Bau des Soziokulturellen Zentrums könnte noch in diesem Jahr starten

rnSoziokulturelles Zentrum

„Sobald die Baugenehmigung da ist, geht es los.“ Caritasdirektor Michael van Meerbeck stellte am Dienstag vor, wie sich der Gebäudekomplex Altes Rathaus/ehemalige Bücherei verändern wird.

Schermbeck

, 22.09.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp 600.000 Euro Förderung sowie 400.000 bis 500.000 Euro aus Caritas-Mitteln sollen laut Michael van Meerbeck der Umbau und die Ausrüstung des Gebäudekomplexes zu einem Soziokulturellen Zentrum kosten. „Sie können mit jedem Problem, das Sie haben, in dieses Haus kommen“, sagt van Meerbeck zur Zielsetzung - gleichzeitig solle es ein Haus der Begegnung sein. Ein Café soll dabei die erste niedrigschwellige Anlaufstelle bilden.

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Altenberatung, Fachberatung Demenz, Jugendhilfe, erzieherische Hilfen, Vorträge, Flüchtlingshilfe und vieles mehr soll in dem Haus möglich werden, wie Jessica Tepass, Leiterin der beratenden Dienste im Fachbereich Pflege und Beratung der Caritas, auflistete. Auch die Vermittlung zu Diensten anderer Anbieter soll möglich sein.

Kindergarten wird zum Borgskamp verlegt

Von außen wird man den Gebäuden gegenüber dem Rathaus in Schermbeck nach dem Umbau nicht viele Änderungen ansehen. Auf dem Alten Rathaus liege der Denkmalschutz, sagt van Meerbeck, deshalb dürfe dies nur mit einer Mineralfarbe gestrichen werden. Die Fenster werden erneuert und die Außenanlagen einer neuen Nutzung zugeführt. Wo jetzt noch Kinder der Caritas-Kindergartengruppe spielen, werden künftig die Gäste der Tagespflege-Einrichtung frische Luft schnappen können. Der Kindergarten soll, womöglich bis Ende des nächsten Jahres, am Borgskamp gebaut werden.

Rot markiert ist die Tagespflege, die einen eigenen Eingang im Gebäude erhalten soll.

Rot markiert ist die Tagespflege, die einen eigenen Eingang im Gebäude erhalten soll. © Berthold Fehmer

Statt eines Eingangs sollen nach dem Umbau zwei Eingänge in den Komplex führen. Rechts geht es zur Tagespflege für rund 15 demenziell veränderte Patienten, die im Bereich der ehemaligen Bücherei im Erdgeschoss unterkommt. Gemeinschaftsräume, Ruheräume sowie ein Bad zur Pflege der Besucher sind geplant.

Polizei zieht aus dem Keller nach oben

Über der Tagespflege soll ein Saal mit kleiner Küche entstehen, der von Schermbecker Gruppen genutzt werden kann. „Alten-Nachmittag, Posaunenchor ...“ nennt van Meerbeck mögliche Nutzungen. Die Polizei, die derzeit im Keller des Alten Rathauses untergebracht ist, habe den Wunsch geäußert, nach oben zu ziehen, was van Meerbeck „als ehemaliger Polizeiseelsorger“ gerne erfüllte. Dort, wo jetzt die Sozialstation ist, solle die Polizei zwei Büroräume erhalten.

Ein „Experiment für eine kleine Kommune“ bezeichnet Bürgermeister Mike Rexforth die Pläne. Er wünscht sich unter anderem am neuen Standort Neubürgerveranstaltungen. „Klar hätte man hier auch Großraumbüros machen können und das verscherbeln können“, doch im Wahlkampf hätten ihm viele Gespräche mit Bürgern gezeigt, dass es gesellschaftliche Probleme auch in Schermbeck gebe. Menschen, die keinen Anschluss fänden, aber auch solche, die sich noch in die Gemeinschaft einbringen wollten.

„Das Gute ist in Schermbeck, dass man sich vor einem Problem nicht versteckt“, sagt van Meerbeck, der etwa den demografischen Wandel nannte. CDU-Landratskandidat Ingo Brohl lobte den präventiven Ansatz des Projekts.

Baugenehmigung steht noch aus

Ab 2021 wird die Caritas das Gebäude von der Gemeinde kaufen, vorher ist man nur Mieter. Das hängt mit der Zweckbindungsfrist des geförderten Baus zusammen, die erst zu diesem Zeitpunkt abläuft. Derzeit würden die Architekten die abgegebenen Angebote der Firmen sichten, sagt van Meerbeck. Noch wartet er auch auf die endgültige Baugenehmigung des Kreises Wesel, mit der van Meerbeck aber kurzfristig rechnet.

Keinen Hehl machte van Meerbeck daraus, dass die Caritas derzeit selbst gerade bedürftig werde: Die Ausnahme-Situation seit März bringe die Mitarbeiter an ihre Grenzen. Nicht nur körperlich, sondern auch mental, so van Meerbeck, der die Sorge der Mitarbeiter nannte, selbst zum Überträger des Coronavirus bei Hilfsbedürftigen und der eigenen Familie zu werden. „Jeder, der uns im Bereich Pflege unterstützen kann, ist willkommen“, so van Meerbeck: „Die rote Linie ist weit überschritten.“

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