier, einer ihrer Brüder arbeitet im Straßenbau. „Ich wollte immer etwas Handwerkliches machen. Hätte es hier nicht geklappt, hätte ich mich bei der Bundeswehr beworben.“

Vor der Zusage von Uwe Retzmann kassierte Ramona Krampe nämlich einige Absagen. Tischlereien, Autowerkstätten - alle lehnten sie ab, sogar mit Begründung. Mit Kind sei es ja schwierig, wenn das mal krank werde, und dann die Arbeitszeiten...

Mit 18 Jahren wurde Ramona Krampe Mutter. Um das Kind kümmert sich vor allem der Vater - also gibt es keine Probleme mit einem Vollzeitjob. Hochschwanger absolvierte Ramona Krampe die Prüfung, um ihren Hauptschulabschluss nachzuholen.

Sobald Ramona Krampe ihren KfZ-Führerschein in der Tasche hat, wird sie den Baumaschinengeräteschein machen. Dann darf sie Bagger auch außerhalb abgetrennter Baustellenbereiche bedienen.

Sobald Ramona Krampe ihren KfZ-Führerschein in der Tasche hat, wird sie den Baumaschinengeräteschein machen. Dann darf sie Bagger auch außerhalb abgetrennter Baustellenbereiche bedienen. © Lydia Heuser

Die zweijährige Ausbildung hat Ramona Krampe erfolgreich abgeschlossen, nun ist sie im Gesellenjahr und kann sich entscheiden, ob sie eine einjährige Spezialisierung im Straßen- oder Kanalbau dranhängt. Dass sie weitermachen will, steht für sie fest. Ihr nächstes Ziel: der Autoführerschein, um dann den Baumaschinengeräteschein machen zu können. Zwar bewege sie auch jetzt schon die Maschinen, aber nur „im abgesperrten Baustellenbereich“, erklärt Uwe Retzmann.

Hilfsmittel erleichtern das Arbeiten

Wie ist das denn nun mit den Klischees zum Thema Bau? Ja, man ist bei Wind und Wetter im Einsatz. Und ja, es kann anstrengend sein. Aber: „Wer seinen Kopf einsetzt, dem ist bei vielen Sachen geholfen“, weiß der Chef.

Um die Arbeit zu erleichtern, gibt es reichlich Hilfsmittel. So ein Bordstein aus Beton kann schon mal 100 Kilo wiegen. Deshalb gibt es Zangen - so lassen sich Steine zu zweit heben.

Uwe Retzmann und Ramona Krampe heben den Bordstein mit Hilfe einer Zange.

Uwe Retzmann und Ramona Krampe heben den Bordstein mit Hilfe einer Zange. © Lydia Heuser

Auch eine Pflasterbettung könne man mit wenig Muskelkraft hinbekommen. „Wenn man einen Bagger anständig bedienen kann, schafft man es, den Schotter mit der Schaufel grob abzuziehen“, erklärt der Unternehmer. Hinterher müsse man nur noch nachbessern.

Frühes Aufstehen und Vier-Tage-Wochen

Die Arbeitszeiten findet Ramona Krampe gut. Das Unternehmen nimmt Aufträge im Umkreis von 100 Kilometern an. „Die meisten Mitarbeiter wollen halt nicht auf Montage, deshalb sind zwei Stunden Fahrzeit am Tag das Maximum“, weiß der Chef. Früh geht es dennoch los. Manchmal steht sie um 3 Uhr auf, um pünktlich mit ihrem Roller dort zu sein, wo die Kollegen sie einsammeln.

An eine Ausnahme kann sich Ramona Krampe noch erinnern. Es ging nach Bergisch-Gladbach zur Kanalverlegung in einem Schulgebäude. Zwei Stunden dauerte die Anfahrt. „Wir waren so um acht auf der Baustelle und um 20 Uhr wieder zuhause.“

Für solche Aufträge plant Uwe Retzmann mit einer Vier-Tage-Woche.

An dem kleinen Betrieb schätzt seine Mitarbeiterin, dass die Aufgaben vielfältig sind. „Man macht jeden Tag etwas anderes“, schwärmt sie. Dies sei auch ein Vorteil in Hinblick auf die weitere Karriere, so Retzmann: „Man ist universell einsetzbar, wenn man in einem kleinen Betrieb gelernt hat.“

Wer Interesse an einer Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter (2 Jahre) oder zum Straßen- bzw. Kanalbauer (3 Jahre) hat, kann sich für einen Ausbildungsplatz bei Uwe Retzmanns Baumunternehmen in Schermbeck bewerben. Voraussetzung ist ein Hauptschulabschluss. Bewerbungen werden online unter https://www.retzmannbau.de/ausbildung oder E-Mail info@retzmannbau.de erbeten. Im aktuellsten Baubericht der Arbeitsagentur von 2014 heißt es, dass nur 13 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland im Baugewerbe arbeiten und davon nur zwei Prozent im Bereich Bauarbeiten- und Ausführung.
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