Ein atomares Endlager in Dorsten oder Schermbeck kommt laut einer geplanten Stellungnahme aus mehreren Gründen nicht infrage. © picture alliance / dpa
Endlager

Atomares Endlager in Dorsten oder Schermbeck soll verhindert werden

Teile Dorstens und Schermbecks kommen als Endlagerstätte für radioaktive Abfälle infrage. Eine gemeinsame Stellungnahme der Kommunen und der Trinkwasserversorger soll Gegenargumente liefern.

Ende 2022 soll das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz gehen. Für etwa 27.000 Tonnen hochradioaktiver Kernbrennstoffe, die noch viele hunderttausende Jahre Strahlung abgeben werden, wird nun ein Endlager gesucht. Dieses soll den Atommüll laut Rainer Eickelschulte vom Schermbecker Bauamt so einschließen, dass er eine Million Jahre von der Biosphäre ferngehalten wird.

Dafür braucht es spezielle geologische Voraussetzungen in der Tiefe der Erde. Mindestens 300 Meter und maximal 1.500 Meter tief soll das Endlager sein. Geeignete Standorte hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bereits auf 54 Prozent der Bundesfläche in einem ersten Schritt ausgemacht, auch in Teilen Dorstens und Schermbecks.

In der zweiten Stufe soll die BGE Flächen konkreter auswählen. Von aktuell 240.874 Quadratkilometern sollen dann laut Eickelschulte wenige zehntausend übrig bleiben, die weiter untersucht werden – zunächst oberirdisch. Erst dann sollen in den betroffenen Regionen Bürger erneut beteiligt werden. Am Ende sollen mindestens zwei Standorte mit Bohrungen analysiert werden.

Bisher nur wenige Stellungnahmen abgegeben

Nur wenige Kommunen und Regionen hätten bislang grundsätzliche Stellungnahmen abgegeben. „Auch die Kommunen und Kreise in unserer Region arbeiten derzeit noch an einer Positionierung zu diesem Thema“, so Eickelschulte. Der Planungs- und Umweltausschuss soll am 26. Oktober über den Entwurf einer Stellungnahme beraten.

„Weil eine gemeinsame Stellungnahme sicherlich größere Beachtung finden wird, hat die Verwaltung bei der Stadt Dorsten, dem Kreis Wesel, der RWW, und dem Wasserversorgungsverband Wittenhorst angefragt“, so Eickelschulte. Die RWW habe bereits signalisiert, sich anzuschließen.

Große Wasserschutzgebiete

In der Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass Dorsten und Schermbeck in den größten Grundwasserförderungsgebieten NRWs liegen (Holsterhausen und Üfter Mark). 360.000 Einwohner werden von hier mit Trinkwasser versorgt. Ein atomares Endlager verbietet sich also, weil sogar Transportwege für Atommüll möglichst außerhalb von Trinkwasserschutzgebieten liegen sollen.

Zudem sei der Untergrund der Region geprägt von intensivem Steinkohleabbau. „Diese weiträumigen Grubenwasserströme bilden sicherlich keine gute Ausgangssituation für die bei Atommüllendlagern zu favorisierende Lokalbegrenzung für Bodenwasserströme / Schadstoffaustragungen“, so die geplante Stellungnahme.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer