Auf der Suche nach dem "Vorzugskorridor"

Stromtrasse "A-Nord"

Zu einer Dialogveranstaltung mit Trägern öffentlicher Belange hatte die Amprion GmbH am Mittwoch in die Gaststätte Wortelkamp eingeladen. Erläutert wurde den rund drei Dutzend Gästen die Planung für die geplante 300 Kilometer lange Gleichstromverbindung „A-Nord“, die als Erdkabel ausgeführt werden soll.

Schermbeck

, 06.09.2017, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf der Suche nach dem "Vorzugskorridor"

Vertreter öffentlicher Belange trafen sich am Mittwoch in der Gaststätte Wortelkamp, um Details über die Planung der Windstromverbindung "A-Nord" zu erfahren.

Wie berichtet führen vier von fünf 1000 Meter breiten Korridoren, innerhalb derer Windenergie aus dem Norden Niedersachsens nach NRW gebracht werden soll, in dieser Region durch Schermbeck und Raesfeld – entschieden sei jedoch noch nichts, betonte Amprion-Sprecher Jonas Knoop auf Anfrage unserer Zeitung. Auch gebe es noch keinen präferierten Korridor. Bei solchen Dialogveranstaltungen habe man in Niedersachsen bereits „viele wertvolle Hinweise bekommen“, sagte Knoop. Ähnliches erhoffe man sich auch hier. Falls etwa Siedlungs- oder Gewerbeflächenerweiterungen geplant seien, die von einem der Korridore betroffen sein könnten, könne man dies in der frühen Phase der Planung aufnehmen.

Rechtssicherheit

Keine Rolle spiele hingegen, wenn bereits jetzt etwa Widerstand von Landwirten angekündigt werde, so Knoop. „Wir müssen der Bundesnetzagentur einen rechtssicheren Korridor und später eine rechtssichere Trasse vorschlagen.“ Erst wenn es an die konkrete Trasse gehe, könne so etwas wichtig werden. Wichtig sei aber, auch die Landwirte zu informieren. So hätten alle bisherigen Versuche, unter anderem in Raesfeld, ergeben, dass die Erwärmung des Bodens um bis zu zwei Grad oberhalb eines Erdkabels nicht auf den Ertrag ausgewirkt hätten.

Warum Erdkabel?

Landwirtschaftsvertreter fragten bei der Dialogveranstaltung auch nach, warum nicht eine Freileitung gewählt worden sei. Für eine solche rechne man 1,5 Millionen Euro pro Kilometer, so Knoop – Erdkabel sei rund fünfmal teurer. Doch dies sei eine Vorgabe der Bundesnetzagentur. Angesichts der Strommengen, die derzeit in Norddeutschland mit Windrädern erzeugt, aber nicht eingespeist werden könne, weil die Leitungen fehlten, aber dennoch bezahlt werden müssten, werde sich dies dennoch schnell rechnen.

Parallel mit „Zeelink“?

Derzeit prüfe man auch, ob es eine Parallel-Führung mit der geplanten Gasleitung „Zeelink“ geben könne. Das sei eine technische Frage. Anfang kommenden Jahres werde man einen „Vorzugskorridor“ vorschlagen, so Knoop. Wenn dieser genehmigt werde, gehe es um die konkrete, 35 Meter breite Trasse für die Bauausführung, von der am Ende ein Schutzstreifen von 24 Metern übrig bleibt. Mit Landwirtschaftsverbänden werde man noch in diesem Jahr sprechen, so Knoop, mit einzelnen betroffenen Landwirten aber erst, wenn das Planfeststellungsverfahren laufe. In letzter Konsequenz, falls ein Landwirt gegen den daraus folgenden Beschluss vergeblich klage, könne es zum „Zwangsbelastungsverfahren“ kommen, der Landwirt also gezwungen werden, sein Grundstück für den Bau der Leitung freizugeben.

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