Bücherei-Besucher sind über Schließung empört

Mitarbeiter berichten

Die Zukunft der Schermbecker Gemeindebücherei ist entschieden (wir berichteten). Doch was geschieht nach der Schließung mit ihr? Was halten Mitarbeiter und Besucher von der Entscheidung? Wir haben bei Verwaltung und Büchereiteam nachgefragt.

SCHERMBECK

, 09.03.2017, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bücherei-Besucher sind über Schließung empört

Laut den Bücherei-Mitarbeitern Eva Saaber, Steffen Sondermann und Monika Schlebusch (v.l.) sind die Besucher empört und traurig über die Schließung.

„Frustriert, wütend, traurig und enttäuscht“ seien die meisten Besucher der Gemeindebücherei nach Bekanntwerden ihrer Schließung, berichtet Mitarbeiterin Eva Saaber. Ihre Kollegin Monika Schlebusch ergänzt: „Keiner geht hier raus, ohne etwas zu dem Thema zu sagen.“

Doch offenbar wird nicht bloß geschimpft, sondern auch gehandelt. So erzählt Monika Schlebusch, dass die Tochter (4. Klasse) einer Besucherin gemeinsam mit weiteren Schülern in ihrer Schule von Klasse zu Klasse geht, um über die Bücherei zu sprechen, und auch darüber, dass es nicht in Ordnung ist, diese zu schließen. Drei junge Frauen wollten in naher Zukunft eine Unterschriftenaktion starten und auch in den Medien zur Teilnahme aufrufen.

Leser haben sich immer wohlgefühlt

Gerade für junge Familien mit Kindern und Senioren sei die Gemeindebücherei „ein wichtiges Stück Kultur“, sagt Steffen Sondermann, der dort als Ehrenamtler aushilft. „Mal war der Andrang stärker, mal war es ruhiger“, sagt Sondermann. „Aber die Leser haben sich immer über die persönliche Beratung gefreut und sich hier wohlgefühlt.“ Dass das im nächsten Jahr ein Ende hat, finde auch er sehr traurig. Eine anderweitige, sinnvolle Investition, wie in den Tourismus, könne sich Sondermann nicht vorstellen. „Schermbeck ist keine typische Touristenregion. Ich glaube nicht, dass eine Investition in diese Richtung am Ende das bringt, was sie soll“, vermutet der 50-Jährige.

Was mit der Bücherei passieren wird, nachdem sie geschlossen ist, ist noch unklar. Laut Bürgermeistervertreter Herbert Tekaat stehen drei Szenarien im Raum – Eigennutzung, Vermietung oder Verkauf. In der nächsten Zeit gebe es jedoch keinen Termin für eine Entscheidungsfindung. In der Vergangenheit hätte man darüber nachgedacht, ein Tourismus-Büro einzurichten, damit an den Wochenenden die Möglichkeit einer einfachen Beratung bestehe. Weiter sei jedoch nicht in diese Richtung überlegt worden. Auch einen Ausgleich zur fehlenden Bücherei gebe es „seitens der Gemeindeverwaltung“ nicht, so Tekaat.

Kritik ist nachvollziehbar, aber nicht zu vermeiden

Die Kritik der Bevölkerung könne der Bürgermeistervertreter nachvollziehen. „Es war eine politische Entscheidung“, sagt er. „Wenn wir die Bücherei aufrechterhalten würden und dafür die Steuern erhöhen, gäbe es auch Kritik.“ Momentan, und wohl auch in naher Zukunft, wird die Büchereischließung in Schermbeck ein großes Thema sein. Abzuwarten bleibt, wie sich die Meinung der Bevölkerung nach der Schockstarre äußert.

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