Anwohner fordern mehr Aufklärung über geplantes Tier-Krematorium

Tier-Krematorium

Mehr als 50 Bürger informierten sich über das in Schermbeck geplante Tier-Krematorium. Sie haben Zweifel, ob das bestehende Gutachten überhaupt auf das aktuelle Projekt anwendbar ist.

Schermbeck

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Anwohner fordern mehr Aufklärung über geplantes Tier-Krematorium

Sandra Mika im Gespräch mit Anwohnern. © Hollstegge

Der geplante Bau eines Tier-Krematoriums an der Ecke Hufenkampweg / Kapellenweg durch die Weseler Firma Cremare wirft bei den Anwohnern des benachbarten Wohngebiets viele Fragen auf.

Das zeigte sich bei einem Informationstermin am Mittwoch, den die betroffenen Anwohnerinnen Sandra Mika und Sofia Willhausen organisiert hatten. Rund 50 Schermbecker waren trotz der Hitze gekommen, um sich über den aktuellen Stand des Projektes zu informieren.

Anwohner fordern mehr Aufklärung über geplantes Tier-Krematorium

Mehr als 50 Schermbecker waren am Mittwoch gekommen, um sich über das geplante Tier-Krematorium zu informieren. © Hollstegge

Gekommen waren nicht nur Betroffene aus der Nachbarschaft, sondern auch aus dem Gewerbegebiet selbst. So wies ein Firmen-Inhaber zum Beispiel darauf hin, dass auch seine Mitarbeiter von dem möglichen Bau des Krematoriums betroffen seien. „Wir sind 50 Meter entfernt und wären von eventuellen Immissionen direkt betroffen“, sagte er.

Zu Beginn hatte Sandra Mika, die selbst als Anwohnerin betroffen ist, den aktuellen Stand des Projektes knapp erläutert. „Wir wollen keine Gerüchte und Hypothesen verbreiten, sondern faktenbasierte Daten vorstellen“, sagte sie.

Ausschuss vertagte die Entscheidung über das Krematorium

Fakt ist, dass sich der Planungs- und Umweltausschuss Anfang Juli mit dem Thema befasst, die weiteren Entscheidungen aber auf die nächste Sitzung am 17. September verschoben hat. Zuvor soll es vor rund einem Jahr eine interne Informationsveranstaltung mit dem Unternehmen Cremare nur für Ratsmitglieder gegeben haben.

Dieses Vorgehen stößt vielen Bürgern unangenehm auf, denn sie erfuhren erst durch die Presse von dem Vorhaben. „Diese Informationen, die wir hier bekommen, hätten wir von der Verwaltung bekommen sollen. Ich fordere daher von der Verwaltung eine öffentliche Versammlung, bei der die Bürger Fragen stellen können“, sagte Anwohner Axel Wolters.

Anwohner fordern mehr Aufklärung über geplantes Tier-Krematorium

Sandra Mika ist als Anwohnerin direkt vom Bau des Tier-Krematoriums betroffen und erklärte den Anwesenden den aktuellen Sachstand. © Hollstegge

Gebaut werden solle, so Mika, ein Tier-Krematorium für beispielsweise Pferde, Esel und andere Heimtiere mit zunächst einem Ofen mit einem Fassungsvermögen von 250 Kilogramm die Stunde. Folgen solle dann noch ein weiterer, kleinerer Ofen. Gearbeitet werden solle an sechs Tagen, 24 Stunden im Drei-Schicht-Betrieb. 300 Meter betrage der Abstand zum nächsten Wohnhaus, erläuterte die Anwohnerin.

Gutachten von Cremare bezieht sich nur auf Kleintiere

Besondere Sorge bereiten den meisten Anwohnern eventuelle Immissionen, die durch die Verbrennung entstehen könnten. Dazu existiere zwar ein von Cremare in Auftrag gegebenes Gutachten, dieses sei jedoch auf die Verbrennung von Kleintieren bezogen, kritisierte Mika. Zudem berücksichtige das Gutachten zwar den Anlieferverkehr der Tiere, nicht jedoch den der Abholung und Entsorgung der Asche.

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Sorge mache den Anwohnern auch die Einhaltung der Kühlkette. Laut Gutachten handele es sich, so Mika, um eine Anlage mit „höchster Risiko-Kategorie“. „Das heißt, dass dort auch kranke beziehungsweise verseuchte Tiere verbrannt werden dürfen. Ob dann das mit der Kühlung noch funktioniert, wenn da ein Landwirt mehrere Tiere bringt, bezweifle ich.“ Unklar sei auch, wie die Entsorgung von kontaminiertem Wasser, Kadaver-Säcken und Asche vonstatten gehen solle.

Betroffene in Schermbeck wollen Präsenz zeigen

Mika rief die Anwesenden auf, sich an einer Unterschriftenaktion zu beteiligen und auch dazu, bei der kommenden Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am 17. September um 16 Uhr im Rathaus Präsenz zu zeigen. „Wir sind zum Gespräch bereit, wollen aber Zahlen, Daten und Fakten, um das Projekt einordnen zu können“, erklärte die Anwohnerin und erntete dafür Zustimmung von allen Seiten.

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